Die Promoterin

 

Regie: Charles S. Dutton, USA 2004, 111 Min. Darsteller: Meg Ryan, Omar Epps, Tony Shalhoub

 

Kinostart: 24. Juni 2004

 

Auf den ersten Blick könnte man meinen: "Meg Ryan, mal ganz anders", denn "Die Promoterin" führt den Zuschauer in die männerbeherrschte und kampfwütige Welt des Boxsports. Da fragt man sich, was denn eine gefeierte Romanzendarstellerin alà "Em@il für dich" dort zu suchen hat. Doch schon in den ersten paar Minuten sind alle Zweifel verweht und ein jeder Ryan-Fan lehnt sich genüsslich in den Kinosessel zurück, um die kommenden 90 Minuten voll auf seine Kosten zu kommen. "Die Promoterin" beginnt mit einer Rückblende in die Kindheit von Jackie Kallen (Meg Ryan). Als Tochter eines Boxtrainers verbringt das blonde Mädchen sehr viel Zeit in der Trainingshalle (in einem Stadtteil von Detroit) und lernt dort, an der Seite ihres boxenden Onkels, den Sport zu lieben.
Jetzt, im Alter von 36 Jahren, verkümmert Jackie in ihrem Job, die Sekretärin für Irving Abel (Joe Cortese), Geschäftsführer des Cleveland Coliseum, zu spielen. Sie strebt nach Höherem, weiß aber noch nicht so recht, wie alles weiter gehen soll. Eigentlich ist sie schon zu diesem Zeitpunkt, diejenige, die alles plant und managt, jedoch nur im Schatten ihres Bosses. Von Anfang an zeigt sich Jackie als ergeizige Frau mit eigener Meinung, die nur leider in den männerdomonierten Boxerwelt nicht weiter beachtet wird. Sehr auffällig auch ihr extravagantes, leicht nuttiges Outfit, welches auf der einen Seite dem typischen "Blondchenimage" nahe kommt, auf der anderen Seite aber vielleicht gerade so extrem gewählt wurde, um dem Zuschauer immer vor Augen zu halten, dass sie trotz allem eine Frau ist und vielleicht auch ein bißchen um zu zeigen, wie sie mit den Mitteln einer Frau in der Männerwelt vorankommt. Als Jackie eines Abend wieder einmal ihren Mund zu weit auf macht, weil sie sich über den arroganten Boxpromoter LaRocca (Tony Shalhoub) ärgert, bietet dieser ihr aus Spot einen Boxer-Vertrag für nur einen Dollar an. Natürlich sagt Jackie zu, jedoch ist ihr neuer "Schützling" ein Drogensüchtiger. Als sie diesen aufsucht, trifft sie auf Luther Shaw (Omar Epps), ein Handlanger des lokalen Drogendealers, der gewaltig die Fäuste schwingt, um eine ausstehende Rechnung zu begleichen.
Nach kurzem Hin und Her willigt Luther schließlich ein, als professioneller Boxer, gemanagt von Jackie, Fuß zu fassen. Die beiden Charaktere, welche verschiedener nicht sein könnten, gewöhnen sich nur langsam aneinander. Luther ist ein farbiger Mann Mitte Zwanzig, dessen Heimat die Straße ist. Jackie, eine hübsche jüdische Frau aus den Vororten von Detroit. Leicht übertrieben prallen zwei Welten aufeinander, die jedoch ein gemeinsames Ziel verfolgen: Ruhm im Boxsport.
Jackie engagiert Boxveteran Felix Reynolds (Charles S. Dutton), um Luther für den Kampf in Form zu bringen. Sie bucht erste Partner für Trainingskämpfe und bringt ihrem "Schützling" bei, wie man Interviews gibt. Luther hat Erfolg und gewinnt seine ersten Kämpfe. Alles nimmt seinen Lauf: Erfolg für beide, tolles Haus, Jackie wird zur gefeierten Managerin, alles läuft super. Doch auf gute folgen schlechte Zeiten: Luther und Jackie bewegen sich allmählich immer weiter voneinander weg. Jackie ist nur noch um PR-Auftritte bemüht und vergisst, wofür einst ihr Herz schlug - nicht etwa für ihren Ruhm in der TV-Welt, sondern für das Boxen und die Anerkennung in diesem Business als Frau. Luther beschwert sich, sie habe keine Zeit mehr für ihn und sein Training und schaltet auf Stur. Der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt, als Jackie Luther in einer Pressekonferenz bloß stellt und ihn für dumm verkauft. Der Kinobesucher wartet die ganze Zeit auf eine gewaltige Auseinandersetzung der beiden, jedoch findet der große "(Box-)Kampf" nie statt. Zu schnell wird alles wieder gut und eine Reaktion Luther's bleibt aus. Mit Rassenunterschieden ala "Save the Last Dance" (der wie "Die Promoterin" auch von Cort&Maddenn ist) hat der Film wahrlich nichts zu tun, eher mit gemeinsamen Träumen zweier Menschen, die zufällig schwarz und weiß sind und aus anderen Umfeldern stammen. Wenn die Rasse hier ein Thema spielen soll, dann kommt es sehr gequält und schleppend rüber und zeigt alles, was schon so oft vorher gezeigt wurde.
Anschaulich hingegen ist die innerliche Wandlung Jackies zu einer gefeierten Box- Promoterin, die, auch im Erfolg, äußerlich dieselbe bleibt (vielleicht auch weiterhin um ihre Wurzeln zu verdeutlichen), jedoch innerlich immer mehr vom Weg abkommt. Sie schnuppert das große Geschäft und vergisst, was ihr eigentliches Ziel war. Ein typischer Ausflug in eine Welt, in der das kleine blonde Mädchen von damals zum Ziel ihrer Träume (und noch ein Stückchen weiter) gelangt. Und eine Welt, in der man nur gemeinsam stark ist und alles schaffen kann, wenn man nur zusammenhält. Eine schleppende Handlung mit einem vorhersehbaren Ende, das, wie zu erwarten, auf die Tränendrüse drückt. Ganz nett erzählt auf einer wahren Geschichte basierend aber ein leichter Fehltritt mit der Besetzung von Meg Ryan in der Hauptrolle, die wohl doch eher in ihre "Liebesfilmkiste" passt und hierbei ein wenig unglaubwürdig wirkt. Und manch ein Kinobesucher wird sich die ganze Zeit über sehnlichst wünschen, die Jackie zu einem Typberater zu schicken...aber es soll nicht so sein.

 

Gesehen von Caroline Klenke

 

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