Grenze

 

Regie: Holger Jancke Mein letzter Film auf der Berlinale. Ich war total erschöpft, krank und wollte eigentlich nur ins Bett. Aber ich dachte ein Stück Ossi-Geschichte, da muss man als Sachse doch eigentlich hingehen. Und das hab ich dann auch gemacht ... und nachdem ich den Film gesehen habe, wäre es auch kein großer Verlust gewesen, wäre ich ins Bett gegangen, um mich auskurieren. O.K., interessant war das schon ein bisschen. Eine Doku über ehemalige Grenzer, die zum Ort des Geschehens zurückkehren. Der Regisseur selbst war einer der ehemaligen Zwangszugewiesenen zu den Grenztruppen. Alternativen oder Protest gab es damals nicht, nur Knast, und da wollte in der DDR wirklich keiner freiwillig hin.
Sie sollten damals die Westgrenze des sozialistischen Lagers gegen jeden Angriff schützen, mit allen Mitteln, d.h. auch mit Einsatz der Waffe. Als sie dann an der Frontlinie des Dritten Weltkriegs irgendwo zwischen Magdeburg und Helmstedt Dienst taten, stellen sie fest, dass es zum Krieg gar keinen Gegner braucht. Es reichte die Einbildung. Jeder hoffte insgeheim, dass in seinen Abschnitt, während seiner Dienstzeit niemand flieht und dass er so nie seine Waffe gebrauchen und vielleicht jemanden erschießen muss. Doch am 25. Februar 1987 wird der Kalte Krieg für ein paar Stunden heiß - ein Fluchtversuch. Er gelingt. So aufregend, wie das alles klingt war es nur leider nicht. Alte Geschichten wurden ausgegraben, Erinnerungen kamen wieder hoch und sie machten sich über die alten Regelbücher der DDR-Grenzer (‚die Garde des Proletariats' - "Dann sieht's aber schlecht aus für das Proletariat") lustig. Man folgte den ehemaligen Soldaten nur entlang der einzelnen Ausbildungsstationen und der Einsatzgebiete. Ironische Briefe aus der alten Zeit wurden vorgelesen, die einige Lacher heraus forderten, Geschichten wurden zu herumstehenden Möbelstücken erzählt, doch ansonsten...? Ach ja, der einzige, der da geflohen ist, wurde kurz interviewt. Manchmal kam es mir sogar so vor, als ob die Protagonisten Boja, Lohengrin, Mückenfried und LSD-Wölfi sich etwas unwohl fühlten vor der Kamera zu stehen und Fragen zu beantworten. Aber man merkte deutlich, wer im Kino saß und Ossi war. Man brauchte sich nur einmal umzuschauen und sah wissende Lächeln über verschieden Lippen huschen und Lacher aufkommen, wo nicht jeder lachen konnte, weil er die Geschichte nicht kannte, nie im Osten gelebt hat. Ein wenig mehr konnte ich über die Geschichte des Systems, in dem ich einmal lebte, herausfinden. Positiv! Aber für so manchen, der nie in der ‚sozialistischen DDR' aufgewachsen ist und sogar für manche, die da gelebt haben, war der Film wohl nur einer unter vielen, einer der nicht lange in Erinnerung bleibt.

 

Gesehen von Kathrin Metzner

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