"Estrellas de la linea"

 

"Estrellas de la linea"

Daten

"Estrellas de la linea"

Spanien, Guatemala 2006

REGIE: José Maria Rodríguez
DREHBUCH: José Maria Rodríguez
KAMERA: René Soza
SCHNITT: Pablo Blanco Guzmán
MUSIK: Paulo Alvadaro, Michel Peraza

 

Regie: José Maria Rodríguez "La linea", das ist eine schäbige Kleinstadt in Guatemala. So schäbig und heruntergekommen, dass sie als der Hort des Abschaums schlechthin gilt, jedenfalls in der umliegenden Gegend. Kein Mensch kommt gern nach "La linea". Die, die hier leben, tun es, weil sie keine andere Wahl haben oder weil sie das Angebot wahrnehmen, für das die Stadt bekannt ist: Prostitution. Die "Estrellas", das sind jene Frauen, die in "La linea" diesen verpönten Dienst anbieten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich heißen sie bei den Menschen, die hier leben nicht "Estrellas", was Sterne, oder Stars bedeutet. Für die Menschen hier sind sie einfach nur "putas". Nutten. Den Namen "Sterne" haben sie sich selbst gegeben. Es ist der Mannschaftsname ihres Fußballteams, das sie gegründet haben, um bei landesweiten Wettkämpfen teilzunehmen und bei dieser Gelegenheit Präsens zu zeigen. In Guatemala bilden die Frauen, die sich prostituieren generell die gesellschaftlich unterprivilegierteste Schicht. Tiefer kann man kaum sinken. In diesem Fußballteam organisiert, kämpfen sie nun im Fernsehen und im Radio für Anerkennung, gegen die Gewalt, deren Opfer sie immer wieder werden und gegen die Ächtung ihres Standes, in den sie v.a. die Not gezwungen hat. Ein grandioser Film, dessen Tragik einem durch die immer wieder von den charismatischen Protagonistinnen aufgebrachte Lebenslust und Komik nur umso nachhaltiger durch Mark und Bein geht. Selten habe ich eine so erschütternde Wirklichkeit so hautnah erlebt. Sie wirkt deswegen so echt, weil die lebenslustigen Frauen ihr immer wieder durch den direkten und oft kurzlebigen aber dafür immer wiederkehrenden Frohsinn entgegensteuern. Ja, viel sagt dieser Film aus über die Welt in der wir und v.a. andere leben und leben müssen. Das Kamerateam scheint nahezu unmerklich und transparent durch die Wirklichkeit von "La linea" geglitten zu sein, denn alles bleibt von der Anwesenheit der Filmleute gänzlich unbeeindruckt und unbekümmert. Manchmal wirkt diese Doku wie ein Spielfilm, nur gibt es wenige Spielfilme, die einen in ähnlicher Weise mitnehmen!

 

Gesehen von Jérôme Gemander

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