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Autofokus 4000

Die meisten Schärfesensoren befinden sich üblicherweise in der Bildmitte. Das Messfeld lässt sich bei vielen Kameras aber auch verschieben

 

Bei hochwertigen Kameras sind die Zeiten, in denen der Autofokus sichtbar pumpt, glücklicherweise vorüber. Die Prozessoren in den Topkameras sind inzwischen sehr schnell und immer mehr Messsensoren und AI arbeiten reibungslos zusammen. Sind Schärfeassis also überflüssig? Es gab Zeiten, in denen konnte man dem Autofokus dabei zusehen, wie er mühsam versuchte, auf irgendetwas, das sich in der Bildmitte befand, scharf zu stellen. In diesen Zeiten galt es als absolut indiskutabel und amateurhaft, die Schärfe einer Kameraautomatik zu überlassen. Profivideokameras waren und sind im oberen Preissegment aus diesem Grunde so gut wie immer ohne Autofokus ausgestattet. Wer einen Kinofilm dreht, verlässt sich auf den / die SchärfeassistentIn.

 

Follow Fokus 4 4000

Manuelles Schärfeziehen am Follow-Fokus Rad,- an professionellen Spielfilmsets nach wie vor Standard

 

Doch die Zeiten ändern sich und der Autofokus an den DSLR, Mirrorless und Videokameras im mittleren Preisbereich ist dank immer intelligenterer Messmethoden und Prozessoren erstaunlich leistungsfähig geworden. Systeme wie Canons Dual Pixel Autofocus arbeiten erstaunlich gut. Es gibt inzwischen durchaus auch professionelle Bereiche, etwa bei zwingend kleinen Filmteams, bei Dokumentardrehs, in denen man sich auf den Autofokus verlassen kann.

 

Die Qual der Wahl

Der Autofokus der verschiedenen High End Kameras ist nur so gut, wie der Anwender es zulässt. Man muss den Kameras mitteilen, welche Funktion gewünscht ist. Da sich die Dinge im Bild bei Video gerne verändern, nutzt man bei Videos vorzugsweise die automatische Schärfenachführung. Dabei unterscheiden viele Kameras inzwischen Gesichts/Augen-AF und normalen AF. Wenn man Menschen aufnimmt, macht die Gesichts-Augenerkennung auf jeden Fall Sinn. Manche Kameras wie etwa die Lumix besitzen zusätzlich noch eine einstellbare Körper,- und Tiererkennung.

 

Messbereich & Tracking

Das Tempo und die Genauigkeit, mit denen eine Kamera fokussieren kann, hängt stark davon ab, ob ein einfacher AF-Sensor oder ein deutlich leistungsfähigerer Kreuzsensor sich an dem jeweiligen Fokuspunkt befindet.

Kreuzsensoren sind in der Regel genauer, sie können Kontrastkanten horizontal und vertikal identifizieren, während normale Fokussensoren nur vertikale Kontrastkanten erkennen. Manche Spitzenkameras können darüber hinaus sogar diagonale Kontrastkanten identifizieren. Die höchste Dichte an Messsensoren findet sich in der Bildmitte. Je besser die Lichtverhältnisse, desto leichter tun sich die Fokussensoren damit, scharfzustellen, je dunkler es wird, desto eher machen sie Fehler.

Man kann der Kamera vorgeben, wie schmal oder breit der Messbereich sein soll in dem die Schärfe ermittelt werden soll. Generell bleibt die Schärfe am ehesten auf dem gewünschten Objekt, wenn man das Messfeld klein wählt. Je größer der Messbereich für die Schärfe, desto mehr Faktoren können die Schärfe vom eigentlich gewünschten Objekt umlenken. Die Messfelder kan man per Touchscreen oder auch Joystick je nach Kamera, im Bild verschieben.

Es gibt auch sogenannte Tracking-Funktionen. Dabei kann man der Kamera in einem kleinen Messfeld eine Person oder ein Objekt festlegen, auf welchem während der Aufnahme die Schärfe bleiben soll. Oft kann man auch die Geschwindigkeit einstellen, mit der dieses Tracking möglicherweise auf andere Personen oder Objekte die in den Bereich des Messfeldes kommen, reagieren soll. Wenn etwa nur jemand kurz im Vordergund durch das Bild wischt, ist es sinnvoll, hier eine gewisse Trägheit einzugeben, dann bleibt die Schärfe unbeirrt auf dem ursprünglichen Objekt.

 

Schnittbild

Bei alten Fotoapparaten waren es die Misch,- und Schnittbildentfernungsmesser, letzterer ist hier im Bild von der Madison Avenue dargestellt, welche mit Hilfe der Parallaxe und eines verschobenen Bildteils in der Bildmitte sehr effektiv die Scharfstellung erleichterten. Man brauchte nur so lange am Schärfering des Objektivs drehen, bis die Verschiebung aufgehoben war, dann war das Bild scharf. Beim alternativen Mischbildentfernungsmesser sah man das Sucherbild zweimal übereinander, also Doppelbilder, die man durch Drehen am Schärfering zur Deckung brachte. Moderne Autofocus Systeme messen mögliche Schärfepunkte nicht nur in der Bildmitte, sondern auf etwa 80 % der gesamten Bildfläche.

 

AF Modi

Die dazu passenden Autofokus Modi heißen bei vielen Herstellern (z.B. Nikon Z) „AF-C“ und „AF-F“. Im „AF-F“-Modus wird die Schärfe konstant mitgezogen. Dabei kann man im Menü eingeben, ob die Übergänge von einem zum nächsten Schärfepunkt schnell oder langsam stattfinden sollen. Im Gegensatz dazu bleibt der Autofokus im "AF-C" Modus nur so lange aktiv, wie man den Auslöser leicht drückt. Lässt man los, bleibt die Schärfe einfach auf dem letzten Stand. Sobald man wieder leicht auf den Auslöser tippt, holt sich der Autofokus wieder automatisch die Schärfe.

Eine Möglichkeit unnötige Regelwege zu bregrenzen ist eine AF-Bereichsbegrenzung, wie die Fujifilm X-T4 anbietet. Damit der Autofokus keine unnötig langen Regelwege durchlaufen muss, kann man den Bereich einschränken, in welchem man eine Autofokussierung wünscht. Wenn ich weiß, dass sich die Objekte oder Personen, die ich aufnehmen möchte, in einem größeren Abstand als 1 Meter befinden, dann kann ich das dem Autofokus mitteilen. Ich gebe dann im Menü “A” (Anfangsabstand) und “B” (Endabstand) ein. Gerade bei geringem Abstand sind die Regelwege besonders lang. Wenn man diese ausspart, macht das den Autofokus schneller.

 

Schärfeverlagerung

Bei Canon, deren Spitzenkameras mit dem Dual Pixel Autofokus arbeiten, etwa heißt diese Funktion Touch AF oder Touch & Drag AF-Einstellung. Damit kann man die Schärfe in der Szene vom Vordergrund auf den Mittel,- oder Hintergrund verlagern. Man wählt auf dem Touch-Display den Anfang und das Ende der Schärfeverlagerung.

 

Schwächen

Man kann in vielen überschaubaren Situationen sehr gut mit den aktuellsten Autofokus Systemen arbeiten. Immer dann, wenn die Erkennung für die Kamera keine Riesenherausforderung darstellt, kann sie zuverlässig Personen, Tiere oder Objekte im Fokus halten. Dafür kann man die Erkennung auf die Augen, Gesicht oder den ganzen Körper einer Person reagieren lassen. Die Systeme werden zudem laufend verbessert.

Bei Aufnahmen, die komplexer sind, wenn die Person und die Kamera sich gleichzeitig bewegen, kann es schon etwas schwieriger werden,- aber das sind auch Herausforderungen für alle menschlichen Schärfeassistenten. Dann kann es immer wieder zu Momenten leichter Unschärfe kommen, die sich aber unter den Bewegungen leicht verspielen, weil die Schärfe dann sehr schnell wieder da ist.

Immer dann, wenn die Person, die man in der Schärfe halten möchte, hinter etwas anderem im Vordergrund (Laternenpfahl, andere Person etc.) kurz verschwindet bzw. verdeckt wird, reagiert der Autofokus möglicherweise falsch und versucht entweder den Vordergrund zu schärfen oder er benötigt sichtbar einen Moment, bis er die Schärfe wieder findet. Nicht immer reicht es da, den Autofokus träger einzustellen. In solchen Fällen ist die manuell eingestellte Schärfe sinnvoller.

Da der Kontrast für den Autofokus eine wichtige Informationsquelle darstellt, bekommt er bei wenig Kontrast im Motiv und geringer Helligkeit, zum Beispiel bei Dämmerung oder beginnender Dunkelheit Probleme. Vor allem wenn die Person rasch ihren Abstand zur Kamera verändert. Auch hier ist die manuelle Schärfe überlegen.