Die Natur vor uns

 

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Regie: Niels Bolbrinker "Man sieht den Bildern an, dass er Maler war und Musiker". Gleich zu Beginn des Films stößt man auf diesen Satz und ein Bild, auf dem Sand zu sehen ist und eigenartige, schöne Strukturen, die der Wind auf ihm hinterließ. Jener, der diese Photos aufnahm, war ein stiller, kaum auffälliger Mensch (so erfährt man wenig später), ein Mensch mit einer sicherlich sehr genauen und auch eigenwilligen Art, in der Natur Formen und Strukturen zu erkennen. Es handelt sich um Alfred Ehrhardt (1901-1984), einen deutschen Photographen und Dokumentarfilmer. Er studierte Orgel, trat auch als Organist auf und brachte sich autodidaktisch das Malen bei. Er studierte am Bauhaus in Dessau und lehrte später an der Landeskunstschule in Hamburg. Doch vor allem geht es in diesem Film um seine Bilder und um die Landschaften, in denen er diese photographierte und aufnahm. Das Filmteam um Regisseur Niels Bolbrinker folgt den Spuren Alfred Ehrhardts auf Island, an der Küste der Nordsee und an der Kurischen Nehrung. Eigene, stimmungsvolle Aufnahmen des Regieteams wechseln sich mit jenen von Ehrhardt ab. Nebel ziehen vorbei, mächtige Wasserfälle stürzen in die Tiefe und dann erstarrt das Bild, wird zu grauen Linien und Flächen. Die Photographien Ehrhardts in Leinwandgröße zu sehen sind einige der schönsten Momente des Films. Oft sind die Bilder offen für Assoziationen aller Art, der Wind schreibt Schriftzeichen in den Sand oder verleiht ihm die Strukturen geschliffener Edelsteine. Auf anderen Bildern erscheinen Muster, deren Wirkung man nur schwer zu beschreiben vermag. Natürlich, man könnte es, könnte auf andere, ähnliche Muster verweisen. Aber gerechter wird man den Aufnahmen, wenn man auf jenen zitierten Satz verweist, darauf, das Ehrhardt Maler war und Musiker. Die Aufnahmen Ehrhardts werden unterlegt von den Tagebuchnotizen seiner zweiten Frau Lieselotte Dannmeyer. Hin und wieder erscheinen Leute, die von Ehrhardt erzählen oder über seine Bilder sprechen. Besonders der Photograph Kazimir Mizgiris bleibt dabei aufgrund seiner lebendigen Erzählweise im Gedächtnis. Leider aber erscheinen diese Leute ohne jede Erklärung hinsichtlich ihrer Identität und man kann oft lediglich erahnen, wer sie sind. Außerdem erscheint der Film, trotz oder vielleicht gerade wegen der großen Liebe zu den Aufnahmen Ehrhardts, als zu lang. Einige der Filmaufnahmen Ehrhardts hätten womöglich knapper ausfallen können. Als Essenz bleiben seine Bilder, die Freiheit, die sie für die Phantasie des Betrachters lassen, die beherrschende Rolle der Natur und die Frage, welche Rolle der Mensch in ihr spielt. Ist es ihre Schönheit, die Schönheit der Natur, die der Mensch darstellt? Oder ist es seine eigene, ganz persönliche? Diese Frage wirft der Film in die Dunkelheit des Kinosaals und irgendwann stellt sich eine andere: Was ist diese Schönheit, die Ehrhardt in Bildern, bewegten wie unbewegten, bannt? Der Film liefert hierbei einen wichtigen Hinweis: Für Ehrhardt war sein Schaffen, seine Suche nach Formen, Mustern und Strukturen die Suche nach Formprinzipien, die Mensch und Natur bestimmen, nach einem Gegensatz zum Chaos jener Zeit, die er miterlebte. Was bedeutet es dann schließlich, dass am Ende des Films ein Vulkanausbruch alles Bestehende unter sich begräbt? Ist er das Ende von Ehrhardts Suche, ist er jener Moment, der alle Gesetze in Chaos verwandelt? Oder gelangt seine Suche hierbei wieder an ihren Anfang: an jenen Punkt, an dem Leben vergeht und neu entsteht?

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

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