The Final Cut

 

Robin Williams als 'das tapfere Schneiderlein' in einem Film von Omar Naim Schon der Vorspann ist geheimnisvoll und verspricht einen mysteriösen, sehenswerten Film. Nicht wissend, was man da eigentlich sieht, erscheinen unscharfe, verwackelte, hautfarbene Bilder auf der Leinwand, dazu werden die normalen Credits eingespielt, die sich dann im Hintergrund langsam auflösen. Kurz darauf hört man Geräusche, Stimmen, die Bilder werden klarer, man erkennt Gesichter und wird sich plötzlich bewusst, was man da gerade gesehen hat: den Weg durch den Geburtskanal aus der Sicht des Babys, die ersten Momente im Leben eines Kindes. Die Eltern dieses Kindes sind auf den neusten Trend eingestiegen. Die Firma Eye Tech hat einen Chip entwickelt, den man Nachkommen zahlungskräftiger Eltern in aller Frühe implantiert, dann wächst der Chip immer mit, verhält sich ganz und gar unauffällig und zeichnet ein Leben lang alles auf, was die Person hört und zieht, ob sie nun auf dem Klo sitzt, Sex hat, schläft oder sich in der Nase bohrt. Nach deren Tod wird der Chip entfernt und ein Film mit den ‚schönsten Momenten' im Leben dieser Person geschnitten, damit die Verwanden sich auch in hundert Jahren noch an diesen Vorfahren erinnern können. Unsterblichkeit! Nur die Person selbst hat nichts davon. Was die Angehörigen des Dahingegangenen auf der "Rückerinnerungs-Totenfeier" zu sehen bekommen, geht dann auch niemals über den Level eines Familienfotoalbums hinaus, wobei man doch vermuten könnte, dass gerade die kamerafernen Momente eingefangen werden. Aber nimmt man ein 80jähriges Leben, aus dem ein 60 min Film gemacht wird, was kann man da erwarten? Genau diesen Beruf, den Cutter, den Mitwisser aller menschlichen Abgründe, übt Alan Hakman (gespielt von Robin Williams) aus, wobei er die härtesten Aufträge übernimmt. Seine Welt ist die Welt der Toten und er schneidet alles Böse, alles Gemeine daraus weg, nicht weil er ein Heuchler, und nicht nur weil er ein, wie er sich selbst bezeichnet "Totenbrotesser" ist, sondern, weil er eine Tat, die in seiner Kindheit liegt, verdrängen will, von der er ständig von gejagt wird. Der Supercutter glaubt nämlich, am tödlichen Unfall eines Spielkameraden Schuld zu sein. Jeden Moment seines Lebens leidet dieser wortkarge Mann nun an sich selbst. Er versucht den Menschen für ihre grausamen Taten zu vergeben und schneidet so allen fiesen Typen, vor allem den wirklich fiesen, ein schönes, schuldloses Leben, weil er sich selbst nicht vergeben kann. Hakman übernimmt alle Sünden der anderen. High Tech macht's möglich. Ihm gegenüber steht eine Gruppe von Demonstranten. Unter dem Motto: "Remember for yourself" demonstrieren sie angeführt von dem ehemaligen Cutter Fletcher (Jim Caviezel) gegen die eingebauten Chips. Menschen werden unwissentlich gefilmt von ihrem Gegenüber, Gedanken werden manipuliert, jeder erinnert für sich selbst, und das ist oftmals anders, als es wirklich war, die herausgenommen Szenen waren vielleicht gar nicht die wichtigsten in dem Leben des jeweiligen Menschen...., all diese Argumente werden gegen die neue Technologie vorgebracht. Der neuste Auftrag von Alan ist ‚das Leben' von einem der Mitbegründer von Eye Tech. Auch diesem fiesen Typen soll Hakman ein schönes Leben schneiden. Doch die Gegenseite will seine Erinnerung als Mittel gegen die Firma, da man glaubt, dass bei den Geschäften einiges faul ist. Die Geschichte strebt dem Höhepunkt entgegen, als Alan herausfindet, dass er selbst einen Chip hat, was gegen den Code der Cutter verstößt. Als auch noch der Chip des Eye Tech Mitbegründers zerstört wird, ist man plötzlich hinter Alan her, weil er bereits dessen Leben gesichtet hat und dies nun auf seinem eigenen Chip gespeichert ist. Er gerät in Lebensgefahr. Optisch gesehen ist alles solides Handwerk. Die Ausstattung hat ganze Arbeit geleistet. Alans Leben als ‚Scheintoter' spiegelt sich in seiner Wohnung wieder, die aussieht wie eine Aufbahrungshalle in der eigentlich nur noch der Sarg fehlt. Vor allem seine junge Freundin, gespielt von Mira Sorvino, wobei man sich ständig fragt, was sie eigentlich an Robin Williams findet, leidet darunter und läuft regelmäßig weg. Besonders mit den Bildern wird viel experimentiert. Die Erinnerungen sind begrenzte, verwackelte Bilder, ganz anders als wenn man normal gerade ausschaut. Man fragt sich wer so mit den Augen auf durchs Leben geht. Oftmals werden Splitscreens eingesetzt, während Hakman am Schneidetisch an den Erinnerungsfilmen arbeitet, wobei sich das Bild bis in neun kleinere unterteilt. Nur als er mit seinen Schneidetisch in den Erinnerungen quasi versinkt, wirkt das etwas übertrieben. Grundsätzlich eine tolle Idee, die einen tollen Film hätte ergeben können, wäre nur das Drehbuch etwas ausgereifter gewesen.

 

Gesehen von Kathrin Metzner

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