Feuchtgebiete

 

Feuchtgebiete

Daten

Feuchtgebiete

D 2013

REGIE: David Wnendt
KAMERA: Jakub Bejnarowicz
MUSIK: Enis Rotthoff

DARSTELLER: Carla Juri, Christoph Letkowski, Meret Becker

 

Regie: David Wnendt

 

Kinostart: 22. August 2013

 

Feuchtgebiete - ein Titel der nichts Gutes ahnen lässt. Oder etwa doch? Wikipedia definiert den Begriff unschuldigerweise als "Sumpf" oder "Moor", aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn Feuchtgebiete thematisiert tatsächlich genau das, was man beim ersten Hören mit dem Begriff assoziiert. Als Charlotte Roche im Februar 2008 ihren ersten Roman veröffentlichte, schlug dieser sprichwörtlich ein wie eine Rakete. Wer mitreden wollte, musste das Buch gelesen haben, aber zuzugeben, dass es tatsächlich gefallen hatte, wäre ein gesellschaftliches Desaster gewesen. Doch auch, wer sich nicht so gut mit der grenzwertigen Lektüre auskannte, wusste eins: Es ging um Sex und war absolut schamlos. Ob diese weitverbreitete These stimmt, muss wohl jeder selbst für sich entscheiden, aber Tatsache ist, dass der Skandalroman tatsächlich einen Hintergrund hat. Hauptperson ist die achtzehnjährige Helen Memel, gespielt von der gebürtigen Schweizerin Carla Juri, die schon jetzt für diese Rolle in den Himmel gelobt wird. Helen ist rebellisch, freizügig und unkonventionell - und das drückt sich auch im Film aus. Von Körperhygiene hält sie nicht allzu viel, was gleich zu Anfang des Filmes sehr deutlich klar gemacht wird; dafür jedoch von Sex und Masturbation. Tatsächlich geht es für Helen aber alles andere als spaßig aus, denn sie zieht sich bei einer Intimrasur eine äußerst schmerzhafte Analfissur zu. Zusammen mit den Hämorrhoiden und der eitrigen Wunde muss sie schließlich ins Krankenhaus und operiert werden. Dort lernt sie den attraktiven Pfleger Robin kennen, der jedoch nur Mittel zum Zweck ist, um ihre geschiedenen Eltern wiederzusammenzubringen. Helen lässt sie von ihm nämlich zur gleichen Uhrzeit hereinbestellen und plant so ein romantisches Happy End. Aber abgesehen davon, dass sich die Liebe nicht erzwingen lässt, kommt es gar nicht erst dazu: Ihre Mutter kommt zu spät und ihr Vater, der es nicht allzu lange am Krankenbett seiner Tochter aushält, flüchtet schon nach fünf Minuten, sodass es gar nicht erst zu einem Zusammentreffen kommt. Dafür merkt Helen jedoch, wie eifersüchtig sie plötzlich wird, wenn sie Pfleger Robin mit seiner biestigen Ex-Freundin Valerie zusammen sieht. Hat sie sich etwa tatsächlich in einen Mann verliebt, mit dem sie nur oberflächlich geflirtet hat? Während ihrem Krankenhausaufenthalt erzählt Helen von ihren Erlebnissen. Wie sie ihre "Blutsschwester" Corinna kennen lernte, wie sie sich beinahe vollends zerstritten oder versuchten, sie mit ihrem Traummann zu verkuppeln. Der Unfall mit der Colaflasche, der zu dem kleinen Drogenabenteuer führte, das nicht so gut aufhörte, wie es anfing, der Grund, warum sie sich überhaupt rasierte und die Pizzageschichte, die eigentlich keiner hören wollte. Die Liste könnte man noch lange fortsetzen, aber trotz aller Ekelhaftigkeit und Perversitäten kommt nach und nach durch, was Helens eigentliches Problem ist: Die Scheidung ihrer Eltern, die sie wohl nie verkraftete. Man kann sagen, was man will, der Film ist und bleibt grenzwertig (eher sogar mehr als das), aber man kann ihn nicht als handlungsabstinente Ekelromanze abstempeln. Es ist schwer zu sagen, was von dem Film zu halten ist, denn es tauchen einfach zu viele Szenen auf, die man eigentlich gar nicht hatte sehen wollen und auf die man auch definitiv nicht vorbereitet war. Grenzwertig hin oder her, teilweise gingen die gezeigten Bilder einfach weit über die Grenze. Trotzdem macht der Film an einigen Stellen nachdenklich, besonders, wenn Helen plötzlich von der  schamlosen Rebellin umschwenkt und zeigt, was sie antreibt und was sie besonders fürchtet. Klar ist, dass ihre Eltern viel falsch gemacht haben. Nach der Aussage der Autorin soll sich außerdem im Ekel des Lesers ein ihrer Meinung nach überzogener Schönheits - und Hygienewahn widerspiegeln, worüber sich aber streiten lässt, da der Skandalroman auch einiges an Aufsehen und vorallem Geld bescherte. Die Kameraführung und die allgemeine Umsetzung des Films überzeugt, zusammenfassend zum Inhalt lässt sich eigentlich nur sagen, dass man den Film selbst gesehen haben sollte, bevor man sich darüber auslässt, da er sicherlich einige Überraschungen bietet. Und ob er gut oder schlecht ist, kann man in diesem Fall wohl tatsächlich nur für sich selbst entscheiden.

 

Gesehen von Theresa Schießl

 

2. Kriktik

 

Charlotte Roches Roman-Besteller "Feuchtgebiete" löste im Jahr 2008 regelrecht einen Skandal aus. Nun hat sich Regisseur David Wnendt an die Verfilmung des Buches herangewagt und zeigt, dass der Film dem Roman in nichts nachsteht. Öffentliche und verschmutzte Toiletten, Geschmacksproben von Intimflüssigkeiten oder Gemüseexperimente bei der Masturbation: Für Helen (Carla Juri) wird Hygiene klein geschrieben. Als kleines Kind noch zur Reinlichkeit erzogen, wird diese von ihr nun weitestgehend überschätzt. Neben Stress mit ihren geschiedenen Eltern (gespielt von Meret Becker und Axel Milberg) muss sich Helen zudem noch mit einer gescheiterten Intimrasur auseinandersetzen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Dort lernt sie den Krankepfleger Robin (Christoph Letkowski) kennen, der sich von der Offenheit ausstrahlenden Helen sichtlich angezogen fühlt. Der Film beweist, dass hinter den schockierenden Bildern eine tiefgründigere Geschichte steckt, geprägt von dem Drang nach Geborgenheit und dem Wunsch einer intakten Familie. Durch Flashbacks in Helen's Vergangenheit wird dies bildtechnisch hervorragend in Szene gesetzt, dennoch nimmt die Handlung gegen Ende an anfänglichem Schwung ab. Hauptsächlich brennt sich der Film aber durch grenzwertige Inhalte in das Gedächtnis des Zuschauers und man möchte sich vor lauter Ekel-Empfinden und einem steigenden Schamgefühl nur noch in seinem Kinosessel verkriechen. Als Fazit lässt sich sagen, dass der Film, nicht zuletzt durch eine starke Besetzung gelungen ist, durch den Inhalt einiger Szenen Grenzen dennoch weitestgehend überschreitet und somit kein Film für Zartbesaitete darstellt.

 

Gesehen von Ronja Preißler