Die Kinder der Seidenstrasse

 

Die Kinder der Seidenstrasse

Daten

Die Kinder der Seidenstrasse

114 min., China, Deutschland, Australien 2008

REGIE: Roger Spottiswoode
DREHBUCH: James MacManus, Jane Hawksley
KAMERA: Xiading Zhao
SCHNITT: Geoffrey Lamb
KOSTÜME: Wenyan Gao, Kym Barrett

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Regie: Roger Spottiswoode Kinostart: 08. Oktober 2009 Hohe Erwartungen werden vor allem Fans von Romantik und Geschichten aus dem echten Leben an den Film stellen. "Die Kinder der Seidenstrasse", welcher auf einer wahren Begebenheit basiert, verspricht laut Pressetext eine "epische Lovestory" á la "Der Englische Patient" (Regie: Anthony Minghella). Während ich konzentriert versuchte diese zu entdecken, hielt der Kritikerkollege zu meiner Rechten lieber ein Mittagsschläfchen. Zu seiner Verteidigung wäre es nur fair an dieser Stelle zu erwähnen, dass dies bereits sein zweiter Film mit Überlänge an dem Tag war. Dennoch spricht dieses Ereignis nicht gerade für das Erzähltempo und den dramaturgischen Bogen des Films. Doch zunächst zu der Geschichte. "Die Kinder der Seidenstrasse" erzählt die bewegende Geschichte des englischen Kriegsreporters George Hogg, der während des Zweiten Weltkrieges in China das Leben von 60 Waisenkindern rettete. 1937: In der von Japanern belagerten Stadt Nanking beschließt der junge, idealistische Reporter George Hogg (Jonathan Rhys Meyers) weit weg von seiner Heimat über das Grauen des Krieges zu berichten. Als er jedoch damit konfrontiert wird, trifft es ihn unvorbereitet. Bei einer Befreiungsaktion lernt er den Partisanenkämpfer Jack Chen (Chow Yun Fat) und die US Krankenschwester Lee Pearson (Radha Mitchell) kennen. Hogg sucht in einem alten, verwahrlosten Schulgebäude in dem Ort Huang Shi Unterschlupf. Die rund 60 chinesischen Waisenkinder, die ebenfalls in dem Gebäude wohnen, begegnen dem Gast mit Misstrauen. Lee möchte, dass Hogg sich um die Kinder kümmert, während er so schnell wie möglich wieder an die Front will. Die anfängliche Verachtung und Hassgefühle der Kinder ändern sich nur sehr schleppend und sehr langsam wird die Beziehung zwischen den Kindern und Hogg zu einer Freundschaft. George lernt in dieser Zeit was es heißt Verantwortung zu übernehmen und widmet seine Ganze Energie dem Waisenhaus, welches er Schritt für Schritt wieder in eine Schule verwandelt. Auch die Krankenschwester Lee stattet dem Waisenhaus regelmäßig Besuche ab und die Beiden kommen sich zum ersten Mal näher. Gerade als sich Hogg an sein neues Leben gewöhnt wird die Idylle vom Krieg eingeholt. Die Japaner nähern sich dem Dorf und chinesische Nationalisten wollen nun auch Kinder zu Armee rekrutieren. Hogg sieht keine andere Möglichkeit als mit den Kindern zu flüchten. Er bittet Jack und Lee ihm zu helfen und macht sich mit den 60 Waisenkindern auf den Weg um über einen 1000 Kilometer langen Fußmarsch auf der Seidenstrasse an das westliche Ende der Wüste Gobi zu gelangen. Auf der abenteuerlichen Reise ereignen sich tragische Ereignisse und auch die Beziehung zwischen George, Lee und Jack spitzt sich zu. Der Film portraitiert sehr gelungen den mutigen Kriegsreporter und seine bewegende Geschichte. Ein großes Lob gilt auch dem Kameramann Zhao Xiaoding, der bereits an Filmen wie "Der Fluch der goldenen Blume" (Regie: Zhang Yimou) und "House of Flying Daggers" (Regie: Zhang Yimou) hinter der Kamera stand. Es gelingt ihm äußerst gekonnt sowohl die malerische Landschaft Chinas als auch das Grauen des Krieges einzufangen. Schwächen weißt der Film vor allem in der Aufteilung einzelner Passagen auf. Während das gemeinsame Leben im Waisenhaus sehr langatmig erzählt wird, wartet man verbissen auf die Reise durch die Seidenstrasse, die erst sehr spät im Film vorkommt. Durch die detaillierte Beschreibung der oben genannten Passage, welche nicht notwendig ist, verliert der Film an Schwung und zieht sich unnötig in die Länge. Für die heiß ersehnte Reise durch die Seidenstrasse, welche das eigentliche Hauptthema des Films darstellt, bleibt da kaum noch Platz. Ein weiterer Kritikpunkt ist der sehr überspitzte Wandel des Protagonisten vom kriegsbesessenen, abenteuerlustigen Reporter zum ausgeglichenen und zufriedenen Familienvater. Vom Moment an, an dem George das Waisenhaus leitet, wird er sehr stark heroisiert dargestellt. Es wirkt beinahe wie erleuchtet, ist mit allem zufrieden und erfreut sich an den kleinen Dingen des Lebens. Eine schöne, idealisierte Vorstellung von dem Leben wie es sein sollte, doch irgendwie kauft man ihm doch nicht ganz ab. Bis auf diese kleine Ungereimtheit wirken die Charaktere sehr glaubhaft und sind gut besetzt. Alles in allem ein gut gemachter Film, über eine unglaubliche Geschichte. Dennoch kann er den Erwartungen einer "epischen Lovestory" nicht ganz gerecht werden, da diese sehr in den Hintergrund gerückt wird und erst sehr spät im Film an Bedeutung gewinnt. Ein netter Bonus sind die am Schluss des Films eingeblendeten Interviews, der mittlerweile gealterten Waisenkindern, welche über ihren Retter sprechen.

 

Gesehen von Ronald Ernst

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