Prinz Kaspian von Narnia

 

Prinz Kaspian von Narnia

Daten

 

Prinz Kaspian von Narnia

GB, USA 2008

REGIE: Andrew Adamson
DREHBUCH: Christopher Markus, Stephen McFeely
KAMERA: Karl Walter Lindenlaub
SCHNITT: Sim Evan-Jones
MUSIK: Harry Gregson-Williams
DARSTELLER: Ben Barnes, Georgie Henley, Skandar Keynes, William Moseley

 

 

Regie: Andrew Adamson

 

Kinostart: 31. Juli 2008

 

Nun sind sie wieder da: Die Geschwister Lucy, Edmund, Peter und Susan kehren nach Narnia zurück. Zweieinhalb Jahre hat das in unserer Welt gedauert, in der Geschichte selbst aber verbringen die vier Pevensies nur ein Jahr in England. Das scheint, wie zu Beginn des Films veranschaulicht wird, allerdings bereits zu viel zu sein: Von königlicher Würde oder Ausgeglichenheit ist bei Peter, dem eigentlichen Hochkönig von Narnia, im England zur Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht viel zu spüren. Er prügelt sich mit anderen Jungen und wird dabei von seinem Bruder Edward unterstützt. Als die Geschwister jedoch kurz danach nach Narnia zurückgerufen werden, müssen sie nach anfänglicher Freude feststellen, dass in dem Märchenland derweil einige hundert Jahre vergangen sind. Von ihrem Palast sind kaum noch Ruinen übrig, sie selbst sind nur noch Legenden und Narnia geht es natürlich auch nicht mehr so gut. Der Grund hierfür ist ein Volk von Menschen, welches die Fabelwesen Narnias unterdrückt, gar versucht hat, diese auszurotten und nun verbietet, die alten Geschichten noch zu erzählen. So wird die Welt von Narnia innerhalb ihres eigenen Universums zu einem Märchen, zu einer Geschichte, von der nur noch wenige wissen. Und einer dieser Wenigen ist der Titelgeber des Films, Prinz Kaspian, der gleich in der Eröffnungsszene des Films gezwungen wird, seine Heimat aufgrund einer Intrige zu verlassen. So beginnt die Geschichte. Wie in allen Narnia-Geschichten von C.S. Lewis unterliegt ihr eine kaum verborgene, moralische Botschaft. In „Prinz Kaspian" geht es um den Verlust des Glaubens und um dessen Rückgewinnung. Den Glauben verkörpert der Löwe Aslan, ein beinahe allmächtiges Wesen, was jedoch anfangs nur die junge Lucy zu sehen vermag. Peter dagegen glaubt nicht an dessen Hilfe und begeht dementsprechend gewaltige Fehler. Auch die Telmarer glauben nicht, sie haben die Wunder Narnias verbannt, moralische Rettung bietet aber nur, wie an Prinz Kaspian veranschaulicht wird, das Miteinander mit dieser phantastischen Welt. Letztere reicherte Lewis mit allerhand Geschöpfen an, die in der Verfilmung wiederkehren. Der sprechende Dachs Trüffeljäger und die Maus Flitzeflink besitzen eine gewisse Eigenwilligkeit, die direkt der Buchvorlage entspringt. Die Maus bietet Raum für einige Späße, die der Film auch nutzt, doch nicht ausnutzt. Der Humor bleibt in einem ausgewogenen Verhältnis zur Ernsthaftigkeit dieser Figur, was in einer Produktion dieser Größe erwähnenswert ist. Witz bezieht der Film vor allem durch einige gelungene Dialoge und in dieser Hinsicht bleibt er seiner Vorlage sehr treu, denn die unbeschwerten, teilweise frechen Wortgefechte sind auch die großen Stärken der Narnia-Bücher. Als phantastische Welt dagegen erscheint Narnia problematischer. Sie besitzt nicht im Ansatz die Komplexität und Glaubwürdigkeit jener Welt, die Lewis´ Freund J.R.R.Tolkien im „Herr der Ringe" beschreibt. Zum Teil findet man erstaunliche Parallelen zu letztgenanntem Buch: Laufende Bäume, Flüsse, die das Böse hinwegschwemmen, dies sind die auffälligsten Aspekte, die im Film eine Rolle spielen. Liest man die Bücher, dann findet man einige mehr. Vielleicht ist es ein Problem, dass diese Welt nun im Zuge der Begeisterung um die Filme von Peter Jackson auf die Leinwand gebracht wurde. Letzten Endes möchte der Film episch sein wie der „Herr der Ringe", aber die Geschichte und die Welt, die Lewis erschuf, vermögen dies einfach nicht. Eine etwas mehr auf das Wundersame ausgerichtete Verfilmung hätte eventuell den Maßen und den Eigenarten von Narnia angemessener gestanden. Manchmal versucht der Film zwar, die aufgenommene Ernsthaftigkeit ironisch zu brechen, doch letztendlich begegnet man oft Klischees, die zu hastig inszeniert werden, um wenigstens glaubwürdig zu wirken. Insbesondere trifft dies auf die anfängliche Abneigung zwischen den Wesen von Narnia und Prinz Kaspian zu, die diesen am Anfang am liebsten umbringen wollen. Einige Sekunden später schwören sie ihm heldenhaft pathetisch Treue bis in den Tod, ohne dass es eine wenigstens kurze Episode der Nachdenklichkeit gegeben hätte. In diesen Momenten sollen Emotionen hervorgerufen werden, Gefühle von Freude oder Überwältigung, die man in ähnlichen Szenen in anderen Filmen einmal empfand. Man erinnert sich auch an diese Emotionen, aber fühlt sie leider nicht. Dies geschieht in „Prinz Kaspian" einige Male. Leidenschaftslos und ohne eigene Ideen wird versucht, Größe und Heldenhaftes abzubilden, was dem Zuschauer letzten Endes den Zugang zur Geschichte und zu deren Protagonisten verwehrt. Dies ist aber keine Enttäuschung, da die Gründe, weshalb man in diesen Film geht, wahrscheinlich auch eher andere Aspekte als die Glaubwürdigkeit der Beziehungen zwischen den auftauchenden Charakteren betreffen. Insofern bietet die neueste Narnia-Verfilmung wenig Überraschendes: Natürlich gibt es noch mehr Effekte als im ersten Film, die Landschaftsaufnahmen sind gerade zu Beginn des Films sehr schön, Karten, Pergamente und die Ausstattung allgemein sind sehr liebevoll gestaltet. In der Animation der Fabelwesen und Tiere fallen wenig Unterschiede zum ersten Teil auf, was auch auf die Masken zutrifft, von denen einige allerdings sehr unecht anmuten. Auch die Armee der Telmarer passt in ihrer engen Anlehnung an die Ausrüstung der neuzeitlichen Spanier nicht unbedingt in eine Märchenwelt. Aber ein gewisses Durcheinander besitzen ja auch die Bücher. In diesem Sinn sind die Narnia-Verfilmungen ein buntes Vergnügen ohne großen künstlerischen Anspruch und ohne Poesie, wenn man von dem Kleid absieht, das Lucy am Ende trägt. Das ist wirklich schön.

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

 

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