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Achtet wie viele ihrer Kolleg-inn-en mehr auf die Rollen, als auf die Gagen- Schauspielstar Geraldine Chaplin

 

Traumberufe haben in den Augen Vieler heute mehr mit hohen Gagen als mit Selbstverwirklichung und Begeisterung für den Beruf zu tun. Das ist, zumindest beim Film in vielen Bereichen so. Ist bei der Bühne nach wie vor der Applaus des Publikums der wichtigste Lohn, zählt in der Welt von Kino und Fernsehen schon eher Bares. Als weitere Währung gilt auch noch Publicity, schließlich führt diese durch Anschlussjobs oder Werbeauftritte zu weiteren Einkünften.

In Zeiten der Medienkrise in denen weniger prominente Schauspieler oft nur ein paar wenige oder gar keinen einzigen Drehtag im Jahr haben, findet das strahlende Erfolgslächeln auf den Empfängen dennoch statt. Wozu ist man schließlich Schauspieler? Doch es mischen sich auch andere, ungewohnte Töne in die Gespräche, Aussagen nach denen man für gute Stoffe und interessante Rollen auch für weniger oder gar keine Gage zu spielen bereit wäre.

Die Frage, was man denn so verdient als Schauspieler bei Film und Fernsehen, bewegt trotz ihres recht hypothetischen Charakters Viele, deshalb sollen an dieser Stelle einige Zahlen genannt werden.

 

Stargagen in den USA

In bestimmten Segmenten der internationalen Filmindustrie, insbesondere bei großen Hollywood-Produktionen, entfällt ein erheblicher Teil des Budgets auf die Gagen von Starschauspielern. Wenn einzelne Darsteller für einen Film Beträge erhalten, die dem Budget mehrerer deutscher Kinoproduktionen entsprechen, geraten die Relationen schnell aus dem Gleichgewicht.

Die Zeiten, in denen zahlreiche Hollywood-Stars regelmäßig Festgagen von 20 bis 30 Millionen US-Dollar pro Film erhielten, sind zwar weitgehend vorbei, doch auch heute gehören Spitzengagen im zweistelligen Millionenbereich noch zur Realität. Häufig werden sie durch Gewinnbeteiligungen, Streaming-Boni oder Beteiligungen an den Verwertungserlösen ergänzt. Zu den bestbezahlten Schauspielern der vergangenen Jahre zählen unter anderem Dwayne Johnson, Tom Cruise, Leonardo DiCaprio, Ryan Reynolds, Will Smith oder Robert Downey Jr.

Besonders kritisch wird die Entwicklung dann, wenn mehrere prominente Stars in einer Produktion zusammentreffen. Die Personalkosten können einen erheblichen Anteil des Budgets verschlingen und erhöhen das wirtschaftliche Risiko. Bleiben die erwarteten Zuschauerzahlen aus, wird es für Studios und Produzenten schwieriger, die Investitionen wieder einzuspielen. Gleichzeitig stehen für kleinere und unabhängige Produktionen oft weniger Mittel zur Verfügung.

Allerdings bilden diese Spitzengagen nur die Ausnahme. Die überwältigende Mehrheit der Schauspielerinnen und Schauspieler – auch in den USA – arbeitet weit entfernt von solchen Einkommensdimensionen. Viele leben von wechselnden Engagements, Nebentätigkeiten oder kombinieren Film- und Fernseharbeit mit Theater, Synchronisation oder Werbung.

Auch im Serienbereich sind die Gagen erheblich gestiegen. Während die Darsteller der Erfolgsserie „Friends“ in den letzten Staffeln rund eine Million US-Dollar pro Episode erhielten, erreichen heute nur wenige internationale Spitzenproduktionen vergleichbare Größenordnungen. Die meisten Seriendarsteller verdienen deutlich weniger.

 

Stargagen bei uns

Die Größe der Schauspielkunst spiegelt sich selten in den Gagen wieder

 

Es sind die immer gleichen Gesichter, die sich durch die heimischen Fernsehstuben schieben und diese vielleicht 25, 30 Stars verlangen Gagen so um die 100.000- bis 250.000 Euro pro Film (als Pauschale), was einer Tagesgage von etwa 10.000 bis 14.000 Euro entspricht. Ob Maria Furtwängler, Jürgen Vogel, Senta Berger, Til Schweiger, Iris Berben oder Heiner Lauterbach, man nimmt, was man rausholen kann, sie sind auch nur Menschen. Der fehlende Mut der Fernsehsender und die Parole möglichst prominent zu besetzen, begünstigen diese allzu menschlichen Gagenforderungen. Etwas darunter gibt es ebenfalls Supergagen, die allerdings etwas niedriger als das Spitzenfeld liegen. 4000,- bis 6000,-  Euro werden hier aufgerufen.

Unterhalb dieser Spitzengruppe existiert ein breites Spektrum professioneller Schauspielerinnen und Schauspieler mit sehr unterschiedlichen Einkommensverhältnissen. Viele arbeiten projektbezogen und erleben Phasen intensiver Beschäftigung ebenso wie Zeiten ohne Engagement. Die öffentliche Wahrnehmung konzentriert sich meist auf die wenigen bekannten Namen, während die wirtschaftliche Realität des Berufs für die Mehrheit deutlich weniger glamourös ausfällt.

Die Unterschiede zwischen Spitzenverdienern und dem großen Rest der Branche haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vergrößert. Gleichzeitig ist die Zahl der Produktionen durch Streaminganbieter und neue Auswertungsformen gestiegen, wodurch sich auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben. Dennoch bleibt Schauspiel für die meisten ein Beruf mit hohen Unsicherheiten und starkem Wettbewerb.

 

Übliche Gagen

Wer nicht zu den Superstars im heimischen Fernsehen oder Kino zählt, kann bei normal budgetierten Filmen (also kein Low-Budget) mit Tagesgagen zwischen 1000 und 3000 Euro rechnen, abhängig von der Rolle und der Bekanntheit. Wer in einer TV Reihe die Hauptrolle spielt, nicht superprominent ist und viele Drehtage hat, bekommt zwischen 1300,- und 1600,- Euro am Tag. Für Neulinge liegen die ersten Gagen durchaus auch darunter, was angesichts der Beträge, die fest angestellte Bühnenschauspieler monatlich erhalten, nicht wirklich ungerecht ist.

Das Argument, dass Fernsehschauspieler ja weniger Arbeitstage hätten und deshalb in kürzerer Zeit ihr Auskommen verdienen müssten, kann dieses Missverhältnis nicht wirklich aufheben. Abgesehen davon stehen die permanent versendeten TV-Stars ja viel öfter vor der Kamera als ihre Kollegen auf der Bühne. Daneben gibt es auch viele Schauspieler, die angesichts der momentanen Lage in den Medien durchaus auch unentgeltlich arbeiten, wenn das Projekt ihnen interessant erscheint.

Die TV Sender führen auch häufig Karteien oder Datenbanken, in denen die jeweils letzten Gagen einzelner Schauspieler festgehalten werden. Das hilft den Besetzungsbüros bei den Verhandlungen.

 

Wenige Starsieger und viele Qualitätsverlierer

Da sich die Budgets für die Produktionen nicht so bedeutsam erhöht haben, dafür aber die Schauspielergagen umso stärker, konnten die Produzenten diese Mehrkosten nur auf eine Weise kompensieren - durch Reduzierung der Drehtage. Filme, die eigentlich 30 Drehtage bräuchten, und früher auch hatten, werden heute in 18 bis 20 Tagen abgedreht. Statt kreativer Regisseure, die auch die Filmsprache voranbringen, werden unambitionierte Fernseh-Routiniers für die Umsetzung gewählt.

Auch über das Drehverhältnis und die Zahl der Rollen (Jeder Nebendarsteller kostet Geld) innerhalb eines Filmes wird weiteres Budget zugunsten der Stargagen verschoben. Die Drehbücher werden noch simpler gestrickt, weniger Drehorte sind weniger Kosten, weniger Außenmotive bedeuten weniger Wetterrisiko beim Dreh. So müssen nun die Teams und Kreativen das ausbaden, was die Privatsender über Jahrzehnte durch sinnloses Abwerben der Stars verursacht haben. Nicht ganz unberührt von all dem bleiben natürlich die Zuschauer, man darf gespannt sein, wie hoch ihre Schmerzschwelle liegt, wo sie das momentane Programm noch immer aushalten. Es gehört zu den großen Ausnahmen der Branche, dass Schauspieler wie die Tatort Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) auf einen Teil ihrer Gagen verzichten, um einen Drehtag zusätzlich und damit höhere Qualität zu ermöglichen. Man darf gespannt sein, ob ihre Nachfolger das auch so halten.

Die wenigen sehenswerten Fernsehspiele können die Masse an Mittelmäßigkeit nicht mehr vergessen machen. Nicht wenige hervorragende Schauspieler sehnen sich nach starken, fantastischen Filmen, aufregenden Geschichten, können den unerträglichen Fernsehbrei kaum mehr ertragen. Doch mit den vielen Independent-Produktionen die in den letzten Jahren der Medienkrise schließen mussten, sind auch viele Chancen auf starke Filme mit anderen Gesichtern verloren gegangen.

 

Thema: Schauspiel Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Schauspiel. Mehr zu Schauspiel
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