Wildgänse im Schnee mit VR Kamera

Dreh mit Wildgänsen und Schwänen im Schnee mit Gear VR Kamera

 

Klimaerwärmung hin oder her, selbst in Europa kann es immer wieder zu Wetterverhältnissen kommen, bei denen man für Dreharbeiten extrem umdenken oder wegen falscher Vorbereitung sogar den ganzen Dreh abbrechen muss. Spätestens wenn man in der Arktis dreht, können unsere Tipps für die Dreharbeiten in der Kälte helfen, auch unter Extrembedingungen Bild,- und Tonaufnahmen auch unter Extrembedingungen aufzuzeichnen.

Es kann in jedem Fall nichts schaden, wenn man die wichtigsten Besonderheiten bei Kälte in Zusammenhang mit Technik und Gestaltung einmal genauer anschaut.

 

Fortschritte

Viele frühere Probleme bei Dreharbeiten haben sich inzwischen auf Grund technischer Veränderungen von selbst aufgelöst. So war es beispielsweise bei bandgestützter Videoaufnahme etwa mit Digi-Beta, analogem Beta SP oder diversen Semi-professionellem DV, stets ein Problem, wie sich das Band zu den rotierenden Videoköpfen bei Feuchtigkeit und Kälte verhielt. Durch die Aufzeichnung auf Speicherkarten ist zumindest dieses Problem Geschichte. Dennoch macht die Kondensation von Feuchtigkeit auch heute noch bei Kältedrehs Probleme.

 

Die Temperaturen

Berggipfel Penken bei Mayrhofen im Zillertal

Penken-Berggipfel bei Mayrhofen im Zillertal, deutlich sichtbar der hohe Blau-Anteil

 

Grundsätzlich mögen Videokameras keine Kälte. Das hat nicht zuletzt auch mit der Stromversorgung per Akku, in der Regel Lithium Ionen, zu tun. Kälte fordert die Akkus ganz besonders, weil die internen Abläufe zur Entnahme von Spannung, stark beeinträchtigt werden. Wie bei anderen Akkutypen auch, arbeiten Lithium Ionen Akkus mit flüssigen Elektrolyten, deren Flüssigkeitsgrad bei Kälte zäher und deren elektrische Reaktionen viel langsamer werden. Das wieder erhöht den Innenwiderstand im Akku, wodurch die Spannung massiv sinkt bis hin zur Totalentladung.

Akkus sollten deshalb bei Kälte, wenn möglich in den Jackentaschen oder einer vorgewärmten Thermobox transportiert werden und erst kurz vor dem Einsatz an die Kamera angesetzt werden. Die physische Größe der Akkus spielt übrigens auch eine Rolle. Je kleiner der Akku ist, desto schneller wird die kalte Außentemperatur aufgenommen. Größere Akkus sind also im Vorteil. Größere Kameras übrigens auch, sie kühlen, wenn sie aus warmen Umgebungen kommen, nicht so schnell aus wie kleine Kameras.

Lithium Ionen Akkus sind bei Kälte nur minimal besser als die älteren NC oder NMH Akkus. Sie gehen nicht nur bei Kälte schneller in die Knie, ihre Lebensdauer wird auch deutlich reduziert, oft um bis zu einem Viertel der eigentlichen Kapazität.

Eine Kühlbox oder Kühltasche, in der man ab und an so genannte chemische Thermo-Pads, Taschen,- oder Handwärmer aktiviert, kann Akkus bei längeren Außendrehs warmhalten. Zurück im Warmen sollte man die erschöpften Akkus nicht sofort ans Ladegerät hängen, sondern darauf warten, dass sie Raumtemperatur erreicht haben.

Gleiches gilt übrigens auch für die Speicherkarten, diese sollten wie die Akkus nicht in der Kälte belassen werden. Es kann bei großen Temperaturunterschieden Sinn machen, Akkus und Speicherkarten in Stufen an die jeweils andere Temperatur zu "gewöhnen". Das vermeidet Ausfälle durch Temperaturschock.

 

Temperaturwechsel

Verschneite Moorlandschaft

Verschneite Moorlandschaft

 

Wer bei Dreharbeiten im Winter zwischen Innen,- und Außenmotiven hin,- und her wechseln muss, wird sicherlich mit Kondensation zu kämpfen haben. Equipment, was draußen abgekühlt ist, wird in warmen Räumen beschlagen. Doch nicht nur das, die Feuchtigkeit beschlägt nicht nur Sucher und Linsen, es kann sich auch Feuchtigkeit im Innern der Kamera bilden und im Extremfall zu Kurzschlüssen und er vollständigen Zerstörung einer Kamera führen. Auch wenn es etwas albern klingt, auch unsere Atemluft fügt einer Kamera Feuchtigkeit zu. Besser nicht in Richtung der Kamera bzw. der Optik oder des Suchers ausatmen.

Eine gängige Methode, wie man die Risiken durch Kondensation mindert, besteht darin, die kalte Kamera vom Außendreh erst einmal von jegliche äußerer Feuchtigkeit zu befreien (Leder oder Mikrofasertuch) und sie danach in einen möglichst luftdicht verschließbaren Beutel zu tun, die Luft im Beutel (mit Klemmclip oder Zip-Verschluss) so gut wie möglich herauszudrücken und ihn dann verschließen. Die Kamera im Beutel kann man dann in den warmen Raum mitnehmen, wo sich die Kamera erst einmal auf Raumtemperatur erwärmen kann ohne dass Raumfeuchtigkeit angezogen wird. Danach kann man sie aus dem Beutel herausnehmen und weiterarbeiten.

Hat man es mit häufigen Temperaturwechseln und verschieden kalten Bereichen zu tun, kann es Sinn machen, mehrere Kameras mitzuführen, die man konstant auf dem jeweiligen Temperaturniveau hält. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn man drehen möchte, wie Personen aus einem sehr kalten Außenbereich in einen wärmeren Innenbereich gehen und man die Aufnahmen im Innenbereich möglichst ohne Wartezeit fortsetzen möchte.

Wenn man gar nicht Innen drehen muss, sondern nur Innen pausiert und die Außentemperaturen sind nicht zu kalt (nicht unter 15 Grad Minus), ist es unter Umständen sinnvoller, die Kamera gleich im Auto zu lassen und nur die Akkus mit nach drinnen zu nehmen.

 

Extremtemperaturen

LKW-Fenster im Schnee

Richtig heftig wird es erst ab Minus 15 Grad...

 

Normale Wintertage in Europa kann man auf diese Weise zumindest technisch gesehen, gut bewältigen. Wenn die Temperaturen deutlich niedriger sind, drohen massive Ausfälle der Technik. Die beliebten LCD (Liquid Christal) Displays frieren bei unter 25 Grad Minus ein, spätestens wenn das Bild an den Rändern immer dunkler wird, sollte man die Kamera in die Wärme retten.

So wie die chemischen Prozesse in den Akkus sich bei Kälte verlangsamen, tun es auch die in Displays. Das führt zu Wischeffekten und Trägheit der Reaktionsgeschwindigkeit in der Wiedergabe.

Die Mechanik von Objektiven, insbesondere von Zooms kann bei sehr niedrigen Temperaturen wegen der verwendeten Schmiermittel Probleme machen. Sie wird zäh und kann mitunter sogar festsitzen.

Schwierigkeiten macht die Kälte auch den Hydroköpfen. Auch hier wird das Fett oder bei alten Köpfen die Ölflüssigkeit zäher, sie können sogar gefrieren. Profiteams die bei extremen Temperaturen, etwa am Südpol, drehen wollen, lassen im Service das Fett von Sachtler,- oder Vintenköpfen gegen besonders temeratusfestes Fett austauschen.

 

Grenzen der Tonaufnahme

Grundsätzlich bekommen auch professionelle Mikrofone bei Feuchte und Kälte so ihre Probleme. Hochfrequenzkondensatormikrofone sind in der Regel weniger empfindlich gegen Feuchtigkeit, doch bei extremen Minusgraden  unter -25 Grad steigen die meisten Mikrofone aus.

 

Kameraschutz

Einige Anbieter haben spezielle Schutzabdeckungen im Angebot, welche teilweise sogar Innentaschen für Thermoelemente haben. Diese sollten für den jeweiligen Kameratyp optimiert sein und sind leider nicht ganz preiswert. Hier gibt es beispielsweise von Porta Brace die Polar Bear Kälteschutztaschen.

Manchmal kann man sich mit leichten Mikrofaser-Decken helfen, die man grob zuschneidet und über die Kamera legt und auf der Unterseite mit Sicherheitsnadeln verschließt.

 

Dreh-Kleidung

Nicht nur Akkus gehen in die Knie, wenn es sehr kalt ist, auch bei uns Menschen gefriert jede Art von Kreativität und Aktivität, wenn man sehr friert. Winterfeste Kleidung ist also oberstes Gebot. Wer sich an der Kleidung von Soldaten oder Wildhütern in Skandinavien orientiert, liegt nicht falsch bei der Grundausstattung für Kälte-Drehs. Winter-Armeehandschuhe, richtige warme Multifunktions-Jacken, kanadische Winterschuhe das sollte man unbedingt anziehen. Wenn man länger auf einer Stelle stehen muss, hilft schon ein Karton, Styropor, selbst Äste, um die eigenen Schuhe vom eisigen Boden besser zu isolieren.

 

Ja und jetzt wo das mit den Temperaturen geklärt ist, sollte man sich über das nächste Thema Gedanken machen: Belichtung und Filter bei Schnee und Eis......

 

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