Mauer

 

Mauer

Daten

Mauer

Frankreich, Israel 2004

REGIE: Simone Bitton
DREHBUCH: Simone Bitton

KAMERA: Jacques Bouquin

SCHNITT: Catherine Poitevin-Meyer, Jean Michel Perez

 

Regie: Simone Bitton Kinostart: 12. Mai 2005 Eine Dokumentation über die Mauer, die Israel vor palästinensischen Extremisten schützen soll und die Bewohner doch nur einengt. Ein Film über die Mauer in den Köpfen der Menschen. Eine filmische Meditation über Schranken und Mauern auf der Welt, egal zwischen welchen Schichten, Religionen oder Völkern. Exemplarisch wird an Israel gezeigt, wie Menschen dazu neigen, sich gegen andere abzugrenzen- und sich damit doch nur selber die Zukunft zu verbauen. In langen, ruhigen Einstellungen zeigt Simone Bitton, wie entlang der Grenze zwischen Israel und Palästina diese unsagbar hässlichen Betonwände eingelassen werden und ganze Städte und Landstriche aus dem Blickfeld verschwinden. Als die Crew ein paar Anwohner filmen, die auf einen günstigen Moment warten, die Trennlinie zu überschreiten, wird die Angst und Anspannung fast körperlich spürbar- man weiß nicht, ob von den Grenzposten nicht doch jemand zu schießen beginnt. So reizvoll diese meditative Art des Dokumentarfilms sein kann (man denke nur an KOYAANISQATSI mit dem Soundtrack von Philip Glass), so ist es doch schnell ermüdend, über 90 Minuten Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich einen Weg durch die graue Betonwüste bahnen. Beeindruckend sind die kleinen Interviews mit betroffenen Anwohnern, einfachen Menschen: wie heißt du? Und immer: woher kommst du? Als Fremdkörper und vor allem unnötig erweist sich die Szene, als die Regisseurin via Webcam mit einem palästinensischen Psychiater Kontakt aufnimmt und pathetisch fragt, ob sie denn als einzige verrückt sei, da sie sich als Jüdin UND Araberin sehe. Die Antwort, man ahnt es bereits: nein, du bist die einzige Normale; die Welt ist verrückt. Überhaupt hat sich in diese Dokumentation ein etwas übertrieben dramatischer Zug eingeschlichen. So widmet die Regisseurin ihr Werk "allen Menschen, die diesen Film bewohnen". Film als grenz- und tabufreie Zone- grundsätzlich eine wünschenswerte Utopie. Angesichts von Interviewaussagen wie "Filmt mich nicht, die PLO bringt mich sonst um" wirkt so etwas jedoch grenzenlos naiv- oder einfach nur überheblich.

 

Gesehen von Johannes Prokop

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