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Im Mittelalter wurde nur selten ermittelt und wenn, waren die Methoden sehr begrenzt

 

Historische Verbrechen und deren Aufklärung sind zentraler Plot in einigen spannenden Kinofilmen und Serien oder nennen wir sie auch einfach nur historische Kriminalfilme. Es muss gar nicht das urbane oder ländliche Böse unserer Tage sein, auch längst vergangene Epochen hatten ihre Verbrechen und einige von ihnen fanden ihren Weg auf die Leinwand. Man denke nur an "Im Namen der Rose" mit seinen Ermittlungen in einem Kloster. So weit manche Verbrechen auch zurück liegen mögen, sie haben häufig genug Ähnlichkeiten mit heutigen Verbrechen. Vielleicht waren die Mittel und Methoden früher andere, Intrigen, Giftmorde, Flüche, Hexereiverdacht und Machtverbrechen standen mehr im Vordergrund, doch die Motive für die Taten haben sich vermutlich wenig verändert. Neid, Gier, Eifersucht waren auch damals die beherrschenden Themen, wenn es um Verbrechen ging.

Und natürlich gerät man da auch in archäologische Themenbereiche hinein. Sicherlich waren die Ermittlungen in vergangenen Kriminalfällen sehr anders, einerseits weil sich der Rechtsbegriff und die Moral erst allmählich dorthin entwickelt haben, wie wir es heute kennen, andererseits weil auch die personelle Ausstattung früher gar nicht zur Verfügung stand. Und natürlich waren die Möglichkeiten, Spuren zu untersuchen, Beweise zu sichern und Tätern auf die Schliche zu kommen, äußerst begrenzt. Die gängigen Methoden der Forensik im Mittelalter waren Folter und erzwungene Geständnisse, so etwas wie eine rationale Beweisführung kannte man damals kaum. Fingerabdrücke etwa konnte man erst ab der zweiten Hälfte des 19 ten Jahrhunderts sichern, ein Mord wurde erstmals durch Fingerabdrücke 1892 in Argentinien aufgeklärt. In Deutschland wurde das Verfahren 1903 (Dresden) eingeführt. Wenig später wurde als eine der ersten wissenschaftlichen Methoden, der Nachweis von Gift, ganz konkret die sogenannte "Marshsche Probe" zum Arsen-Nachweis eingeführt. Und tatsächlich war es auch Ende des 19 ten Jahrhunderts mit Hilfe der forensischen Entomologie ab 1881 erstmals möglich, durch die Untersuchung von Insekten an Leichen (Hermann Reinhard) den Todeszeitpunkt zu bestimmen.

Und auch später, etwa in den ersten Jahrzehnten des 20ten Jahrhunderts waren die Ermittlungsmethoden doch eher speziell. Denkt man etwa an "Chinatown" und den Privatdetektiv Jake Gittes, gespielt von Jack Nicholson, der die Abfahrtzeit eines Autos dadurch ermittelt, dass er eine billige Taschenuhr unter den Reifen legt, um am nächsten Tag am überrollten Ziffernblatt ablesen zu können, um wieviel Uhr der Wagen weggefahren ist.

Manchmal fragt man sich natürlich, was wäre, wenn all die unaufgeklärten Fälle vergangener Jahrhunderte oder Jahrtausende, mit den Mitteln der heutigen Forensik neu aufgewickelt würden, quasi keine "Cold Cases" sondern "Ultracold Cases". Mal sehen, wann diese Filmidee einer investigativen Zeitreise im Kino aufgegriffen wird...

 

Neuere Erkenntnisse

Mittelalter Krimi 5000

In den Städten ging Gewalt, wie neuere Studien zeigen, häufig von Studentengruppen aus

 

Die neuere Forschung hat inzwischen mittelalterliche Gewalt in größeren Städten untersucht und Erstaunliches hervorgebracht. Sie haben historische Aufzeichnungen anaylsiert und sogenannte Mordkarten für Städte wie London, Oxford oder York erstellt, die belegen, dass es im Mittelalter gerade im Umfeld der Universitäten zahlreiche Morde gab. Bei ihren Untersuchungen haben die Forscher recherchiert, zu welcher Zeit und weshalb ein Mord stattfand, womit er durchgeführt wurde, wo die Leiche gefunden wurde.

Es zeigte sich, dass die Gewalt vor 600 bis 700 Jahren signifikant von Studenten ausging und oft an Märkten, auf Plätzen und in Durchgangsstraßen stattfand. Dabei waren es vor allem Sonntage, und die Zeit rund um die Ausgangssperre, zu denen Auseinandersetzungen und Morde stattfanden. Vermutlich hing es damit zusammen, dass die Studenten traditionell nach dem Kirchbesuch Alkohol tranken und dass später am Sonntag allerlei Wettkämpfe stattfanden.

Überraschend hoch war die Mordrate in Oxford, viele der Studierenden lebten weit weg von ihrem Heimatort. Sie waren bewaffnet und "an der Uni herrschte eine Kultur der Ehre und Gruppenloyalität". So beschreiben es zwei Co-Autoren der Studie, Stephanie Brown (University of Hull) und Manuel Eisner (Universität Cambridge). Sie organisierten sich zu Gruppen entsprechend ihrer lokalen Herkunft und trugen Streitigkeiten in den Straßen aus.

Es ging um Wettbewerb, Rache, Konkurrenz und öffentliche Ehrenmorde. Absurderweise blieben Studenten damals ungestraft. Ja es war sogar so, dass einige Tötungsdelikte in städtischen Bereichen mit hoher Sichtbarkeit und symbolischer Bedeutung verübt wurden und einige Täter damit sogar ihren Ruf und ihre Position innerhalb ihrer studentischen Gruppierung festigten.

 

Besonderheiten

Neben der hohen Kunst, vergangene Welten realistisch wieder aufleben zu lassen (historische Frisuren und Kostüme, gemietete Uniformen, Patina für das Szenenbild), sowie einen entsprechenden Look, haben diese historischen Krimis natürlich noch ganz andere, spannende Aspekte. Schließlich werden in ihnen Themen verhandelt, die insbesondere in unserer jüngeren Vergangenheit wieder hochaktuell geworden sind. Etwa wie Schuld konstruiert wird, wie Macht die Wahrheit beeinflusst und wie Justizsysteme selbst Teil des Verbrechens werden. Außerdem ist es natürlich hoch spannend, zu sehen, wie in der Vergangenheit Ermittlungen ohne die heutigen Möglichkeiten der modernen Forensik funktionierten. In den historischen Entwicklungen spielte die Zeugenpsychologie eine größere Rolle, es geht auch mehr um Machtstrukturen, soziale Abhängigkeiten, Indizien statt Forensik und Wahrheit im Widerstreit gegen politische Realitäten.

 

Filmliste

  • "Sherlock Holmes Baffled" (Regie: Arthur Marvin, 1900)
  • "The Adventures of Sherlock Holmes" (Regie: James Stuart Blackton, USA 1905)
  • "Die Passion der Jungfrau von Orléans" (1928, Carl Theodor Dreyer)
  • "I Claudius" (Regie: Robert Graves, D 1937)
  • "Der Prozess der Jeanne d’Arc" (1962, Robert Bresson)
  • "Chinatown" (Regie: Roman Polański, USA 1974)
  • "Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends" (1999, Luc Besson)
  • "Der Name der Rose" (Regie: Jean-Jacques Annaud, D/F 1986)
  • "The Crucible – Hexenjagd" (Regie: Nicholas Hytner, USA 1996)
  • "The Advocate: A Missing Body" (Regie: Heo Jong-ho, Korea,1993)
  • "Vatel" (Regie: Roland Joffé, F, GB, BE 2000)
  • "The Reckoning" (Regie: Neil Marshall, USA2003)
  • "Agora" (Regie: Alejandro Amenábar, ES 2009)
  • "Black Death" (Regie: Christopher Smith, D, GB 2010)
  • "The Last Duel" (2021, USA Regie: Ridley Scott)

Insbesondere auch im Serien-Bereich wurden historische Kriminalfälle auf vielfältige Weise thematisiert:

  • "Cadfael – Der Bruder des Königs" (1994–1998)
  • "Rome" (HBO-Serie, 2005)
  • "Murdoch Mysteries" (2008, Ovation, CBC Television, Citytv)
  • "Ripper Street", 2012 bis 2013, BBC)
  • "Peaky Blinders" (Netflix, BBC One, BBC Two, 2013)
  • "Die Hebamme" (Mystery-Krimi im 18. Jh. 2014, ZDF/ORF)
  • "The Frankenstein Chronicles", (ITV Encore, 2015)
  • "Die Toten von Salzburg" (Ö 2016, Erhard Riedlsperger, Maria Hinterkoerner, Klaus Ortner, Stefan Brunner)
  • "The Alienist" (2018, USA, GB)
  • "Name der Rose" (Serie, 2019)
  • "Vienna Blood", (2019, GB, Austria)

 

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