Hope For All

Daten

100 Min., Österreich 2016

REGIE: Nina Messinger
DREHBUCH: Nina Messinger
SCHNITT: Sandy Kook
KAMERA: Andreas Zeiner, Anna L., Herwig Niederer
TON: Andreas Zeiner
Animationen: Daniel Horvatits

INTERVIEWS MIT: Dr. Jane Goodall, Dr. Caldwell B. Esselstyn, Prof. Dr. T. Colin Campbell, Dr. Vandana Shiva, Prof. Dr. Claus Leitzmann, Dr. Herman Focke, etc.

Foto: Tiberius Film

HOPE FOR ALL

Unsere Nahrung - Unsere Hoffnung

 

Regie: Nina Messinger
Kinostart: 12. Mai 2016

 

Heutzutage ist eindeutig bewiesen, dass Zivilisationskrankheiten mit der westlichen Ernährung zusammenhängen. Doch was bedeutet das für unseren Lebensstil, was sollten wir verändern?...

 

Inhalt:

"Hope for All" ist eine österreichische Dokumentation über die Folgen von zu hoher tierproduktorientierter Ernährung für Mensch und Tier. Im ersten Teil konzentriert sich die Dokumentation auf die Wirkung von Fleisch- und Milchprodukten auf den menschlichen Körper. Anhand zahlreicher Beispiele wird erklärt, wie eine pflanzenbasierte Ernährung Menschen geholfen hat, lebensgefährliche Krankheiten zu heilen, frei nach Hippokrates Worten: Lass die Nahrung deine Heilung sein und deine Heilung deine Nahrung sein.

Im zweiten Teil geht es um die unmenschlichen und schrecklichen Haltungsbedingungen, in denen die Tiere, die einmal den Teller zieren werden, leben. Es wird nicht nur darauf eingegangen, was für Mengen an Wasser und Futter für sie verbraucht werden, sondern auch in welchen Zuständen sie leben (wenn man das so nennen kann) und sterben müssen. Am Ende bietet der Film einen kleinen Ausblick in die Zukunft und zeigt, wie das Leben sein könnte. 

Kritik:

Das Thema ist durchaus ein aktuelles und auch eines, das diskutiert werden muss. Zu häufig weigern sich viele, überhaupt das Thema "Fleischessen" zu diskutieren. Das Grillsteak, die Weißwurst, das ist geradezu ein Kult und auf jeden der nicht mitmachen will, wird herabgeschaut, der wird ausgelacht. "Hope for All" konfrontiert den Zuschauer mit der unangenehmen Wahrheit. Dass die Kugel, die der Grillmeister vor sich herschiebt, und das kaputte Herz von dem Fleisch, das er gerade auf dem Grill wendet, herrühren, das macht er nur all zu deutlich. Im ersten Teil wird all zu deutlich gezeigt, was der Konsum von zu großen Mengen an tierischen Produkten (nicht nur Fleisch, sondern gerade auch Milchprodukten) mit dem Menschen anrichtet. Allein dieser Teil sollte jeden Zuschauer schon überzeugen, das mit dem Essen von Tieren zu überdenken.

Schafft er leider nicht ganz. Die Regisseurin ist so ambitioniert zu erzählen, wie blöd das ganze ist, dass sie maßlos übertreibt. Brauchen wir wirklich einen langen, traurigen Blick aus dem Fenster von einer, die am Herz hätte operiert werden müssen, wenn sie nicht vegan geworden wäre? Muss der ehemaliger Diabetiker wirklich unbedingt ernst und mit gesenkten Blick den Waldweg entlang gehen?  Müssen uns die Emotionen wirklich durch die dramatische Musik vorgegeben werden. Unverständlich bleibt, warum man nicht einfach mit den Bildern und Fakten spricht, sondern das Thema unnötig emotional und tragisch macht. Es nervt, wirkt melodramatisch und macht die Glaubwürdigkeit kaputt. Das schlimmste ist, dass die These, dass regelmäßiger Milchkonsum die Wahrscheinlichkeit auf Krebs erhöht, durch Tierversuche an Ratten bewiesen wird. Sollte der ganze Film nicht ein Appell sein, dass man Tiere nicht sinnlos töten und quälen soll? Spielt man da nicht eher der Gegenpartei in die Hände, wann man letztendlich die gleichen Methoden verwendet? Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das Thema Tierversuche im Film sorgsam umgangen wird.

Die O-Töne sind interessant und sicherlich mit hochgeschulten Persönlichkeiten der veganen Ernährungsgemeinde. Doch wirkt der große Teil auch wie Schleichwerbung für Dr. Esselstyn und sein Ernährungsprogramm, dass ja jetzt schon so vielen Menschen geholfen hat, wie bereits Geheilte berichten.

Im zweiten Teil setzt der Film einfach nur noch auf schockierende Bilder. Gut, die meisten "schlimme Haltung und grausamer Tod"-Aufnahmen wird jeder, der sich für das Thema interessiert, schonmal gesehen haben. Sie tun natürlich nach wie vor im Herzen weh. Gegen sowas kann man natürlich nichts sagen. Trotzdem ist wieder fraglich, bei der Anzahl der toten Tiere, die vor der Kamera angebraten, ausgestopft, etc. werden, wieviel des Produktionsgeldes ist tatsächlich in den Kauf des Fleisches und damit in die Taschen der Fleischindustrie gegangen, die der Film sonst so verteufelt?

Am Ende klärt der Film auch nicht richtig auf, welche Ernährung denn nun die richtige ist. Während die Spezialisten lediglich von einer überwiegend pflanzlichen Ernährung sprechen, zieht es der Film vor, Veganer zu zeigen. Genaue Vorgaben, was gerade Neueinsteiger nun am besten machen sollten, wird nicht gegeben. Der Film ist wohl eher als Inspiration gedacht, nicht direkt als tatsächlich Lösung.

Der Film schafft es schlicht nicht, mit den Fakten zu überzeugen, sondern verlässt sich lieber auf popularistische Mittel, um den Film Propaganda-Like überzeugend zu machen. Das ist sehr schade, denn das bräuchte der Film einfach nicht. Im direkten Vergleich fallen mir als Vegetarier dutzende Filme ein, die die gleiche Message weit besser verbreiten, ohne dabei den Zuschauer, Vegetarier oder nicht, sauer auf so amateurhaft erzählte Geschichten zu machen.  Ja zum Thema, nein, zur Art und Weise, wie es vermittelt wurde.

Gesehen von Theresa Koehnsen.