L.A.Crash

Daten

113 Min., USA 2005

REGIE: Paul Haggis
DREHBUCH: Paul Haggis, Robert Moresco
KAMERA: J. Michael Muro
SCHNITT: Hughes Winborne
MUSIK: Mark Isham
KOSTÜME: Linda Bass

DARSTELLER: Sandra Bullock, Don Cheadle, Ryan Phillippe

 

Regie: Paul Haggis Kinostart: 04. August 2005 Die Verantwortlichen in Amerika hatten sich ja auch nicht getraut, diesen Film groß zu promoten. Zu heikel das Thema des Films (Rassismus), zu groß die Gefahr, bei irgendeiner Gruppe anzuecken oder der political incorrectness bezichtigt zu werden. Die Folge ist einer der Überraschungserfolge des Jahres. Geschildert werden 36 Stunden im Leben mehrerer Bewohner von L.A. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, und oft führen kleine, unbedachte Momente zum Ausbruch des schwelenden Rassismus. Da gibt es den rassistischen Cop, der seine Wut darüber, dass die Krankenkasse seinen Vater im Stich lässt, auslebt, indem er den schwarzen Regisseur und dessen Freundin bei einer Autokontrolle per Leibesvisitation demütigt. Seinen jungen Kollegen, der alles richtig machen will und eben deshalb scheitern muss. Es gibt den persischen Ladenbesitzer, bei dem die Versicherung nicht für einen Einbruch aufkommen will, und der den Monteur des Schlosses zur Verantwortung ziehen will. Dazu gesellen sich noch der Oberstaatsanwalt, der alles tut, um die schwarzen Wähler nicht zu verstimmen, und seine gelangweilte, frustrierte Frau, die panische Angst vor Ausländern hat und dabei nicht mal ihre eigenen Freunde richtig kennt. Zusammengehalten werden diese Handlungsstränge durch drei Todesfälle, die der schwarze Detective aufklären muss, und zwei schwarze Kleinkriminelle, denen die Geschichte immer wieder folgt. Jeder steht für eine bestimmte Volksgruppe in L.A., und jede bekommt ihr Fett weg. Keiner in diesem Film ist besonders gut oder besonders böse, sie alle sind- und das ist (man beachte den Cast) für einen amerikanischen Film schon etwas neues- Menschen, egal, aus welcher sozialen Schicht sie auch stammen. Sie leben abgeschottet in ihren Vierteln und hegen die Vorurteile gegen die anderen ethnischen Gruppen; es scheint diese Zusammenstöße, die Crashs zu brauchen, damit die Menschen wirklich einmal Kontakt zueinander haben. Paul Haggis, der bereits das Drehbuch zu "Million Dollar Baby" verfasst hat, schafft es mit seinem Debütfilm, ohne Angst vor Empfindlichkeiten das Mit- oder eher Nebeneinander der Bevölkerung von L.A. in einen raffiniert ausgeklügelten Plot zu packen. Lediglich die Filmmusik verursacht gelegentlich Kopfschmerzen: gerade bei offensichtlichen rassistischen Übergriffen wird die Musikbegleitung sehr dramatisch. Da hat man dann doch schnell das Gefühl, der Regisseur wolle dem Zuschauer eine bestimmte Denkrichtung aufdrängen. Das ist etwas zuviel des Guten- man hat's bereits auch so kapiert, und Szenen wie die Leibesvisitation an der Freundin des schwarzen Regisseurs wirken auch so verstörend genug.

 

 

Gesehen von Johannes Prokop

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