Yasmin

 

Yasmin

Daten

Yasmin

GB, D 2004

REGIE: Kenny Glenaan
DREHBUCH: Simon Beaufoy

DARSTELLER: Archie Panjabi, Renu Setna, Steve Jackson, Syed Ahmed u. a.

 

Regie: Kenny Glenaan

 

Filmstart: 26. Mai 2005

 

Bei der Berlinale 2004 wurde "Yasmin" mit dem "European John Templeton Film Award" ausgezeichnet, und das dürfte vermutlich daran liegen, dass sich der Film mutig mit einem Thema auseinandersetzt, das heutzutage die ganze Welt betrifft- und über das sich trotzdem schwer ohne Vorurteile reden lässt. Es geht um Yasmin, eine pakistanische Einwanderin der zweiten Generation. Ihr inzwischen verwitweter Vater betreibt im pakistanischen Viertel eine kleine Reparaturwerkstatt für Fernseher, ist Vorsteher der Moschee und träumt sich in die Heimat. Die Jugend aber hat längst westliche Werte für sich entdeckt. Yasmin wechselt heimlich den Schleier gegen Jeans, bevor sie zu ihrer Arbeit als Behindertenbetreuerin fährt, und ihr Bruder lebt als Kleindealer in den Tag hinein. Yasmin ist beliebt bei den Kollegen (Mitarbeiterin des Monats) und den Nachbarn, für die sie Behördengänge übernimmt. Um den Vater und dessen traditionellen Familienvorstellungen nicht zu verletzen, hat sie ihren zurückgebliebenen Cousin Faysal geheiratet, um diesem die englische Staatsbürgerschaft zu ermöglichen. Die Ehe besteht jedoch nur auf dem Papier; Jasmin achtet streng darauf, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Die Anschläge des 11.September 2001 treffen alle, Engländer wie Pakistani, wie ein Schock. Bald schon gibt es kleine Anzeichen dafür, dass sich die Stimmung im Land ändert. Schmierereien gegen die pakistanischen Bewohner tauchen auf, eine bedrohliche Verallgemeinerung des Islam findet statt. Auch Yasmin wird bald schon gemobbt- Inschriften wie "Osama Van" auf dem Bus machen den scheinbar witzigen Anfang. Parallel zur wachsenden Ablehnung der Öffentlichkeit gegen die muslimische Gemeinde als "Brutstätte des Terrorismus" beginnt sich ein tatsächlicher Wandel vor allem in der jungen Generation, die sich ungerecht behandelt fühlt, abzuzeichnen. Die jungen Männer zeigen Bereitschaft für hetzerische Parolen. Während sie zunächst noch mit dem Etikett "heiliger Krieger" prahlen, um Mädchen rumzukriegen, beginnen sie bald, sich mit ihren Wurzeln auf eine sehr verhängnisvolle Weise auseinanderzusetzen.
Yasmin steht für alle jungen Muslime, die sich als westlich orientiert empfunden haben und seit den Anschlägen von New York deutlich zu spüren bekommen, dass sie für den Rest der Bevölkerung doch nur unter "muslimisch" laufen. Und so wird in diesem Film gezeigt, wohin der Konflikt zwischen den Weltanschauungen führen kann- in die Radikalität oder zu einer Aussöhnung mit den eigenen Wurzeln. Es scheint ein ganzer Drehbuchkurs gewesen zu sein, der diesen Stoff entwickelt hat. Und dementsprechend wirken leider manchmal auch die Charaktere- bewusst gestaltet, aber eben gestaltet. Da man offensichtlich vermeiden wollte, Klischees zu bedienen, sind die Figuren teilweise sehr pädagogisch gezeichnet. So ist es der Vater, der zwar auf traditionelle Familienwerte pocht, aber Zivilcourage gegen die Radikalen zeigt, oder der nicht gemeldete, aber harmlose Cousin, der von der Polizei willkürlich (aber leider mit Rechtsgrundlage) verhört wird. Hin und wieder wurden aber bemerkenswert schöne Szenen geschaffen: die eingebettete Liebesgeschichte zwischen Yasmin und ihrem Kollegen zum Beispiel wirkt absolut ungekünstelt und real. Man kann nachvollziehen, wie weh auch ein gut gemeintes, aber achtlos eingeworfenes Wort tun kann. Optisch wirkt der Film sehr trist, es ist ein trostloses, graues England, das präsentiert wird. Leider überträgt sich dieser depressive Eindruck etwas auf den Zuschauer, den ein äußert schlecht gefilmter Beinahe-Unfall mit Wackelkamera noch etwas verstärkt. "Yasmin" ist zweifellos ein ambitioniertes Projekt und hat sich ein "Prädikat wertvoll" redlich verdient. Ins Kino werden für diesen Film vermutlich dennoch nur eingefleischte Cineasten gehen. Die Wahrscheinlichkeit, "Yasmin" eines Tages bei einem Sender wie arte wieder zu begegnen, dürfte aber sehr hoch sein. Und wer die Chance dann nicht nutzt, bringt sich wirklich um ein anregendes, nachdenklich stimmendes Filmereignis.

 

Gesehen von Johannes Prokop

 

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