GEGENÜBER

Neue Deutsche Kinofilme

Deutschland 2007
Regie: Jan Bonny
Originalfassung: Deutsch

Interview mit dem Regisseur

Autor: Jan Bonny, Christina Ebelt
Kamera: Bernhard Keller
Ton: Martin Witte
Schnitt: Stefan Stabenow
Darsteller: Victoria Trauttmannsdorff, Matthias Brandt, Wotan Wilke Möring, Susanne Bormann, Jochen Striebeck

Jan Bonny behandelt in seinem erstem Spielfilm, dem Familiendrama "GEGENÜBER", das sensible Thema der häuslichen Gewalt und deren Verdeckung hinter einer anscheinend harmonisch funktionierenden Familienfassade.

Es geht um den ruhigen und besonnenen Streifenpolizisten Georg, der aufgrund einer Rettungsaktion seines Kollegen Michael zum Oberkommissar befördert werden soll. Diese Veränderung hat tiefeinschneidende Folgen für sein Leben und das seiner Familie. Das über die Jahre aufrechterhaltende System einer nach außen hin glücklich gezeigten Familie gerät außer Kontrolle und die versteckten Konflikte brechen zum ersten Mal an die Oberfläche.

Georgs Ehefrau Anne, eine Lehrerin, führt einen verzweifelten Kampf um die Anerkennung der Eltern, die sie von oben herab behandeln. Sie sind die dominanten, Ton angebenden Menschen in ihrem Leben, die ihre Person und Arbeit überhaupt nicht wahrnehmen und wertschätzen wollen. Dies wird noch durch die Tatsache verschärft, dass sie Tochter und Ehemann finanziell unterstützen, immer wieder in deren Anwesenheit verletzend darauf hinweisen und somit ihre Machtposition ausspielen und unverändert sehen wollen.

Das Weihnachtsfest kommt da gerade recht um die unterschwelligen, angestauten Konflikte überkochen zu lassen. Wo normalerweise der Mann zum Aggressor wird, stellt Bonny hier das stereotype Bild des die Frau schlagenden Mannes um. Wir werden Zeuge von der Verwandlung der eben noch in der Schule sich aufopfernden Lehrerin Anne. Durch die Eltern erniedrigt, mutiert sie zu Hause zur Furie und kanalisiert ihren Selbsthass auf Georg, der als Zielscheibe sich nicht wehren kann und die Gewalt zulässt. Ein Gewaltkreislauf entsteht und etabliert sich über die Jahre, der durch die Eltern latent geschürt, im Wechselspiel zwischen Akkumulation, Ausbruch und Versöhnung immer geschlossen bleibt. Außen vor sind die Kinder, die ihre eigenen Wege gehen und sich bewusst von dem krankhaften Schema distanzieren.

Durch die anstehende Beförderung wird der sich nie wehrende Georg nun auf ein ungewolltes Podest gestellt, wo Verantwortungsbewusstein und Kontrolle über andere gefordert sind. Die Verzerrung der Spielregeln in seinem Leben und Aufwertung, die seine eigene Person erfährt, lassen ihn mehr und mehr die um des vermeintlichen Friedens Willen akzeptierte unterjochte Position zu seiner Frau registrieren.

Der Konflikt spitzt sich am Ende zu. Nach Annes letzter Gewalttat, die ins Extreme geht und Georg dazu zwingt, das Krankenhaus aufzusuchen, findet eine kurzzeitige Versöhnungsphase statt. Nachdem Anne in direkter Konfrontation die Eltern aus dem Haus ekelt, suchen beide den Neuanfang in ihrer Beziehung. Dieser findet jäh sein Ende, als Anne nach seiner endgültig verlorenen Beförderung Georg wieder schikanieren will und er diesmal das alte Schema umstellt und seine Frau mehrmals schlägt. Er ist auf das eingegangen, worauf sie immer wartete und von ihm gefordert hat: eine Reaktion, dass sie existiert, ganz gleich in welcher Art und Weise.

Der Film endet mit den beiden erschöpft auf dem Fußboden. Bonny lässt das Ende offen. Der Zuschauer kann für sich entscheiden, ob der Gewaltkreislauf unterbrochen worden ist. Und der Mann seiner Frau einmal die Grenzen gezeigt hat, damit beide eine gewaltfreie Partnerschaft weiterführen und aus dem Teufelskreis der immer wiederkehrenden Aggressionen treten können. Man kann auch daraus schließen, dass es letztendlich eine Verschiebung der Gewalt bewirkt, die nun auf den Ehemann übergetreten ist. Das Ende des Films ist überzeugend und in seiner Aussage klar und stark. Es ist keine versöhnliche Auflösung intendiert, weil diese der vorangegangen Geschichte "gegenüber" nicht ehrlich und nachvollziehbar wäre.

Ein bedrückender Film, der realitätsnah und in nüchternen ja bisweilen abgestumpften Bildern die sich ins Extreme steigernden Gewaltkonflikte zwischen zwei Ehepartner und den leidtragenden Kindern behandelt. Eine Geschichte als schonungslose Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in der Familie, die es verdient, einem größeren Publikum zuteil zu werden und über dieses weiterhin in unserer Gesellschaft verschwiegene Thema aufzuklären.

Gesehen von Roderik Helms

 

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