Wild Tigers I have known

 

 

Wild Tigers I have known

Daten

Wild Tigers I have known

USA  2006

REGIE: Regie: Cam Archer
DREHBUCH: Cam Archer
KAMERA: Aaron Platt
SCHNITT: Cam Archer

DARSTELLER: Malcolm Stumpf, Patrick White, Max Paradise, Fairuza Balk

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Offizielle Website

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Regie: Cam Archer

 

Kinostart: 12. Juni 2008

 

„Wild Tigers I have known" erzählt die Geschichte von Logan, der sich sexuell zu Jungen hingezogen fühlt. Logan ist 13 Jahre alt und ihm passieren immer wieder Mißgeschicke. Er trifft einen älteren Jungen, Rodeo, mit dem er Freundschaft schließt. Inwieweit diese Treffen Realität sind oder nur eingebildet, wird nicht eindeutig ersichtlich. Diese Handlung ist verwoben mit jener von den Berglöwen, die irgendwo in den Wäldern wohnen und einen Jungen in der Schule getötet haben. Logan fühlt sich von diesen wilden Tieren angezogen, von ihrer Freiheit und ihrer Unberechenbarkeit. Dies sind Dinge, die ihm auch an Rodeo gefallen und die in ihrer Radikalität, in ihrer Fähigkeit, zu verletzten und am Ende vielleicht sogar zu zerstören, den Jungen aus seinem Alltag ausbrechen lassen. Eine schlüssig erzählte Geschichte erzählt der Film nicht. Viel mehr bietet er Einblicke in das Leben des 13-jährigen. Er deutet das sowohl problematische als auch liebevolle Verhältnis zu seiner noch jungen Mutter an, beschreibt Logans poetische und in sich gekehrte Ader, auch sein Desinteresse an der Freundschaft zu einem anderen, ebenso einsamen Jungen. Manche der Szenen des Films sind sehr humorvoll, auf eine leise, sehr beiläufige Art, die in ihrer Schlichtheit jedoch fast schon kühl und distanziert erscheint. Diese Distanz trifft auf den ganzen Film zu. Seine Protagonisten sind alle gelangweilt. Gelangweilt vom Leben, nimmt man als Zuschauer an, denn Anhaltspunkte für die Lustlosigkeit der meisten Protagonisten findet man keine. Diese Langeweile zelebriert der Film in unglaublich langen Einstellungen. Immer wieder werden verschiedene Details ausführlich gefilmt: Schritte, Stromleitungen, herumliegende Luftballons. Man erblickt Logan mit blutender Nase: 12 Sekunden. Danach sieht man ihn im Partyraum stehen: 40 Sekunden. Dann eine ewig lange Blende, woraufhin die nächste lange Szene folgt: Logan vor einem Spiegel, der Wasserhahn, Logans Gesicht: 34 Sekunden. So vergeht der Film und schleicht in den meisten seiner Teile von einer Ewigkeit zur nächsten. Beide Welten, die eingebildete als auch die tatsächliche, unterliegen einer sehr eigenwilligen Farbgebung. Blau-, Gelb- und Rottöne stechen oft hervor und verfremden das Bild. Die Szenen mit Rodeo sind in grellen, überzeichneten Farben gefilmt, sie spielen im Sommer oder Herbst und spiegeln eine verwunschene, bedrohliche Idylle wieder. Zum Teil sind diese Bilder sehr schön und in einigen Momenten außergewöhnlich, verlieren aber durch die Verfremdung der Farben an Authentizität und Wucht. „Wild Tigers I have known" ist ein insgesamt kühler und leidenschaftsloser Film. Die Geduld, mit der er sich seinen Bildern widmet, unterliegt weder ein psychologischer Hintergrund noch eine Originalität, die die Länge der einzelnen Einstellungen rechtfertigen könnte. Warum die Menschen so sind, wie sie gezeigt werden, spielt keine Rolle. Und auch die Art, in der sie dem Zuschauer erscheinen, ist sehr einseitig. Sie wirkt immer wieder gleich, vergeblich sucht man nach Schattierungen der Persönlichkeit der verschiedenen Charaktere. Einzig Logans Mutter bricht aus diesem Schema aus. Ihre Art zu spielen, wirkt angenehm ungezwungen, sie ist überhaupt der einzige Charakter des Films, dem es gelingt, den Zuschauer hin und wieder zu überraschen. Das Zusammenspiel von jener beiläufigen Erzählweise, die der Film pflegt, den Verwirrnissen des Erwachsenwerdens, der in die Normalität einbrechenden Berglöwen und der Hingezogenheit Logans zu diesen, besitzt großes erzählerisches Potential. Regisseur Cam Archer hat mit seinem Erstlingswerk sicherlich einen ungewöhnlichen Film geschaffen, aber auch einen übertrieben sperrigen Film, der einzig und allein von seiner befremdlichen, von ewig langen Einstellungen und grellen Farben dominierten Ästhetik dominiert wird, die die originellen Aspekte des Films vollkommen erdrückt. „Wild Tigers I have known" ist ein schöner Titel, die Sehnsucht aber, die in ihm liegt, bleibt dem gleichnamigen Lied am Ende vorbehalten. In den 80 Minuten vor diesem wird man, was Erwartungen dieser Art betrifft, leider größtenteils enttäuscht.

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

 

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