Super Size Me

 

Regie: Morgan Spurlock

 

"Amerika ist die fetteste Nation auf Erden. Herzlichen Glückwunsch." (Morgan Spurlock) McAttack - Wie ruiniere ich meine Gesundheit in weniger als 30 Tagen? "Der Patient begibt sich in eine 30-Tage-Fast-Food-Diät", schrieb einer der drei Ärzte, die Morgan Spurlock während seines Selbstversuchs beobachteten, am ersten Tag in seinen Block. Wie der "I Bet You Will"-Erfinder auf die Idee kam? Ein Bericht im Fernsehen, der Auskunft über die Essensgewohnheiten in den USA gab: Die Zahl der Übergewichtigen und Fetten in den USA hat sich seit 1980 verdoppelt. Betroffen sind fast 37 Prozent der Amerikaner. Fast Food ist immer und überall verfügbar (Flughäfen, Raststätten, Einkaufszentren und sogar in Krankenhäusern) und es ist billig. Liegt die Verantwortung für die eigene Gesundheit bei jedem selbst, oder sind die Fast-Food-Ketten daran schuld? Aber anstatt Sport zu treiben oder das Problem auf eine andere verantwortliche Weise zu lösen, tun die Amerikaner das, was sie am besten können: die Bastarde verklagen! Um die Klage durchzubringen musste die Anklagevertretung zweier übergewichtiger Mädchen jedoch beweisen, dass die gesundheitlichen Schäden der Kläger wirklich auf den Konsum von Fast Food zurück zu führen sind. McDonald's bestritt vehement, dass Burger, Fritten und Coke etwas damit zu tun habe, schließlich sei das Essen gesund und ausgewogen.

Das nahm Morgan Spurlock, Filmemacher aus West Virginia, zum Anlass, selbst als Versuchskaninchen der tief schürfende Frage "Warum sind die Amerikaner so fett?" nachzugehen. Das war der Ausgangspunkt und 30 Tage lang Frühstück, Mittag und Abendbrot bei der größten Fast-Food-Kette der Welt: McDonald's, die Folge. Ganz zum Entsetzen seiner Freundin, die vegetarische Köchin ist. Nichts anderes, als das, was es bei McDonald's gibt. Aufessen ist Pflicht. Keine Entschuldigungen. Vor dem Versuch lies er sich von einem Arzt der inneren Medizin, einer Ärztin für Gastroenterologie und Hepatologie, einen Arzt für Kardiologie, eine Ernährungsberaterin und einen Fitness-Trainer untersuchen, die ihm auch während des Monats beobachteten. Sie attestierten ihm Gesundheit und absolute körperliche Fitness. Schlimmstenfalls könnte er etwas zunehmen und sein Cholesterinspiegel würde wohl etwas ansteigen, aber man könne nie wissen, wurde prognostiziert. Am ersten Tag beim ersten Frühstück fühlte sich Morgan Spurlock noch wie ein Achtjähriger, dem ein Wunsch in Erfüllung geht. Nach Tag 10 wurde das Experiment zu einer wahren Herausforderung. Und am 20. Tag rieten ihm die Ärzte ab, den Selbstversuch fortzusetzen. Das Ende vom Lied waren fast 13 Kilo mehr auf der Waage und Leber- und Blutwerte, die jeden seiner Ärzte in Alarmbereitschaft setzten. Er ist depressiv, hat Kopfschmerzen und fühlt sich lustlos. Und auch im Bett ist er laut seiner Freundin nicht das, was er einmal war.

Spurlock belässt es aber nicht bei dem Selbstversuch. Er reist durch 20 amerikanische Städte, u. a. Houston, die fetteste Stadt der Vereinigten Staaten, interviewt Chirurgen, die Magenverkleinerungen vornehmen, Sportlehrer an High Schools, die sich beschweren, dass Schüler viel zu wenig dazu angehalten werden, Sport zu treiben, Köche, die in Schulküchen arbeiten, Politiker, Lobbyisten, Werbefachkräfte, Ernährungswissenschaftler und Fast-Food-Fans und kommt am Ende zu dem Ergebnis, dass alles nur um Geld geht, das mit der Fast-Food-Kultur gemacht wird. Das gibt sogar der Anwalt zu, der gegen die Fast-Food-Ketten vorgeht ("Sie fragen mich nach einem noblem Grund, außer Geld? Mmmmmhhhhh??"). Spurlock vermischt gekonnt seine subjektiven Erfahrungen mit in Michael-Moore-Manier recherchierten Fakten. Unterhaltung und Gesellschaftskritik in einem. Am Ende bekommen alle Fast-Food-Esser und die amerikanische Gesellschaft einen satirischen Schlag in den Magen.

Weltweit gibt es mehr als 30.000 McDonald's-Restaurants, in denen täglich 46 Millionen Menschen essen. Das entspricht der Bevölkerung von Spanien. Vielleicht sollte man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, denn wo die Chicken McNuggets herkommen, ist immer noch nicht geklärt. "Gehen wir zu McDonald's?", wird nie wieder so klingen wie zuvor.

 

gesehen von Kathrin Metzner

 

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