Andrew Lloyd Webbers Das Phantom der Oper

 

Regie: Joel Schuhmacher, USA 2004

 

Paris im Jahre 1870: Die beliebte und prunkvolle Opera populaire bekommt zwei neue Direktoren und einen Mäzen. Sie müssen allerdings feststellen, dass die Oper von einem mysteriösen Phantom (Gerard Butler) "mitverwaltet" wird: Es fordert Geldsummen und gibt den Ablauf der Inszenierungen vor. Falls seine Forderungen nicht erfüllt werden, widerfährt den Ungehorsamen Unglück. Die Brisanz der Situation wird schnell klar als der Star des Abends, die zickige La Carlotta (Minnie Driver), nur knapp einer scheinbar von selbst herabstürzenden Requisite entkommt. Empört verlässt sie die Oper. Die Direktoren entscheiden sich nach Beratung mit Mme Giry (Miranda Richardson), der Ballettleiterin, die junge begabte Christine (Emmy Rossum) als Hauptfigur einzusetzen und damit der Forderung des Phantoms nachzukommen. Christine verzaubert das Publikum und wird zum Highlight. Der neue Mäzen Graf Raoul Vicompte de Chagny (Patrick Wilson) erkennt in ihr seine alte Kindheitsliebe wieder. Mit seiner Liebe stellt er sich aber in den Weg des Phantoms. Denn das Phantom ist der heimliche Lehrer von Christine, getrieben von seiner Liebe zu ihr. Christine selbst ist nun hin- und hergerissen zwischen ihrem Lehrer und Raoul. Eifersucht, Besessenheit und Leidenschaft spitzen die Lage immer mehr zu, denn das gerissene Phantom kann sich allen Fallen entziehen und versetzt die Operncrew in lebensgefährliche Situationen...

Wer die Verfilmungen von "Jesus Christ Superstar" oder "Evita" gesehen hat wird diesen Stil auch im "Phantom der Oper" wiederfinden. Gedreht wurde in den Pinewood Studios unter der Regie von Joel Schumacher ("Nicht auflegen!", "8mm - 8 Millimeter", "Batman & Robin"). An 3D-Kulissen hat man nicht gespart, aber auch die reale Kulisse wurde sehr detailliert gebaut. Der Aufwand für Kostüme rundet die Produktion sauber ab. Dadurch entstand ein Bild wie aus einem Traum. Man orientierte sich nicht hundertprozentig an den originalen Kulissen und Kostümen der damaligen Zeit, sondern versuchte den Film und die Handlung zu unterstützen. Der Film enthält gegenüber der Theater-Variante durchaus einen Zusatznutzen, kann das Musical aber keinesfalls ersetzen.

Wer die Musik von Andrew Lloyd Webber mag, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen, jedoch daran denken, dass die deutsche Version auch auf deutsch von den Synchronstimmen Uwe Kröger (als Phantom), Jana Werner (als Christine) und Carsten Lepper (Raoul) gesungen wird - sehr gut, aber eben auf deutsch. Da man an den deutschen Text, aber auch an den Rhythmus der Musik gebunden ist, funktioniert die Synchronisation leider nicht gut - zu Lasten des Realitätseindrucks. Die Schauspieler singen - bis auf Minnie Driver - den englischen Originalton selbst.

Für diejenigen, die das Musical nicht gesehen haben, erzählt der Film die Geschichte spannend und ohne Längen. Suchen Sie sich ein Kino mit gutem Sound und bequemen Sitzen (143 Minuten), damit die Musik wirken kann, die extra für den Film in den Abbey Road Studios aufgenommen wurde.

 

Gesehen von Daniel Betz