Der Fall Chodorkowski

 

Der Fall Chodorkowski

Daten

Der Fall Chodorkowski

111 min., Deutschland  2011

REGIE: Cyril Tuschi
DREHBUCH: Cyril Tuschi

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Regie: Cyril Tuschi Kinostart: 17. November 2011 Chodorkowski – ein kurzer Überblick seiner Laufbahn: Michail Borissowitsch Chodorkowski wird 1963 in Moskau geboren. Er schließt sein Studium als Diplomchemiker und Volkswirt ab, während er als stellvertretender Vorsitzender des Komsomol, der Jugendorganisation der KPdSU, Karriere machte. Zur der Zeit der Perestroika, in der ehemaliges sowjetisches Staatseigentum privatisiert wurde, nutzt er seine Kontakte in der kommunistischen Partei, um sich den Öl- und Petrochemiekonzern YUKOS recht günstig zu erwerben. Von Chodorkowski geleitet, steigert das Unternehmen seinen Umsatz immens und macht seinen Besitzer zum Multimilliardär. Im Jahr 2000 kam ein Wendepunkt in Chodorkowskis leben. Er rasierte seinen Bart ab und trug eine neue Brille. Er beginnt, sich auch sozial und politisch zu engagieren, gründet  Stiftungen und gibt sich regierungskritisch, wagt es sogar, die Putin Regierung der Korruption zu beschuldigen. Putin duldete ein paar wenige Oligarchen in seinem Land, doch mit der deutlichen Bitte, dass sie sich aus der Politik doch raushalten sollen. Mit den öffentlichen Anschuldigungen seitens Chodorkowskis sowie die Geschäftlichen Verhandlungen zwischen YUKOS und amerikanischen Unternehmen überschritt er die Schmerzgrenze Putins. Im Oktober 2003 wird Chodorkowski in seinem Privatflieger bei einem Zwischenstopp in Novosibirsk festgenommen. Während man ihn wegen Steuerhinterziehung verurteilt und in eine sibirische Gefängniskolonie schickt, munkelt manch einer, Chodorkowski habe einfach seine Kritik an Putin zu direkt geäußert. 2010 erhoffte sich Michail eine frühzeitige Freilassung, was folgte war aber eine Anklage wegen Auftragsmord und eine Haftverlängerung bis 2016. Diverse Kritiker sagen, dass solange Putin an der Macht ist Chodorkowski im Gefängnis bleiben wird. Der Film: Alles begann 2006 mit einem Filmfestival in einer sibirischen Kleinstadt, welches früher von JUKOS finanziert wurde. Zusammen mit ein paar weiteren Festivalgästen wollte Cyril Tuschi die naheliegenden Ölfelder besuchen. Dass sie dort nicht gerade Willkommen waren, konnte man schon erahnen. Zurück in Berlin versuchte Cyril mit Chodorkowski per Brief in Kontakt zu treten. Ein Jahr später erhielt er eine erste Antwort von Michail Chodorkowski aus dem Gefängnis. Cyril Tuschi recherchierte und filmte insgesamt 5 Jahre für seinen Film, sammelte über 180 Stunden Interviewmaterial von unter anderem Chodorkowskis Familienangehörigen und ehemaligen Geschäftspartnern. In seinem Film, der den Aufstieg und Fall des Großunternehmers beleuchtet, bezieht Cyril Tuschi eindeutig Stellung für Chodorkowski, was die Gefahr einer eindimensionalen Darstellung hervorruft. Tuschi zeigt die Verwandlung vom Sozialisten in einen Großkapitalisten, vom Oligarchen zum politischen Gefangenen aus den Perspektiven ehemaliger Geschäftskollegen und Familienangehöriger. Den Höhepunkt des Schlusses bildet ein persönliches Interview mit Michael Chodorkowski, während einer 10-minütigen Pause bei einer Gerichtsversammlung durch die Scheibe seines Glaskastens. Über die Schuldfrage des ehemaligen Superreichen möchte der Film allerdings kein direktes Urteil abgeben. Die Tatsache, dass keine Interviews mit Gegnern Chodorkowskis vorkommen, hat laut Tuschi den einfachen Grund dass diese nicht für eine Stellungsnahme zum Fall Chodorkowski bereit waren. Cyrils Arbeit endete in einer hochinteressanten Dokumentation über die politischen Machtverhältnisse Russlands. Nicht zu unrecht begeisterte der Film 2011 auf der Berlinale und wird mit dem Slogan „ Der packendste Politthriller des Jahres" beworben. Insgesamt kann man ohne schlechtes Gewissen einen Kinogang empfehlen. Gespannt sollte man auch auf die kommende DVD-Veröffentlichung gespannt sein. Da laut Regisseur noch Massen an interessantem Material vorhanden ist und seine Lieblingsfassung stolze 3 ½ Stunden vorzuweisen hatte.

 

Gesehen von Bastian Schwab und Ferdinand Kainz

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