Daten

111 Min., USA 2015

REGIE: Anton Corbijn
DREHBUCH: Luke Davies
KAMERA: Charlotte Bruus Christensen
SCHNITT: Nick Fenton
MUSIK: Bernard Galbally, Ian Neil
KOSTÜME: Gersha Phillips

DARSTELLER: Dane DeHaan, Robert Pattinson, Alessandra Mastronadi, Sir Ben Kingsley, Joel Edgerton, Kelly McCreary

 

Regie: Anton Corbijn

Kinostart: 24. September 2015

 

Inhalt

 

Das Leben des Fotojournalisten Dennis Stock (Robert Pattinson) läuft nicht so wie er es geplant hatte: Seine Ehe ist gescheitert, mit seinem 7-jährigen Sohn kann er – wenn er ihn denn mal sieht – nicht wirklich etwas anfangen und als Fotograf für das LIFE Magazin muss er ständig um seine Anerkennung als Künstler kämpfen. Schließlich wittert er eine Chance, als er Anfang des Jahres 1955 einen noch eher unbekannten Jungschauspieler kennenlernt, in dem er großes Potenzial vermutet: Seine Name ist James Dean (Dane DeHaan).

 

Dieser findet Dennis zwar sympathisch, sträubt sich aber lange Zeit, die von Dennis so begehrten Fotos von sich schießen zu lassen. Er befindet sich selbst in einem Konflikt zwischen Erfolgswunsch und Freiheitsliebe, vor den besonders Jack Warner (Sir Ben Kingsley), Mitbegründer der Warner Bros. Studios ihn immer wieder stellt. Gemeinsam wagen die beiden Individualisten schließlich eine Reise in Deans Vergangenheit, lernen dabei viel übereinander und schießen die Fotos, die später die Legende des Stars James Dean begründen sollten.  

 

Kritik

 

Direkt vom ersten Bild an bin ich verliebt in die Arbeit der dänischen Kamerafrau Charlotte Bruus Christensen, die bereits dreimal mit Dogma-Filmer Thomas Vinterberg zusammengearbeitet hat und 2012 als erste Dänin in Cannes mit dem Preis für die beste technische Leitung ausgezeichnet wurde. Ihr außergewöhnliches Können, was Kameraführung und Lichtsetzung betrifft, stellt sie in LIFE erneut unter Beweis. Nicht nur der analoge Look, den sie mit einer digitalen ARRI ALEXA kreiert, sondern auch langsame Schärfeverlagerungen und intelligent inszenierte Bildkompositionen tragen maßgeblich zur Ästhetik des Films bei.

Ebenso verleiht das eigene fotografische Talent des Regisseurs Anton Corbijn dem Film einiges an Authentizität und fördert den herrlich nostalgischen Filmlook, der die Bilder von LIFE so besonders macht.

 

Dass das Kameradepartment trotz alledem im Abspann erst nach Kostüm- und Produktionsdesign aufgeführt wird, ist allerhöchstens damit zu entschuldigen, dass auch in diesen Bereichen exzellente Arbeit geleistet wurde. Mit einer Mischung aus intensiver Recherche und Liebe zum Detail werden das Los Angeles, das New York und das Fairmount des Jahres 1955 unheimlich realistisch, dabei aber nicht weniger ästhetisch, wiedergegeben. Nicht nur der Anspruch historischer Authentizität wird erfüllt, sondern auch das Lebensgefühl der damaligen jungen Generation vermittelt.

 

Weiterhin begeistert der Film mit einer brillanten Besetzung: Dane DeHaan als James Dean überzeugt von der ersten Sekunde. Nicht allein weil er der Legende so ähnlich sieht – Credits an Masken- und Kostümdesign! – sondern vor allem, weil er sie durch volle Ausschöpfung seiner Schauspielgabe so außergewöhnlich fein und glaubwürdig portraitiert. Auch stellt Robert Pattinson sich als wohl durchdachte Besetzung für den Fotografen Dennis Stock heraus. Selbst  wenn man durch seine Mitwirkung an der „Twilight“-Filmreihe zunächst einmal skeptisch ist, wenn man seinen Namen auf der Castliste liest, wird man doch von Pattinsons nuancierter Spielweise überrascht. Er versteht es, die Ambivalenz von jungem unverstandenen Künstler und desaströser Vaterfigur erstklassig darzustellen, ohne sich gängiger Klischees zu bedienen. Er hinterlässt ein Publikum, das sich noch über das Filmende hinaus fragt: „Mag ich diesen Kerl?“

 

Zwar sind die Figuren in dem von Luke Davies geschriebenen Drehbuch bereits sehr facettenreich und dadurch interessant gezeichnet, doch der großartige Cast von LIFE ist es schließlich, der genau diese Ambivalenz der Charaktere zum Leben erweckt. Der Film ist bis in die kleinste Nebenrolle mit außerordentlich talentierten Schauspielern ausgestattet: Alessandra Mastronardi als Deans Geliebte Pier Angeli, Joel Edgerton als Bildredakteur John G. Morris, Sir Ben Kingsley als Produzent Jack Warner, sowie Kelly McCreary als "die Königin der Nachtclubs" Eartha Kitt.

 

Der einzige Kritikpunkt meinerseits:  Durch den Versuch, möglichst nah an der Realität zu erzählen, passiert streckenweise nicht wirklich viel. Der Film hat folglich ein paar spürbare Längen und lebt eher von der Atmosphäre als von der Story.

 

In LIFE hat jedes Crew- und Castmitglied einen verdammt guten Job gemacht hat - und das sieht man! Es gelingt ein stimmungsvolles Biopic über zwei verschiedene Männer, die jeweils mit ihren Dämonen zu kämpfen haben und eine kurze Episode ihres Lebens miteinander teilen, von der keiner der beiden unberührt bleibt. Gleichzeitig ist der Film eine wunderschöne Hommage an die Kunst der Fotografie und den Flair der Fünfzigerjahre.

 

Fazit: Für James Dean Fans ein Muss, doch auch sonst absolut sehenswert.

 

gesehen von Ida Marie Sassenberg