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Leider sind erklärende Sprechblasen wie in Comics bei Realfilmen nicht so einfach möglich. Wichtige Infos müssen auf andere Weise gegeben werden... (v.l. Annika Kuhl, Billie Zöckler, Johannes Silberschneider und Desirée Bachert in der Episode "Himmelbett" aus dem Kino-Episodenfilm "Midsommar-Stories", Buch und Regie: Elena Alvarez, Produktion: Allary-Film, TV & Media)

 

Informationsverteilung

Damit Filmgeschichten funktionieren, müssen die Zuschauer eine Reihe von Informationen bekommen, wie macht man das ohne zu langweilen? Manchmal würde man sich haufenweise Sprechblasen wie in Comisc wünschen, um all das an Informationen in einer Szene unterzubringen, damit die Zuschauer die darauffolgenden Szenen richtig verstehen können.

Wer sich so manchen Krimi einmal etwas analythischer anschaut wird feststellen, dass die WhoDoneit Ermittler häufig in einem Meer von Info-Texten ertrinken. Für alle Kriminalfälle müssen Theorien, Verdachtsmomente, falsche Spuren und Beweise angelegt werden. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass das Fernsehen alle wichtigen Infos zwei Mal liefern muss, damit alle es verstanden haben, kommt schon da einiges zusammen.

Auch im Fernsehspiel und im Kinofilm müssen bestimmte Informationen "gesät" bzw. "gepflanzt" werden, damit man später auf deren Grundlage bestimmte Momente, Erkenntnisse, Konflikte oder auch heitere Momente "ernten" kann. Außerdem müssen ja die Filmfiguren bzw. deren Charaktere erst einmal eine Gestalt annehmen, auch dafür braucht es Informationen. Im Idealfall erhalten Zuschauer diese Infos über das Beobachten von Handlung, doch das kostet häufig schlicht zu viel Zeit und auch Geld, all das zu drehen.

Eine der wichtigsten Herausforderungen für Filmdrehbücher ist es, zwingend notwendige Informationen nicht mit plumpen Infotexten oder erklärenden Dialogen zu geben, sondern sie auf intelligente, organische Weise in die Filmhandlung einzufügen. Außerdem ist es wichtig, die Infos immer dort zu geben, wo sie sinnvoll sind und sie so zu verteilen, dass die Zuschauer erst langsam immer mehr entschlüsseln und verstehen können. Wenn die Zuschauer mitdenken, mitfühlen, mitkombinieren dürfen, sind sie mehr beteiligt und zugleich erzeugt das mehr Tiefe.

  • Grundsätzlich gilt,- zeigen ist stärker, als sagen. Statt Infos in Dialoge zu packen, erzählen gute Filme und Fernsehspiele lieber durch Handlung, Bildsprache und Verhaltensweisen.
  • Alte Familienfotos, Sport,- oder militärische Auszeichnungen, religiöse Symbole, die Art der Kleidung, Tattoos, Gegenstände im Raum können so viel über die Bewohner der Räume aussagen.
  • Farb,- und Lichtgestaltung erzählt ebenso sehr viel über die Menschen. Aber auch die Wahl und Ausgestaltung von Räumen kann Teile des Storytellings mit übernehmen.
  • Social Media Elemente gehören längst auch zur filmischen Realität, aufpoppende Smartphone-Mitteilungen können hier zu wichtigen Erzählelementen werden und Informationen liefern.

 

Strategien

Je komplexer eine Filmstory ist, desto mehr Expositionsprobleme müssen bewältigt werden. Wenn man sich Zeit nimmt, um dem Publikum alle wichtigen Dinge zu erklären, kann dies eine Geschichte zum Stillstand bringen und den Zuschauer aus der filmischen Illusion reißen. Es braucht also alternative Wege, um zwingend notwendige Informationen geschickt unterzubringen.

  • Wenn man auf viele allgemeine Dinge setzen kann, die praktisch alle Zuschauer kennen, wenn die Welt in der die Handlung angesiedelt ist, den meisten bekannt ist, dann sind viele Dinge bereits gesetzt und die Menge an Zusatzinformationen ist nicht so hoch. Wir nennen so etwas auch Brain-Skripte, Teile der Geschichte, die jeder Zuschauer aus eigener Erfahrung kennt, so wie Weihnachten, Hochzeiten oder Trauerfeiern, muss man nicht mehr im Film erneut erklären.
  • Schwieriger ist es, wenn bestimmte Spielregeln, Dinge die ein Zuschauer im Allgemeinen nicht weiß, untergebracht werden müssen. Da sind dann vielleicht irgendwelche Kunstgriffe notwendig, um nicht in endlosen Info-Dialogzeilen zu ertrinken.
  • Es können sehr viele Informationsquellen verwendet werden. Ob es sich um Schlagzeiten, Reporterstimmen etc. handelt oder um Plakatwände und Schilder,- wichtig ist, dass diese Elemente organisch integriert sind, damit die Zuschauer nicht das Gefühl bekommen, sie müssten erst einen Beipack-Zettel lesen bevor sie die Handlung verstehen.
  • Und wenn es denn doch mal ein Dialog sein muss um eine Vorinformation abzudecken, dann sollte er intelligent geschrieben sein, also keine plumpe Information geben sondern glaubwürdig und für den Zuschauer entschlüsselbar den richtigen Hinweis geben. Zuschauer, welche die verschiedenen Infos selbst „kombiniert“ ist viel stärker bei dem Film beteiligt, als wenn alles mundgerecht serviert wird. 

Es ist also durchaus eine wichtige Fähigkeit, Informationen stets so zu verteilen und unterzubringen, dass die Zuschauer gar nicht erst auf die idee kommen, dass der Film ihnen an dieser Stelle Informationen vermitteln möchte. Man muss die Infos den Zuschauern quasi möglichst unbemerkt, möglichst subtil "unterschieben".

 

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