Festivaleröffnung im Deutschen Theater

 

 

Der 03. Mai 2017 bildete den Auftakt für das 32. Internationale Dokumentarfilmfestival in München. Auch in diesem Jahr haben es Festivalleiter Daniel Sponsel und sein Team geschafft ein vielfältig-spannendes Programm auf die Beine zu stellen. Ganze 157 Beiträge aus 45 Ländern flimmern zwischen dem 03. und 14. Mai 2017 elf Tage lang über die Leinwände. Bei mehr als tausend Einreichungen kann die Entscheidung darüber, welche Filme schlussendlich an den 17 Spielorten gezeigt werden sollen, sicherlich nicht leicht gefallen sein. Tatsächlich erfreut sich das DOK.fest immer größerer Beliebtheit. Nicht nur wird es international zunehmend als Premierenfestival wahrgenommen, letztes Jahr konnte das DOK.fest sogar etwa 38.000 Zuschauer verbuchen – ein neuer Rekord, der auch die seit 2011 verdreifachte Besucherzahl widerspiegelt.

 

Zunehmende Besucherzahlen hin oder her – die Bedeutung des Dokumentarfilms steht außer Frage. Doch gerade in solch aufwühlenden Zeiten wie wir sie gerade erleben – inmitten anhaltender Populismus-Debatten, Brexit, Trump und Terror (um nur ein paar Schlagworte zu nennen) – wird die Frage nach der Aufgabe des Dokumentarfilms, einem Medium mit besonders starkem Bezug zur Wirklichkeit, umso wichtiger. Soll er uns die Realität näher bringen und einen neuen Bezug zu ihr verschaffen? Wenn ja, wie hat er das zu bewältigen? Gibt es Dos and Don'ts? Wie wichtig sind (harte) Fakten, wie wichtig Gefühle? Vor dem Hintergrund populistischer Tendenzen oder aktueller Kontroversen rund um Fake News und dem sogenannten „postfaktischen Zeitalter" scheinen Kriterien der Faktizität und Emotion besonders stark ins Gewicht zu fallen.

 

Europäisches...

An solche Sujets anknüpfend stellt das diesjährige Festival die Fokusreihe DOK.euro.vision vor, und akzentuiert damit ein weiteres, einschneidendes Thema: die ungewisse Zukunft Europas. In zwölf Filmen wird das große Konzept erforscht, das sich zuletzt oft auf die Probe gestellt sah. Die Beiträge widmen sich dem Zustand sowie der Zukunft Europas, und verbinden es dabei auf intensive Art und Weise mit dem „Kleinen", Privaten und Intimen.

 

Die diesjährigen Reihen:

DOK.international (Hauptwettbewerb)
DOK.deutsch
DOK.horizonte
Student Award
DOK.panorama
Retrospektive Georg Stefan Troller
DOK.euro.vision
DOK.guest Mexiko
Festival in Exile: Syria
Münchner Premieren
DOK.music – Open Air
DOK.special
DOK.network Africa
DOK.4teens

 

DOK.international, DOK.deutsch und DOK.horizonte sind die drei Wettbewerbsreihen, in denen um den VIKTOR konkurriert wird. Während es bei den 14 Filmen des DOK.international einmal um die Welt geht, konzentriert sich DOK.deutsch auf uns vertrautere, aber dennoch häufig befremdliche Geschichten aus dem deutschsprachigen Raum. Der Horizonte-Wettbewerb umfasst Beiträge aus Ländern im Umbruch und bringt uns so unter anderem nach Indien, Kolumbien oder auch Georgien. Neun weitere Auszeichnungen gibt es, die im Rahmen des Festivals vergeben werden. Hierunter fällt auch der Megaherz Student Award, für den die Filme der Student Award Reihe nominiert sind. Jedes Jahr zeigt diese Rubrik die besten Dokumentarfilme von Studierenden der DOK.fest-Partnerhochschulen. Weiterhin sind drei wichtige Sonderpreise reihenübergreifender Wettbewerbe bereits vergeben worden:

 

ARRI AMIRA AWARD
Wird für herausragende Kameraarbeit bei einem Dokumentarfilm verliehen:
Cameraperson (Kirsten Johnson)

SOS-DOKUMENTARFILMPREIS
Für den Dokumentarfilmpreis der weltweiten SOS-Kinderdörfer sind Beiträge nominiert, welche die Perspektive ihrer jungen, zentralen Charaktere einnehmen und so dem Zuschauer jugendliche Lebenswelten eröffnen:
Komunia (Anna Zamecka)

DOKUMENTARFILMMUSIKPREIS
Der Dokumentarfilmmusikpreis 2017 ging an den Komponisten Elias Gottstein für seine Ton-Musik-Collage zu 6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage – Die Morde des NSU (Sobo Swobodnik).

Der Gesamtwert der zu vergebenden Preise beläuft sich auf 50.000 €.

 

Weitere Reihen

Neben den zahlreichen Wettbewerbsbeiträgen bietet das Festival auch Reihen an, deren Filme außer Konkurrenz laufen und die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte repräsentieren. Neben der bereits erwähnten Fokusreihe DOK.euro.vision widmet sich das diesjährige DOK.guest dem Gastland Mexiko. Weit jenseits üblicher Klischees wie Drogenhandel, Folklore oder Tortillas stellen hier fünf mexikanische Regisseure und Regisseurinnen ihre Heimat vor. Das DOK.panorama hingegen konzentriert sich auf akzentsetzende internationale Beiträge. Mehr als einen Blick wert ist auch das DOK.special, eine Reihe, die sich auf Filmpatenschaften spezialisiert hat. Freunde des Rhythmus' dürfen sich ferner im Rahmen von DOK.music auf Musikdokumentarfilme im Open-Air-Format freuen.

 

Damit es abseits der Leinwände nicht langweilig wird, wartet das DOK.fest außerdem mit einem attraktiven und abwechslungsreichen Rahmenprogramm auf. Filmschaffende können über die Branchen- und Nachwuchsplattform DOK.forum an diversen Workshops, Screenings, Paneldiskussionen und vielem mehr teilnehmen. Das DOK.education Programm möchte einen Raum schaffen, in dem Kinder und Jugendliche an den Dokumentarfilm herangeführt werden können sowie ihre Medienkompetenz geschult wird. Hierzu bietet es für Familien, Jugendliche und Schulklassen zahlreiche Veranstaltungen rund um den Dokumentarfilm an. Auch das VR Pop Up Kino, welches vor der Pinakothek der Moderne im Loftcube des Designers Werner Aisslinger eingerichtet wurde, kann besucht werden. Vom 05. bis zum 14. Mai 2017 zeigt hier das DOK.fest sieben hochwertige Virtual Reality-Dokumentarfilme, und bietet so die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dieser höchst umstrittenen Medienspielart.

 

Das DOK.fest hat also auch in diesem Jahr allerlei zu bieten. Hier gibt es Kino zum anfassen, Eindrücke zum mitnehmen, anspruchsvolle Unterhaltung und hohes künstlerisches Niveau.

 

Matthäa Gerner