Jerichow

 

Jerichow

Daten

Jerichow

93 Min., Deutschland 2008

REGIE: Christian Petzold
DREHBUCH: Christian Petzold
KAMERA: Hans Fromm
SCHNITT: Bettina Böhler
MUSIK: Stefan Will
KOSTÜME: Anette Guther

DARSTELLER: Benno Fürmann, Nina Hoss, Hilmi Sözer, Claudia Geisler

 

Regie: Christian Petzold Kinostart: 8. Januar Thomas hat das Haus seiner verstorbenen Mutter geerbt und ist nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Bundeswehr nach Jerichow zurückgekehrt, um ein neues Leben zu beginnen. Er will das Haus renovieren, doch dafür benötigt er Geld. Beim Arbeitsamt wird ihm ein Job als Erntehelfer vermittelt. Auf dem Rückweg von einem Einkauf findet Thomas den betrunkenen Ali in seinem Auto vor, das dieser gerade in den Fluss gefahren hat. Thomas hilft Ali das Auto aus dem Wasser zu holen und verhindert eine Festnahme durch die Polizei, die Ali schon auf dem Kieker hat. Ali erkennt schnell Thomas´ Qualitäten und bietet ihm einen Job in seiner Firma an. Er soll Ali zu seinen 45 Imbissbuden fahren, die er regelmäßig kontrollieren muss, und diese auch beliefern. Schnell vertraut Ali Thomas, und so bindet er Thomas auch in sein Privatleben mit ein. Alis Frau Laura ist eine große blonde Frau und passt rein äußerlich wenig zu Ali. Dies scheint auch Thomas zu finden, denn schnell hat er ein Auge auf sie geworfen. Anfangs schenkt Laura Thomas kaum Beachtung und behandelt ihn fast geringschätzig. Nach und nach gewinnt Thomas immer mehr Einblick in die Beziehung von Laura und Ali. Laura scheint Ali zu schätzen, aber wenig zu respektieren, von Leidenschaft ihm gegenüber ganz zu schweigen. Ali hingegen traut seiner Frau wenig und ist extrem eifersüchtig. Trotzdem ist er es, der Thomas und Laura dazu auffordert miteinander zu tanzen und somit die erste körperliche Annäherung der beiden schafft. Wie zwei Jugendliche, ohne große Bedenken, stürzen die Beiden sich in eine Affäre, die Ihnen die Möglichkeit zu einem anderen Leben aufzeigt. Doch Laura ist nicht nur durch einen Ehering an ihren Mann gebunden und so scheint es nur einen Ausweg für das Liebespaar zu geben: Sie müssen Ali loswerden. Christian Petzolds Version von „The Postman always rings twice" beginnt wie ein Gangsterfilm. Thomas wird von zwei Typen in Anzug in das Haus seiner verstorbenen Mutter begleitet und aufgefordert seine Schulden zu bezahlen. Thomas behauptet nichts zu besitzen, seine Lüge wird aber durchschaut und Thomas´ Gespartes wird entwendet und er niedergeschlagen. Der Held hat alles verloren und jetzt beginnt eine neue Geschichte. Dies ist eine erst verwirrende, jedoch interessante Art einen Film zu beginnen. Als Ali und Thomas aufeinandertreffen, hat man das Gefühl, dass nun ein Roadmovie beginnt, doch auch dies ist nicht der Fall. Erst als Laura auftritt und die zwischenmenschlichen Spannungen deutlich werden, wird klar: Hier handelt es sich um eine Dreiecksbeziehung, ein Drama. Dies bedeutet aber auch, dass wir aus einer sicheren und freundlichen Atmosphäre immer mehr in Verstrickungen und Betrügereien geraten. Lange mimt Laura die Kühle und man fragt sich, „was ist eigentlich mit dieser Frau los?" aber im Laufe des Films öffnet sie sich Thomas und wir erfahren mehr über ihre Gründe für ihre Ehe und auch, warum sie keine Gewissensbisse hat ihren Mann zu betrügen. Trotz der zunehmenden Einsichten in die Biografien der Charaktere wird man mit keinem der Protagonisten warm. Ali ist der Einzige in den man sich einfühlen kann, denn dieser sehnt sich nach seiner Heimat, hat Träume und leidet unter den Umständen. Doch keiner der Hauptcharaktere hinterfragt seine Handlungen. Dies bedeutet aber nicht, dass sie aus dem Gefühl heraus handeln würden. Wenn Thomas und Laura im Flur auf dem Boden eine schnelle Nummer haben, während Ali nebenan bei offener Tür betrunken in seinem Bett liegt, ist dies rein körperlich, ohne Leidenschaft, es grenzt an tierisches Verhalten. So bleibt der Eindruck: Der Mensch ist so wie er ist, weil die Umstände so sind wie sie sind und selbst die Liebe unterliegt diesen Umständen. Interessant ist das Bild Deutschlands, das sich außerhalb der Dreiecksbeziehung immer wieder aufdrängt. Da sehen wir das Arbeitsamt, Zeitarbeit, Imbissbuden, neue Strassen im Nirgendwo, alte verfallene Häuser, Pfandflaschen, strenge Zivilbullen und Bushaltestellen ohne Weg, direkt am Waldrand. Christian Petzold hat bei „Jerichow" mit vertrautem Team und auch bewährten Schauspielern zusammen gearbeitet. So wurde der Film in natürliches Licht getaucht und die Schauspieler meistern auch größere Herausforderungen in der Darstellung von z.B. Zwiespalt und Identitätsverlust. Vor allem Hilmi Sözer, der einigen vielleicht haupsächlich aus Komödien wie „Voll normaaal" oder „Der Schuh des Manitu" bekannt ist, beweist, dass er ein ernst zu nehmender Schauspieler ist, der hoffentlich noch öfters seine dramatischen Fähigkeiten unter Beweis stellen darf.

 

Gesehen von Mareike Dobewall

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