Teknolust

 

Regie: Lynn Hershman / Internationales Forum /  Kinostart: 09.02.2003

 

Der Titel des Films ließ mich vorschnell schlussfolgern, dass ich es hier sicher mit einem videoclipartig geschnittenen Film mit entsprechend technolastiger Musik zu tun haben würde. Doch weder das eine noch das andere trat ein. Viel mehr fand ich mich in einem Film über Gentechnologie, oder besser gesagt, dem menschlichen Klonen wieder. Die Wissenschaftlerin Rosetta hat heimlich aus ihrem Genmaterial drei Klone - Ruby, Marinne und Olive - geschaffen (alle vier gespielt von einer wunderbar wandlungsfähigen Tinda Swinton). Die drei grenzen sich nicht nur optisch und charakterlich von der schüchternen Rosetta ab, sondern sie leben auch in ihrer eigenen virtuellen Welt. Diese besteht aus einem roten, blauen und grünen Raum. Um den Zuschauer nicht zu verwirren finden sich diese drei Farben nicht nur in den Namen der Schwestern wieder, sondern auch im farblich angepassten Nagellack und den Satinkleidern. Nur über einen Monitor können sie mit Rosetta kommunizieren. Ruby nimmt über das Internet Kontakt zu Männern auf, die sie später treffen und verführen wird. Safer Sex wird hier praktiziert damit Ruby das Sperma, dass das Lebenselixier der Klone darstellt, problemlos transportieren kann. Immer mehr Männer erkranken allerdings nach dem sexuellen Kontakt mit Ruby an einer seltsamen Krankheit, die großes Interesse bei Ärzten und Wissenschaftlern weckt und die die unauffällige Rosetta immer mehr in dem Mittelpunkt der Ereignisse rückt. Während sie damit beschäftigt ist, dafür zu sorgen, dass ihre illegal geklonten Schwestern nicht entdeckt werden, rebellieren diese gegen ihre virtuelle Welt. Sie wollen Teil der Realität werden, die sie bisher nur aus dem Fernsehen kennen. Rosetta gelingt es nicht, ihre unternehmenslustigen Schwestern zurückzuhalten. Ruby kommt bei ihren Erkundungen der Welt schließlich einem schüchternen Copy-Shop-Mitarbeiter näher. Aber auch die jungfräuliche Rosetta entdeckt die Liebe... "Teknolust" ist ein durchaus sehenswerter Film, in dem die US-Regisseurin Lynn Hershman auf amüsante Art und Weise ein hochaktuelles Thema aufgegriffen hat. Nicht nur die Möglichkeiten und unabsehbaren Folgen der Gentechnologie haben einen großen aktuellen Bezug, sondern auch die immer schwerer werdende Identitätssuche in unserer immer moderner werdenden Welt. Eine Möglichkeit sich mit diesem Problem auseinander zu setzen, bietet die mediale Welt, die es uns erlaubt Identitäten zu konstruieren und diese beliebig oft zu wechseln. Doch damit ist das Problem nicht gelöst, sondern es stellt lediglich eine Flucht aus der Realität dar. Die Menschen entfremden sich auf diese Weise immer mehr voneinander, obwohl sie eigentlich Nähe suchen. Die Charaktere, die Hershman geschaffen hat, sind alle auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer eigenen Identität. Durch Liebe, Zuneigung und Nähe, die sie in ihrer virtuellen Welkt vermissen, wollen sie diese finden. Rubys Wunsch ist eine Einheit zwischen Fleisch, Seele und Icon, wie sie die Männer über das Internet wissen lässt. Doch Vorsicht, "Unsere wildesten Träume könnten wahr werden". In jeder Hinsicht.

 

Gesehen Birgit Bagdahn

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