Colonia Dignidad

Daten

110 Min., Frankreich, Deutschland, Luxemburg 2015

REGIE: Florian Gallenberger
PRODUZENT: Benjamin Herrmann
DREHBUCH: Torsten Wenzel, Florian Gallenberger
BILDGESTALTUNG: Kolja Brandt
MUSIK: André Dziezuk, Fernando Velázquez
KOSTÜME: Nicole Fischnaller

DARSTELLER: Emma Watson, Daniel Brühl, Michael Nyqvist, etc.

Foto: Majestic Presse

 

Regie: Florian Gallenberger
Kinostart: 18.02.2016 Inhalt:

 

Chile, Mitte der Siebziger Jahre. Lena (Emma Watson), Stewardess, besucht bei einem einwöchigen Aufenthalt ihrer Crew in Chile ihren Freund Daniel (Daniel Brühl), Fotograf und Befürworter des Präsidenten Allende. Der wird durch einen Putsch von General Pinochet gestürzt und Daniel wird vom Geheimdienst an einen geheimen Ort verschleppt.

 

Verzweifelt versucht Lena herauszufinden, was mit Daniel geschehen ist. Weder die Freunde Daniels, noch die deutsche Botschaft wollen sie unterstützen. Erst bei Amnesty International erfährt sie , dass Daniel vermutlich auf dem Gelände der Colonia Dignidad gefangen gehalten wird. Die "Kolonie der Würde" ist eine mysteriöse Sekte, die sich auf "urdeutsche Werte" beruft und in der Gefangene möglicherweise gefoltert werden. Ohne weitere Hilfe erwarten zu können, beschließt Lena, der Gemeinschaft beizutreten und so Daniel wieder zu finden. Erst nach ihrem Eintritt erkennt sie, in welche Situation sie geraten ist, denn noch niemand ist aus der Colonia Dignidad lebend entkommen...

 

Kritik:

 

Der Film beruht zum Teil auf wahren Erreignissen. Die Colonia Dignidad gab es in dieser Form mit all ihren Gräueltaten tatsächlich, die Geschichte um Lena und Daniel wurde jedoch frei erfunden.

 

Anfänglich erzählt der Film eine klassisch schöne Liebesgeschichte mit allem drum und dran und verwandelt sich dann in einen Horrortrip durch eine Sekte, die es so tatsächlich gab. Das Beste an dem Film ist die Besetzung. Mit Emma Watson und Daniel Brühl hat man zwei talentierte, etablierte Darsteller gewählt, die sich sehr gut unterschiedlichen Rollen, Szenarien und Situationen anpassen können und sehr wandelbar sind. (Man beachte nur Emma Watsons Wandel von "Harry Potter" zu "The Bling Ring") Leider kann kein noch so guter Schauspieler über etwas hinwegtäuschen, was nicht ist. Die beiden Hauptcharaktere sind flach, wie es nur geht. Man erfährt nichts über die Vorgeschichte, es gibt keinerlei Charakterentwicklung noch wird tiefer auf die Gedanken, Ängste und Sorgen der beiden eingegangen. Beide verhalten sich stark und untrennbar entlang des Drehbuchs und so zeigt der Film zwei perfekte Menschen in einer unmenschlichen Situation.

 
Um das jedoch zu vertuschen, stolpert der Film von Klimax zu Klimax. Man hat kaum Zeit sich zu beruhigen, da kommt schon die nächste Gefahr, der nächste Fehler oder ähnliches. Das lässt den Zuschauer zwar mitfiebern, laugt aber auch unnötig aus und macht den Film zum Teil auch sehr lang. Durch Fehler in der Coninuity (z.B. Fotos trocknen innerhalb von Sekunden nach dem Entwickeln) und zum Teil nicht nachvollziehbaren Handlungen wirkt das Drama zum Teil gestellt. Das ist sehr schade, denn der Stoff ist interessant und fesselnd. Trotzdem: In der Darstellung der Kolonie ist der Film sehr spannend und bietet Einblick in eine Sekte, die es bis heute noch gibt und in der viele Leute durch Misshandlungen und psychischen Druck festgehalten und leiden mussten. Mit anderen "großen" Fotografie/Kriegsfilmen wie "San Salvador" kann der Film nicht mithalten, dafür ist die Charakterbildung einfach zu schwach und die Fotografie zu uninspiriert eingebracht. Als Aufklärungsfilm über die Colonia Dignidad legt der Filme jedoch für einen Spielfilm eine solide Leistung hin.

 

Auch wenn es manchmal an der Umsetzung hapert, ist der Film doch spannend und interessant. Er lenkt den Blick auf ein Land, eine Zeit und Ungerechtigkeiten hin, die man so nicht oft beachtet. Vielleicht regt er den einen oder anderen sogar an, für mehr Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit weltweit zu kämpfen.

 

Gesehen von Theresa Koehnsen