Suite Havanna

 

Suite Havanna

Daten

 

Suite Havanna

CUB 2003, 80 Min.

REGIE: Fernando Pérez
DREHBUCH: Fernando Pérez
KAMERA: Raúl Perez Ureta
SCHNITT: Julia Yip
MUSIK: Edesio Alejandro

 

 

Regie: Fernando Pérez

 

Kinostart: 18. November 2004

 

Ein Bahnarbeiter, der gern Saxophone in einem Orchester spielen würde, ein Arzt, der in seiner Freizeit auf Kindergeburtstagen den Clown spielt, ein Vater, der nach dem Tod seiner Frau seinen Beruf als Architekt aufgab, um sich um seinen behinderten Sohn zu kümmern, ein pensionierter Professor für Marxismus, dessen 79-jährige Frau Erdnüsse verkauft, um zu überleben, ein junger Mann, der tagsüber im Krankenhaus arbeitet und nachts als Drag Queen auftritt… Ganz normale Menschen, zu Hause in Havanna (Kuba) gewähren 24 Stunden einen Einblick in ihr tägliches Leben und in ihre Träume. Keine beschönigten Bilder werden dem Zuschauer präsentiert, sondern das wahre Leben, so wie es ist: traurig, aber auch wundervoll. Fast ohne Worte komponierte Fernando Pérez mit seinem Kameramann Raúl Pérez und dem Tonmeister Eesio Alejandro eine Hymne auf Havanna und auf die Menschen, die in der kubanischen Metropole leben. Die Montage aus Bildern, Geräuschen und Musik, folgt den Tageszeiten und den gewohnten Abläufen der Menschen. Man braucht auch keinerlei Erklärung, allein die Untermalung mit alltäglichen Geräuschen, die zu wundervollen Melodien und Rhythmen verschmelzen, verleihen dem Film einen poetischen Geschmack und ergeben die Sinfonie einer Großstadt.

 

Gesehen von Kathrin Metzner

 

 

2. Rezension

 

Gerne wird seit vielen Jahrzehnten die Frage diskutiert, in wie weit ein Dokumentarfilm die Realität mit inszenierendem Einfluss der Regie aufzeigen darf. Fernando Pères entschied sich in seinem Doku-Essay "Suite Habana" für die durchkomponierte, augenfreundliche 35mm Variante, durch welche uns der ganz besondere Charme gewöhnlicher Einwohner der kubanischen Hauptstadt Havanna näher gebracht werden soll. Wir erleben detailgetreue 24 Stunden der insgesamt 10 Protagonisten und müssen uns am Ende des Films sicher sein, einen authentischen Eindruck ihres Lebens bekommen zu haben. Auch dass Pères diese Stadt über alles liebt, bleibt wohl kaum einem verborgen. Doch unterhaltsam ist sein Film deshalb noch lange nicht. Anfangs war ich ja noch recht angetan von all den hübsch inszenierten Alltagsbildern, doch als mir schleichend bewusst wurde, dass dieser Film konsequent darauf verzichten wird, etwas "passieren" zu lassen, spürte ich eine leise Panik in mir aufsteigen. Weitere 60 Minuten kubanische Frauen beim Zwiebelschneiden beobachten? Oder alten Männern beim ins Leere kauen? "Geht doch endlich ins Bett!" ,möchte man den Protagonisten zuschreien. Doch dann wird weitere 20 Minuten lang das Abendessen exerziert. In all seinen belanglosen Details. Unangenehm erinnert "Suite Habana" an die ermüdende Langatmigkeit eines Wim Wenders. Die beiden Regisseure könnten mit aller Wahrscheinlichkeit Nächte durchplaudern: Wenders' wertvolles Wissen bezüglich endlosem aus dem Autofenster Rausfilmen ("Das ist so intensiv!") würde ausgetauscht werden gegen Pères' entscheidende Filmerfahrungen im Abschwenken von langsam essenden Kubanern ("Richtig nah am Menschen!"). Ich für meinen Teil würde mich von dieser Zusammenkunft früh verabschieden und schlafen gehen. Dann würde ich im Bett darüber nachdenken, wie man als Regisseur seine Selbstverliebtheit hinter sich lassen kann und ob es nicht eigentlich egal ist, in wie weit ein Dokumentarfilm inszeniert ist, wenn er nicht unterhalten kann. Kurz darauf würde ich in eine angenehm spannende Traumwelt gleiten und wäre glänzend unterhalten.

 

Gesehen von Daniel Vogelmann

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