Australia

Daten

Australia

166 Min. AUS, USA 2008

REGIE: Baz Luhrmann
DREHBUCH: Baz Luhrmann, Stuart Beattie, Ronald Harwood, Richard Flanagan
KAMERA: Mandy Walker
SCHNITT: Dody Dorn, Michael McCusker
KOSTÜME: Catherine Martin

DARSTELLER: Nicole Kidman, Hugh Jackman, David Wenham, Bryan Brown, Jack Thompson, David Gulpilil, Brandon Walters

Regie: Baz Luhrmann

Kinostart: 25. Dezember Lady Sarah Ashley, eine britische Aristokratin, vermutet, dass ihr Ehemann seine Rückkehr nach England nicht nur wegen der schwierigen Situation in Australien verschiebt, sondern sie betrügt. So reist sie kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs nach Darwin, um ihrem Mann die Leviten zu lesen. In Australien angekommen muss sie schnell feststellen, dass dieses Land von den Männern dominiert wird und diese ihre Grobheiten noch wie im Wilden Westen ausleben. Drover, ein Viehhändler, der sich von niemanden etwas sagen lässt, fährt die prätentiöse Lady zu ihrer Farm „Faraway Downs" und genießt auf der Fahrt offensichtlich jede Gelegenheit, sie zu schockieren und aufzuziehen. Vor Ort findet Sarah Ashley nur noch einen toten Ehemann vor und ihr wird empfohlen „Faraway Downs" schnell zu verkaufen und nach Hause zu fliegen. Doch der junge Aborigine-Mischling (half-cast) Nullah hat Vertrauen in die weiße Frau und erzählt ihr, dass ihre Rinder von dem Vorarbeiter Neil Fletcher vertrieben wurden. Lady Boss, so nennt Nullah seine neue Herrin, entscheidet sich, Neil Flechter zu kündigen und mit dem Verkauf der 1500 Rinder die Farm zu retten. Doch leicht wird es dem Lady Boss und ihren Helfern nicht gemacht, denn Viehbaron King Carney plant das Anwesen „Faraway Downs" zu übernehmen und versucht die Lieferung der Rinder mit allen Mitteln zu verhindern. Außerdem muss Sarah Ashley um Nullah bangen, denn zu der Zeit wurden Half-Cast von ihren Familien getrennt und in Erziehungsheime gesteckt. Die schöne jedoch erbarmungslose Landschaft des Australischen Nordens fordert die bunte Gruppe von Viehtreibern zusätzlich heraus. Auf der Reise haben die Charaktere die Möglichkeit sich besser kennen zu lernen und Drover und Sarah Ashley fangen an, sich zu respektieren und auch tiefere Gefühle füreinander zu entwickeln. Bis zu dem Zeitpunkt der Ablieferung der Tiere hat sich Sarah Ashley in das Land und zwei Ihrer Bewohner verliebt und beschließt, sich in der geretteten Farm einzurichten. Doch die kleine Familie wird aus verschiedenen Gründen auseinander gerissen und der Ausbruch des Krieges führt ihnen noch einmal vor Augen, wie wichtig Nullah, Sarah Ashley und Drover füreinander sind und alle drei müssen dafür kämpfen, die anderen wiederzusehen.

Baz Luhrmann hat seine „Red-Curtain-Trilogie" beendet und begann vor ein paar Jahren eine Reihe von großen Epen zu entwickeln. Sein erstes Epos „Australia" spielt in Luhrmanns Heimat Australien und für diesen Film hat er viele seiner Landsleute verpflichten können. Als erstes stellt sich die Frage: Ist dieser Film ein Epos? Epos ist im Film noch nicht eindeutig definiert, aber ich würde sagen: ja und nein! Ja, dieser Film ist ein Epos, da er sehr lang ist (166 Minuten), sehr aufwendig inszeniert wurde und bis zum Ende ein Abenteuer ist. Außerdem zeigt dieser Film ein Land zu einer bestimmten Zeit, ihre Gesellschaft mit all ihren Werten und ihre Sozialordnung. Was diesen Film aber Schwierigkeiten machen wird, als Epos aufgefasst zu werden, ist, dass er nicht schwer genug ist. Die Gefühle, die „Australia" hervorruft, haben keine lange Nachwirkung. Der Film ist leicht zu verdauen und auch schnell zu vergessen, im Gegensatz zu Epen wie „Vom Winde verweht", „Braveheart" oder „Laurence of Arabia", die Spuren hinterlassen.

Dieser Film ist kein großes „Erzählkino", aber „Popkornkino". In „Australia" gibt es alles: Humor, Liebe, Freundschaft, Ehre, Verwicklungen, Betrug, Ungerechtigkeiten, Zauber, Kino, Politik, Special Effekts, Romantik, Action, eine schöne Hauptdarstellerin und einen charismatischen Hauptdarsteller. In „Romeo und Julia" und „Moulin Rouge" hat Baz Luhrmann schon bewiesen, dass er einen ganz eigenen Stil hat. Bei „Australia" stiehlt der Stil der Geschichte jedoch immer mal wieder die Show und verhindert, dass man die Geschichte als „Wahrheit" annimmt. Es ist schwierig, die Form, die Luhrmann gewählt hat, eindeutig zu beurteilen. Er wagt gestalterisch einiges. In manchen Szenen ist die Perfektion, die er erreicht, Erfurcht gebietend, in anderen Einstellungen ist es einfach zu viel Perfektion auf visueller Ebene und Vernachlässigung auf dramaturgischer Ebene. Eine wirklich beeidruckende Szene ist z. B. die, in der Nullah in Gefahr gerät, von der in Panik geratenen Rinderherde überrannt zu werden und die Klippen hinunter zu stürzen. Diese Szene steckt voller Spannung. Hier stimmt einfach alles: die Musik, der Sound, die Einstellungen, der Schnitt.

Erzähltechnisch gibt es in „Australia" nichts Neues. Kurzgefasst wäre es: Prätentiöse Lady aus England fliegt in den Outback und lernt dort, dass mehr in ihr steckt und dass sie um ihr Glück kämpfen kann und will. Eine Freude für die Lachmuskeln ist aber z. B. die Szene, in der Lady Sarah Ashley, gespielt von Nicole Kidman, kurz nach ihrer Ankunft in Australien zusehen muss, wie ihre Koffer in einem Kneipenkampf integriert werden und ihre weiße, reine Unterwäsche zwischen den schmutzigen verschwitzten Männerkörpern herumfliegt. Nicole Kidman spielt den Nervenzusammenbruch ganz eigen. So ist sie innerlich am Brodeln, scheint gleichzeitig den Tränen nahe, ist aber auf ihr Benehmen derart bedacht, dass sie sich angestrengt zusammenreißt. Eine weitere Szene, die ich gerne herausheben würde, ist eine Art Duschszene von Mr. Drover, gespielt von Hugh Jackman. Die Lady, Drover und sein treuer Begleiter Magarri schlagen ein Nachtlager auf und wir dürfen dem gutgebauten Drover dabei zusehen, wie er sich einen Eimer Wasser überschüttet. Dieses Bild wiederholt sich noch einmal aus einer anderen Perspektive und man muss einfach lachen, weil es wie eine Werbung für Männerparfüm wirkt. Lady Sarah Ashley beobachtet dies durch einem Schlitz in ihrem Zelt mit Skepsis und Faszination zugleich und wird dabei ertappt. Weder komisch, noch ernstzunehmen sind dagegen Szenen wie die, in der Drover aus seinem Viehtreiberkostüm schlüpft und rasiert und gestriegelt, leider auch erkennbar geschminkt, wie ein James Bond auf einer Benefizgala auftaucht, um Sarah Ashley seine Zuneigung zu beweisen. Auch sind die heroischen Einstellungen zum Teil so offensichtlich und so stark positioniert, dass es lächerlich wirkt.

Ein heikler Punkt der Geschichte ist das Thema der „geraubten Generation". Einerseits wird dieses Thema in Australien immer noch todgeschwiegen und so ist es erfreulich, dass Luhrmann sich nicht gescheut hat, diese Thematik nicht nur in den Film aufzunehmen, sondern auch zu einem der Haupthindernisse des Films zu machen. Andererseits ist die Rassenproblematik sehr vereinfacht dargestellt und wird wohl für diejenigen, die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben, nur einen exotischen Eindruck hinterlassen. Tatsächlich sind die Aborigines und die weißen Australier bis heute nicht versöhnt und viele Aborigines verleugnen ihre Herkunft, weil ihnen als Kinder beigebracht wurde, dass die Aborigines eine zu verachtende Randgruppe seien. In „Australia" lässt die Figur des King George, der die Traditionen der Aborigines versucht zu wahren, erahnen, welch kultureller Reichtum Australien durch die Umerziehung der Ureinwohner verloren gegangen ist. Der Ausbruch des Krieges zum Ende des Films wirkt wie ein großer Angriff auf eine kleine Stadt und man fragt sich, ob das nicht ein bisschen unlogisch ist, aber tatsächlich wurde Darwin am 19. Februar 1942 von denselben Bombern bombardiert, die auch Pearl Habour angriffen und über Darwin wurden weitaus mehr Bomben abgeworfen.

Alles in Allem ist "Australia" ein lustiger, romantischer und bildgewaltiger Kinofilm, der auf die Kinoleinwand gehört - also nicht warten, bis er auf DVD erscheint.

 

gesehen von Mareike Dobewall

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