Twilight

 

Mord und Margeritas

Daten

Twilight

122 Min., USA 2008

REGIE: Catherine Hardwicke
DREHBUCH: Melissa Rosenberg
KAMERA: Elliot Davies
SCHNITT: Nancy Richardson
MUSIK: Carter Burwell
KOSTÜME: Wendy Chuck

DARSTELLER: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Billy Burke, Michael Welch

 

Regie: Catherine Hardwicke

 

Kinostart: 15. Januar

 

In einer Mischung aus Edelmut und Leichtsinn verschlägt es die 17-jährige Bella Swan aus dem sonnigen Phoenix  nach Forks, ein Städtchen im Nordwesten der USA. Um ihrer Mutter einen größeren Freiraum mit deren Freund zu geben, ist Bella hier gelandet, und es ist wie die Ankunft auf einem fremden Planeten: Die Sonne ist verschwunden, der Himmel besteht aus grauen, unfreundlichen Wolken, überall wachsen Bäume und es regnet, immerzu. Bella ist nicht gerade der Typ, der sich darüber freut, den Rucksack packt und loswandert. An sich erfährt man sehr wenig über Bella. In Phoenix war sie eine Außenseiterin, nicht hipp genug. Aber warum sie anscheinend keine Freunde hatte, bleibt rätselhaft. In Forks jedenfalls liegt ihr die Highschool alsbald zu Füßen. Umworben von mehreren Jungen hat sie bald viel zu tun, deren regelmäßige Einladungen abzuwehren. Bella wohnt bei ihrem Vater, dem Polizeichef von Forks, einem soliden, in sich gekehrten Mann, dem nichts schwerer fällt, als anderen Menschen seine Gefühle zu offenbaren. Auch untereinander reden Bella und ihr Vater nicht gerade viel, scheinen damit jedoch gut zurechtzukommen. Bella mit dem blassen Gesicht, den langen braunen Haaren und ihrer verträumten Miene scheint selbst aus einer Art Feenreich zu stammen. Wirklich greifbar wird sie nicht: Sie hat keine Interessen, ihr liegt nichts an der Freundschaft zu ihren Mitschülern, sie existiert gewissermaßen einzig für einen einzigen Menschen, oder besser gesagt, für einen Vampir: Edward Cullen. Die Zeit der vorsichtigen Annäherung zwischen den beiden mag für manche langweilig und ohne Tempo erscheinen, aber diese Zeit ist die Seele sowohl des Films als auch seiner Vorlage. Die beiden Hauptdarsteller sind sehr gut besetzt und nachdem beide mehr oder weniger zusammengefunden haben, kann man sie sich nicht mehr getrennt voneinander vorstellen. Der Film erweist sich in dieser Hinsicht auch ausgewogener als das Buch, da er Bellas Bewunderung für Edwards Schönheit weitaus weniger Raum schenkt als in der Geschichte von Stephenie Meyer, die diesen Aspekt betreffend ein wenig befremdlich wirkt. Vielleicht ist es auch einfach schlicht unmöglich, jene reine und bezaubernde Schönheit der Vampire, wie sie Meyer beschreibt, auf die Leinwand zu übertragen. Ein, zwei Personen der Vampirfamilie Edwards aber hätten doch ein wenig sensibler besetzt werden können. Emmet Cullen wirkt eher wie ein Bodybuilder denn ein bezaubernder Vampir und Rosalie Cullen ist zwar schön, ihre Schönheit besitzt jedoch nichts Interessantes oder gar Märchenhaftes. Erst spät geschieht es, dass Bella eine Gefahr droht, wenn man von Edwards latenter Begierde absieht, ihr Blut zu trinken. Diese Gefahr erscheint in der Gestalt anderer Vampire und sie erscheint sehr plötzlich und abrupt und ohne jegliche vorherige Verbindung zu Bella. Dieser letzte Teil des Films (und auch des Buches) wirkt eher lustlos, und auch ohne Einfälle und ohne Motivation. Hier wird es aber endlich einmal gruslig, und das betrifft vor allem die Kostümierung der drei bösen Vampire, die alten Herkules- oder Xenafolgen entsprungen zu sein scheint und die um Einiges von den doch eher gemäßigten Vorgaben des Buches abweicht. Auch Bellas Verfolger ist sehr übertrieben dargestellt und all dies, die schlechten Kostüme, die schlechten Schauspieler und die reißerische und ebenfalls einfallslose Musik in jenem Augenblick, als jene Vampire auf die Cullens treffen, sind ein Moment, der nicht zum Rest des Films passt, an dem das Buch jedoch zumindest hinsichtlich der Handlung einen Teil der Schuld trägt. Äußerst gelungen dagegen ist die Besetzung von Bellas Vater Charlie, des wortkargen Polizisten, der sichtlich zwischen der Liebe zu seiner Tochter und seiner Unfähigkeit, seine Gefühle auszudrücken, schwankt. Die Momente zwischen ihm und Bella sowie zwischen letzterer und Edward sind jene Augenblicke, die es wert sind, sich diesen Film anzusehen. Regisseurin Catherine Hardwicke ist es gelungen, ihrer Vorlage, was deren stille Augenblicke betrifft, mehr als gerecht zu werden. Zwar vertieft sie dann auch mühelos und unnötigerweise deren Schwächen, die sich jedoch irgendwo fern der eigentlichen Geschichte befinden. Letztere ist gut erzählt: Sie trägt etwas Traurig-Fernes in sich, etwas Zerbrechliches und Eigenwilliges. Zusammen mit den Bildern von Kameramann Elliot Davies und der Musik von Carter Burwell schafft sie wie eine Art zauberhaften Schleier um Bella und Edward, der noch halb durchsichtig ist, die beiden Hauptdarsteller jedoch beinahe alleine lässt.

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

 

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