Musumedojoji

 

Musumedojoji

 

Regie: Yukiko Takayama, Japan, 2003 Eine junge Frau, bekleidet mit einem farbenprächtigen Kimono, steht umgeben von Wolkenkratzern auf einem Hochhausdach. Eine Sekunde später gleitet ihr Kimono sanft in Wellenbewegungen durch die Lüfte. Shiori ist in den Abgrund gesprungen. Diese traumähnliche Welt, die dem Zuschauer zu Beginn des Films eröffnet wird, ist die Welt des traditionellen japanischen Kabuki-Theaters. Shiori war die einzige weibliche Schülerin des Kabuki-Lehrmeisters und Frauendarstellers Tomitaro Murakami. Um eine Erklärung für den Selbstmord ihrer Zwillingsschwester zu finden, begibt sich Haruka in die Welt des Kabuki-Theaters und wird ebenfalls Tomitaros Schülerin. Auch sie fühlt sich zunehmend zu ihrem Lehrmeister hingezogen und gerät an ihre Grenzen, als er ihr das Geheimnis für eine vollkommene Darstellung offenbart: "Wenn du eine Frau perfekt darstellen willst, musst du aufhören, eine Frau zu sein." Die Handlung von "Musumedojoji" ist schnell erzählt. Was den Film auszeichnet, ist die unbändige Liebe zum Filmemachen, die sich in jeder Sekunde des Films ausdrückt. Es gelingt Regisseurin Yukiko Takayama nicht nur, die faszinierende Welt des Kabuki-Theaters, die sich in dieser Intensität sonst nur dem Japan-Urlauber erschließt, dem Kinozuschauer erfahrbar zu machen, als wenn er selbst vor Ort anwesend wäre, sondern zudem die geheimnisvolle Welt auch dann fortzusetzen, wenn die Filmbilder nicht die Bühnendarstellung zum Inhalt haben, sondern sich auf die Beziehung zwischen Tomitaro und Haruka konzentrieren. Takayama geht es um den Gegensatz zwischen der japanischen Tradition und dem modernen Fortschritt. Der Kontrast zwischen den Innenräumen des Kabuki-Theaters mit seinen japanischen Höflichkeitsritualen und den Hochhäusern und Handys des Lebens außerhalb, wird durch die Brechung der Kabuki-Tradition mit der Besetzung einer Frau verstärkt. Nach eigenen Aussagen will Takayama durch die Verbindung dieser Gegensätze die Stellung der Frau in der Arbeitswelt und die Barrieren, die sich ihr dabei in den Weg stellen, versinnbildlichen. Besonders auffällig ist die ausgefeilte Bildkomposition von "Musumedojoji", dessen Geometrie einem japanischen Interior entspricht und den Film zu einem wahren Augenschmaus werden lässt.

 

Gesehen von Birgit Bagdahn

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