Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach

 

 

Daten

S,N,F,D 100 Minuten

Regie: Roy Andersson

Writer: Roy Andersson

Stars: Holger Andersson, Nils Westblom

Eine geschlossene Geschichte wird in diesem Film nicht erzählt. Vielmehr gleicht er einer Aneinanderreihung von Gedanken und Denkanstößen. Zahlreiche lose verbundene Episoden erzählen von Menschen im surreal entfremdeten Göteborg.

 

Die zwei Hauptpersonen Sam (Nils Westblom) und Jonathan (Holger Andersson) arbeiten als Vertreter für Scherzartikel. Wenig überzeugt von sich selbst und ihren Produkten – Vampirzähne, Lachsäcke und eine Gruselmaske - versuchen sie, Menschen von ihrer Sache zu überzeugen. „Wir wollen den Menschen helfen, Spaß zu haben“, sagt Jonathan immer wieder. Sie selbst scheinen dabei aber nicht viel Spaß zu haben. Pleite und ohne Aussicht auf Besserung liegen die beiden ständig im Zwist.

Sie begleiten den Zuschauer durch die größtenteils unzusammenhängenden und traumhaften Szenen, treffen auf skurrile Charaktere und trostlose Existenzen: Eine Flamencolehrerin, die ihre Gefühle gegenüber einem ihrer Schüler vergeblich durch körperliche Nähe auszudrücken versucht, ein beinahe tauber Mann, seit 60 Jahren Stammgast in ein und derselben Bar. Selbst König Karl XII. hat einen Auftritt in diesem Film. Mit seinem Heer auf dem Weg in die Schlacht bei Poltawa bestellt er ein Mineralwasser in derselben Kneipe, in der Sam und Jonathan gerade mal wieder ihre Produkte vorführen. Der König zeigt Interesse am jungen Barmann.

In Roy Anderssons Film scheint jeder Mensch, unabhängig von seiner Position in der Gesellschaft, sensibel und verletzlich auf der Suche nach Verständnis zu sein. Nur leider ist auch gleichzeitig jeder alleine auf dieser Suche. Die Menschen leben, ohne einander wahrzunehmen, glauben, sie haben keine Zeit, sich aufeinander einzulassen, hat doch jeder sein eigenes Leben zu führen. In einem Interview erklärt Regisseur und Drehbuchautor Roy Andersson, sein Film „soll zur Besinnung über unser Leben anregen, und zwar mit einem großen Stück Tragikomik, Lebenslust und fundamentalem Respekt für das menschliche Dasein.“

Wie schon in den zwei Filmen zuvor setzt Andersson bei der Umsetzung auf statische Totalen und entsättigte Farben. Auch die Dialoge sind schlicht gehalten. Wenn jemand überhaupt etwas sagt, ist es meist dasselbe, wie auswendig gelernten Phrasen. Man gibt sich nicht preis. Die Angst, missverstanden zu werden, ist zu groß.

Anfänglich mag diese Darstellung deprimierend wirken, doch jede Figur im Film versucht trotzdem auf ihre eigene verschrobene Art und Weise, das Leben besser zu gestalten und fügt damit ein durchaus positiven und starken Aspekt hinzu.

 

Nach „Songs from the Second Floor“ (2000) und „Das jüngste Gewitter“ (2007) bildet Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach den Abschluss von Roy Anderssons Trilogie über das menschliche Wesen. Der Film gewann bei den „Internationalen Filmfestspielen von Venedig“ den Goldenen Löwen als Bester Film und stellt somit den bis dato größten internationalen Erfolg Anderssons dar.

 

Der Film startete am 1. Januar 2015 in den deutschen Kinos.

 

gesehen von Roman Neider-Olufs

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