Schläfer

 

Schläfer

 

Fahrid wird verdächtigt, ein Schläfer zu sein "Schläfer" ist nur am Rande ein Film über die Angst seit dem 11. September, die Möglichkeit von neuen Anschlägen und das Misstrauen gegenüber der arabischen Welt. Vielmehr ist es ein Film über Freundschaft, über Eifersucht und unterdrückte Gefühle- und die Korrumpierbarkeit eines eigentlich integren Mannes. Der Biochemiker Johannes tritt einen neuen Job an der TU München an. Noch vor seinem ersten Arbeitstag bittet ihn eine Frau vom Verfassungsschutz (Gundi Ellert), Informationen über seinen künftigen Kollegen Fahrid zu sammeln. Entrüstet lehnt er ab. Trotz gelegentlicher Ungereimtheiten (z.B. sind die Fenster in Fahrids Wohnung zugeklebt) entwickelt sich zunächst Freundschaft zwischen den beiden grundverschiedenen Männern, die- mit verschiedenen Ansätzen- am demselben Projekt arbeiten; sie schaffen es, die Konkurrenzsituation in eine fruchtbare Zusammenarbeit umzuwandeln.
Doch als Fahrid eine Beziehung mit der Frau beginnt, in die Johannes verliebt ist und Fahrid Johannes' Mithilfe an seinem Projekt leugnet, lässt sich Johannes auf einen Deal mit dem Verfassungsschutz ein.
Ganz allmählich lässt sich Johannes korrumpieren; und als in München ein Anschlag verübt wird, verweigert er Fahrid das Alibi- der Begriff "Schläfer" ist nun nicht mehr nur auf Fahrid bezogen. Es sind die Alltagsbeobachtungen, die dieses Erstlingswerk so sehenswert machen. Benjamin Heisenberg wird zur so genannten "Neuen Welle" gerechnet- Filmemacher mit einem eigenen Stil, der die Kleinigkeiten, die alltäglichen Situationen hervorhebt und in ihnen nach Hinweisen sucht, was die Protagonisten bewegt. "Schläfer" ist ein beeindruckender Film, dem man den "Erstling" gar nicht anmerkt. "Schläfer" lief dieses Jahr in Cannes unter der Rubrik "Un Certain Regard" und war auf dem Filmfest München in zwei Kategorien für den Regie-Nachwuchspreis nominiert. Wer wissen will, was das deutsche Kino Neues und vor allem Interessantes zu bieten hat, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.

 

Gesehen von Johannes Prokop

 

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