Mängelexemplar

Daten

112 Min., Deutschland 2016

REGIE: Laura Lackmann
DREHBUCH: Laura Lackmann
PRODUZENTEN: Jochen Laube, Leif Alexis
SCHNITT: Gergana Voigt
KAMERA: Sten Mende
SZENENBILD: Thomas Goldner

DARSTELLER: Claudia Eisinger, Katja Riemann, Barbara Schöne, Laura Tonke, Maximilian Meyer-Bretschneider, etc.

Foto: filmpresskit

 

Regie: Laura Lackmann
Kinostart: 12. Mai 2016

 

Wenn der Kopf krank wird, was dann mit einem passiert, das erzählt auf humorvolle Weise "Mängelexemplar"...

 

Inhalt:

Karo wird gerade gefeuert. Sie sei zu laut, zu temperamentvoll, einfach generell zu viel. Das sei aber nichts persönliches, meint ihre Chefin. Ex-Chefin. Bin ich alles gar nicht, denkt sich Karo beim Rausgehen, ich bin ganz ruhig. Auf dem Weg raus haut sie noch ein paar gestapelte Trinkflaschen um.

Als nun auch noch ihre beste Freundin nichts mehr von ihr wissen will, wird Karo langsam klar, dass sie sich ändern muss. Sie fängt eine Therapie an. Sie nimmt das als Projekt an, macht alles supereifrig und dadurch alles falsch. Dann macht auch noch ihr Freund mit ihr Schluss und vor lauter Panikattacken und Depression weiß sie bald nicht mehr, was gut oder schlecht ist. Bald merkt sie auch, dass sich so ein Problem nicht so einfach lösen lässt...

Die Geschichte basiert auf dem Buch von Sarah Kuttner.

 

Kritik:

Der Film startet mit harten Beats, schnellen Schnitten, mitten in Berlin, mitten in der Geschichte. Karo schmeißt sofort, metaphorisch und tatsächlich das Kind in den Brunnen. Danach macht der Film auch nur selten langsam und die Bilder, die Farben, die Menschen wechseln und verändern sich, wie die Laune von Karo. Man sieht nicht nur Karo, man hört auch ihre Gedanken. Man ist voll dabei, versteckt wird nichts, man bekommt alles mit.

Claudia Eisinger spielt Karo so überzeugend, dass man ihr die Rolle voll abkauft. Ihr teilnahmloses Gesicht ist so puffig und ehrlich, dass man kaum glauben kann, dass sich jemand so freiwillig, absichtlich zeigt. Und sie hat definitiv das wunderschönste angewiderte Gesicht. Auch in Katja Riemann, die Karos Mutter Luzy spielt, ist sehr ehrlich und realitätsnah. So nah an der Wirklichkeit, dass jeder, der schon mit depressiven Menschen zu tun hatte oder selbst depressiv war, genau einen Menschen vor sich sieht, der damit fertig werden muss, dass die eigene Tochter psychisch krank ist und einem selbst die Schuld dafür gibt.

Trotz des traurigen Themas schafft es Regisseurin Laura Lackmann auch sehr humorvoll und ironisch damit umzugehen. Die Depression wird sehr kreativ dargestellt und macht so doch sehr gut deutlich, was da eigentlich mit einem passiert. Der schwarze Punkt über dem Herzen auf dem weißen Pulli wird immer größer, als Karo das Herz gebrochen wird, man fühlt geradezu das beklemmende Schwarz, das langsam von allem Besitz ergreift.

Schwach wird der Film erst am Ende, wenn immer deutlicher wird, dass er keine richtige Struktur hat, keinen richtigen Spannungsbogen, irgendwie nur mit den Emotionen des Zuschauers spielt. Eindeutig geht er nicht aus und man fragt sich, woraus jetzt das Problem bestand, dass gelöst wurde. Aber genau diese Frage will der Film wahrscheinlich stellen: Welche Probleme haben Depressive eigentlich wirklich? Und welchen Einfluss hat die Krankheit auf das Selbstbild, auf die Sicht auf die Welt?

Das Thema Depression ist in vielen Leben allgegenwärtig und deswegen ist der Film auch so zuordbar. Jeder findet sich an einer Ecke oder an einem Ende wieder. Die lustige Art zu erzählen nimmt dem Thema auch ein wenig die Schwere, spielt es jedoch nicht runter. Empfehlenswert für alle, die es interessiert und Romantiker, denn eine kleine Liebesgeschichte ist es auch. Gut zum Lachen und Weinen. Rein gehen - oder zumindest irgendwann per DVD oder Netflix anschauen!

Gesehen von Theresa Koehnsen.