Vatertage - Opa über Nacht

 

Vatertage - Opa über Nacht

Daten

Vatertage - Opa über Nacht

93 min., D 2012

REGIE: Ingo Rasper
DREHBUCH: Thomas Bahmann, Ralf Hertwig
KAMERA: Ueli Steiger

DARSTELLER: Sebastian Bezzel, Sarah Horváth, Monika Gruber, Heiner Lauterbach, Adam Bousdoukos, Christiane Paul, Nina Gummich, Max Hegewald

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Regie: Ingo Rasper

 

Kinostart: 13. September 2012

 

Basti lebt in München, ist 36 Jahre alt und nicht im Mindesten erwachsen: Spaß steht für ihn an vorderster Stelle, egal ob beruflich bei seiner Arbeit als Rikscha-Fahrer oder privat, wenn seine weibliche Kundschaft nach der letzten Rundfahrt gerne mehr als nur ein bisschen Gesellschaft hätte. Er liebt seine Heimatstadt und braucht außer ihr nicht mehr als Weißwurst, Weißbier und seine Brassband „Wadlbeißer". Verantwortung ist was für spießige Bankangestellte mit Föhnfrisuren. Doch die heile Welt des Vollblutmünchners gerät aus ihren Fugen, als eines Tages Dina vor seiner Tür steht: Sie sei 17 Jahre alt, aus Bitterfeld, außerdem seine Tochter und Mutter des kleinen Paul im Kinderwagen neben ihr.  Basti ist völlig überfordert, doch als ihm die Überraschungstochter ein Handy in die Hand drückt, an dessen anderen Ende ihre Mutter mit Nachdruck in Form einer drohenden Unterhaltsklage 15 000 Euro verlangt, ist das der Todesstoß für sein geruhsames Leben. Denn als Rikscha-Fahrer ist Basti nicht annähernd so reich wie die Scheichs, die er durch München kutschiert und bei seiner Schwester Thea ist auch nicht mehr zu holen, als ein mit spitzen Bemerkungen über den Tresen geschobener Fünfziger. So muss Basti sich wortwörtlich abstrampeln, während Dina mit ihrer Freundin München unsicher macht. Doch dann taucht Bastis Vater nebst Lover aus Griechenland auf, Dina zieht samt Anhang bei ihrem Vater ein und das Blatt beginnt sich zu wenden. Nur in welche Richtung ist nicht ganz klar... Bayerische Komödien haben sich in den letzten Jahren als Publikumsmagnet erwiesen. Von „Wer früher stirbt ist länger tot" über „Die Geschichte vom Brandner Kaspar" bis zu „Eine ganz heiße Nummer": Längst sind diese Filme dem Kinopublikum auch über den „Weißwurstäquator" hinaus ein Begriff. Regisseur Ingo Rasper legt nun mit „Vatertage – Opa über Nacht" seinen eigenen Beitrag zum Genre und gleichzeitig seinen zweiten Kinofilm vor. Hauptdarsteller Sebastian Bezzel, von dem auch die Idee zum Drehbuch stammte, gibt zwar überzeugend den Münchner Lebemann, der von Verantwortung zum letzten Mal irgendwann im Kreißsaal gehört hat und zu dem Erziehung so sehr passt wie Ketchup zur Weißwurst, über eineinhalb Stunden hinweg hätte man sich allerdings doch den ein oder anderen Gesichtsausdruck gewünscht, der über den maulfaulen, leicht mürrischen Klischee-Bayern hinausgeht. Sarah Horváth als Dina ist die oberflächlich abgeklärte Teenie-Mutter, die scheinbar genau weiß was sie will und damit das exakte Gegenstück zu ihrem Vater bildet.  Mit Lederjacke und Nieten passt sie perfekt in diese Rolle. Einzig und allein die unglaubwürdige Beziehung zum deutlich jüngeren Vater ihres Kindes, Fels (Max Hegewald), nimmt man ihr nicht ab, was jedoch vor allem am Drehbuch liegt. Dinas Freundin Natalie (Nina Gummich) sorgt inmitten von weißblauer Sprachfärbung mit ihrem ostdeutschen Dialekt für ein paar komische Momente. Leider wurden eine Menge komödiantischer Möglichkeiten, die sich aus dem „Bayern-Preißen-Konflikt"  hätten ergeben können, versäumt. Heiner Lauterbach als Bastis Vater Lambert mit seinem griechischen Lover Nektarios (Adam Bousdoukos) sorgt ebenfalls für Spaß. Schade ist, dass Monika Gruber in der Rolle von Bastis Schwester Thea nicht mehr Raum bekommen hat. Wie bereits mit „Eine ganz heiße Nummer" bewiesen, hätte sie so sicher für ein paar Lacher mehr sorgen können. Von denen gibt es im Film nämlich drehbuchbedingt zum Ende hin immer weniger. Dass die Geschichte relativ vorhersehbar ist, hätte dem Streifen kaum geschadet, schließlich zieht er seinen Reiz vor allem aus dem Setting im bayerischen Kulturkreis. Allerdings hätte der Film, vom Dialekt einmal abgesehen, in seiner zweiten Hälfte auch im Ruhrpott spielen können sobald die obligatorischen Schauplätze in München und die Klischees von Weißwurst bis Schafkopf abgehakt sind. Das bayerische Lebensgefühl und die gewisse Urigkeit wurden in „Eine ganz heiße Nummer" deutlich konsequenter durchgehalten.  Dies ist dem Drehbuch geschuldet, das im letzten Drittel zu sehr versucht, den Film dramatischer zu gestalten als ihm eigentlich gut tun würde. Das Happy End hätte ebenfalls etwas glaubwürdiger und weniger schmalzig ausfallen können. Fazit: „Vatertage – Opa über Nacht" ist eineinhalb Stunden lang nette Unterhaltung, nicht weniger aber leider auch nicht mehr. Die Darsteller können in ihren jeweiligen Rollen überzeugen, das Drehbuch allerdings weniger, was schade ist, denn ansonsten hätte der Film sich bei den vorgenannten Genreklassikern einreihen können. Für eine Komödie fehlen „Vatertage – Opa über Nacht" in der zweiten Hälfte dann auch die Lacher. So ist er eher für den spontanen DVD-Abend geeignet als für den teuren Kinobesuch.

 

Gesehen von Jannis Brunner

 

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