Ein Quantum Trost

Daten

Ein Quantum Trost

106 Min., Agententhriller, Großbritanien / USA 2008

REGIE: Marc Forster
DREHBUCH: Neal Purvis, Robert Wade, Paul Haggis
KAMERA: Roberto Schaefer
SCHNITT: Matt Cheesé, Rick Pearson
DARSTELLER: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Anatole Taubman, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jefferey Wright, David Harbour, Rory Kinnear, Joaquin Cosio, Jesus Ochoa, Jesper Christensen, Glenn Foster, Fernando Guillen Cuervo

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Regie: Marc Forster Kinostart: 6. November An "Casino Royale" unmittelbar anschließend geht alles ganz schnell. Es beginnt mit einer Autojagd quer durch die Berge, dann wechselt man auf Boote und irgendwann in Flugzeuge. James Bond ist auf der Flucht und auf der Jagd zugleich. Er ist ein eiskalter Agent und unter der rauen Schale so verletzlich wie in keinem Film zuvor. Er springt über Dächer, sieht zerschrammt und blutig aus und wahrt doch letztendlich immer einen Hauch Eleganz. Die Actionszenen sind schneller, unmittelbarer und härter, die Gegner weniger skurril, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwommen. Das ist teilweise angenehm, da man die nach wie vor auf das Notwendigste reduzierte Handlung etwas ernster nehmen kann, es ist jedoch nur in jenen Maßen ein Spiegel unserer Zeit, wie es ein James-Bond-Film zu sein vermag. Auch ohne "Casino Royale" zu kennen, wird klar, dass dem Zuschauer ein neuer, anderer James Bond vorgestellt wird. Nach all den Filmen der vergangenen Jahre bringen die Veränderungen viel frischen Wind mit sich, selbst Daniel Craig schlägt sich wacker gegen die Hypothek des dunkelhaarigen James Bond, der immer einen lockeren Spruch bereit hält. Der neue James Bond wirkt ehrlicher und zuverlässiger, echter und eher mit der Erde verwurzelt als seine Vorgänger. Doch gleichzeitig ist vieles, was man mit James Bond verbunden und an dieser Figur auch gemocht hat, verschwunden. James Bond ist gewöhnlicher geworden. Manche Witze sind zum Glück aus den Filmen verschwunden, eine Spur Traurigkeit begleitet nun auch den spärlichen Humor in "Ein Quantum Trost". Doch leider ist auch jene Spur Irrationalismus, Gemütlichkeit und Naivität verloren gegangen, die die alten James-Bond-Filme so unverwechselbar gemacht hat. Vielleicht ist es so: Irgendwo zwischen Sean Connery, den schießenden Kugelschreibern und vielen Wodka-Martinis - geschüttelt, aber nicht gerührt - und dem harten, der Liebe fähigen und an der Zubereitung von alkoholischen Drinks völlig uninteressierten Daniel Craig liegt möglicherweise ein anderer James Bond. Ein James Bond, dem der Schritt in unsere Zeit gelingt und der trotzdem der Tradition der Bond-Filme verpflichtet bleibt.

 

"Ein Quantum Trost" bietet eine Menge Action, die sehr gut inszeniert ist. Jedoch ist diese zu Anfang des Films besser als am Ende. Das Gewicht des neuen James-Bond-Filmes ist ungleichmäßig verteilt. Einerseits führt man eine verbrecherische Super-Organisation ein, die nicht einmal dem englischen Geheimdienst bekannt ist (und diesen unbemerkt unterwandert), die dann jedoch schließlich viel zu schnell und ohne sonderliche Mühe zerschlagen wird. Mit 106 Minuten ist "Ein Quantum Trost" nicht gerade lang, und am Ende hat man tatsächlich das Gefühl, dass dem Film etwa eine halbe Stunde fehlt, die den letztendlichen Showdown zwischen dem Bösewicht Dominic Greene und dem Haupthelden vorbereitet. Ersterer wirkt leider sehr blass und lieblos in Szene gesetzt, was womöglich ein Ergebnis der Erneuerung der James-Bond-Figur ist, die in der Angst vor jeglicher Übertreibung immer wieder sehr kühl und spartanisch wirkt.

 

Wie eine Reminiszenz an die alten Filme wirkt dann jene Szene, in der James Bond und seine nach wie vor unerlässliche weibliche Begleitung aus einem Flugzeug stürzen, mit nur einem Fallschirm, der sich darüber hinaus auch erst einige Meter über dem Erdboden öffnet. Natürlich hat der mehrere hundert Meter tiefe Sturz keine nennenswerten Folgen, abgesehen von verstaubten Anzügen und Gesichtern. Hier plötzlich ist er wieder da, der alte James Bond, der in fallende Flugzeuge springt und allen Gesetzen der Schwerkraft elegant widersteht. Eher unfreiwillig hat er also doch überlebt, auch wenn es eine eher lächerliche Szene ist, die wie ein kurzer Gruß aus fast ferner Kino-Zeit wirkt.

 

Vielleicht wird es eine Weile dauern, ehe der alte, verbannte James Bond zurückkommt. Irgendwo sitzt er nun und kippt einen Wodka Martini (ihr wisst schon, welchen) nach dem anderen die raue Kehle hinunter. Natürlich ist er verzweifelt. Aber er wäre nicht James Bond, wenn er nicht genau wüsste: Eines Tages feiert er seine Rückkehr - dann, wenn Q wieder die Werkstatt unsicher macht, Autos wieder mehr sind als nur Autos und Kugelschreiber und Uhren mehr als Kugelschreiber und Uhren. Dann wird sich auch der alte James Bond verändert haben. Etwas erwachsener wird er dann sein, etwas härter, etwas trauriger, aber natürlich wieder der alte, unverbesserliche Bond, James Bond. Aber bis es soweit sein wird, hat er endlich einmal Zeit, Moneypenny zum Essen einzuladen.

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

 

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