Madame Brouette

 

Regie: Moussa Sene Absa / Wettbewerb / 10.02.2003 Ein als Frau verkleideter Mann betritt eines Morgens sein Zuhause. Dort erwartet ihn eine unangenehme Überraschung, denn Madame Brouette bedroht ihn mit der Waffe. Es fallen mehrere Schüsse. Der Mann wankt aus der Tür und stirbt. So beginnt und endet dieser ungewöhnliche Film, wobei der Schluss natürlich die Aufklärung der Mordtat beinhaltet. Die Geschichte spielt in Afrika. Madame Brouette, auch Mati genannt, verdient ihren Lebensunterhalt über den Sandaga-Markt, auf dem sie aus ihrer Schubkarre Trödelkram verkauft, stets begleitet von ihrer kleinen Tochter. Ihr Leben erfährt eine plötzliche Veränderung, als sie ihrem künftigen, charmanten Mann Naago begegnet. Doch der Glaube, den Mann ihres Lebens gefunden zu haben stellt sich bald als Irrtum heraus, denn Naago treibt illegale Geschäfte und vergnügt sich mit anderen Frauen. Trotz dieser Enttäuschung gelingt es ihr schon bald, den Traum eines eigenen Lokals  zu erfüllen. Auch ein zweites Kind erwartet sie, allerdings steht ihr Naago bei der Geburt nicht zur Seite und vergnügt sich anstatt dessen auf einer Feier. Madame Brouettes negative Einstellung gegenüber Männern bestätigt sich. Sie ist zu Tiefst enttäuscht und erwartet ihn Zuhause... Zwiespältig ist meine Meinung zu diesem Film. Einerseits ist es eine sehr innovative Geschichte, die einen Einblick in den uns völlig fremden, afrikanischen Alltag ermöglicht. Regisseur Moussa Sene Absa zeigt seinem Publikum hierbei nicht nur die afrikanische Kultur, sondern auch eine neue Generation afrikanischer Frauen, die sich gegen die bisherige Dominanz ihrer Männer wehrt. Leicht und spielerisch geht er mit seiner Geschichte um und hilft mit einem gewissen Humor über den eigentlich ernsten Inhalt hinweg. Allerdings bereitet mir die schauspielerische Umsetzung Schwierigkeiten. Die einzelnen Personen der Geschichte wirken in ihrem Charakter und ihrem Auftreten zum Teil nicht glaubhaft, was durch manch unpassende Szenen noch forciert wird. Zudem scheint mir die Ermordung von Naago durch seine Frau nicht begründet genug, auch wenn sich dieser alles andere, als aufrichtig und verantwortungsvoll verhält. Weiterhin fällt es schwer, die humorvolle Umsetzung der Mordaufklärung durch die Polizei anzunehmen. Die Idee, innerhalb dieses Handlungsstrangs ein humoristisches Element einzubauen ist angesichts des ernsten und in der Rahmengeschichte auch ernst dargestellten Mordfalls, einfach nicht passend. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte besser und vor allem glaubwürdiger umgesetzt werden können. Trotz aller Kritik sollte dieser Film, oder besser diese Art Film, Unterstützung finden. Denn eine afrikanische Geschichte ist eine willkommene Abwechslung zu der Flut kommerzieller, "westlicher" Standardfilme. Mit der Förderung solcher Projekte, würde der notwendige Erfahrungswert gesteigert und mit Sicherheit eine qualitativ höherwertigere Umsetzung ermöglicht werden.

 

Gesehen von Christian Schall

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