Fake News

 

Seit nicht nur offizielle Tageszeitungen, Magazine, Fernseh,- und Radiosender sondern praktisch Jeder per Internet Nachrichten verbreiten kann, ist es um deren Wahrheitsgehalt schlechter bestellt. Wem darf man noch glauben und wie kann man selbst überprüfen, welche Nachricht glaubwürdig ist und welche nicht?

 

Wahrheitshoheit

Die Wahrheit wurde in den Jahren des Nazi-Regimes in Deutschland in den Medien ziemlich mit Füßen getreten, das Reichspropagandaministerium sorgte dafür, dass gezielte Fehlinformationen über die damaligen Radio,- und Fernsehsender sowie alle Zeitungen verbreitet wurden. NS-Kinofilme blendeten die Realität entweder vollständig aus oder stellten sie höchst manipuliert dar. Nach dem Kriegsende sorgten die Siegermächte (Alliierten) dafür, dass die Medien der neuen Bundesrepublik möglichst mit Kontrollinstanzen ausgestattet waren und dass es viele verschiedene Sender und Zeitungen gab, um eine große Meinungsvielfalt zu sichern.

 

Die Kontrollinstanzen, die darüber wachen, dass Radio und Fernsehen wahrhaftig berichten und auch sonst moralisch und politisch einwandfrei arbeiten, gibt es auch heute noch, in den öffentlich rechtlichen Sendern in Form der Rundfunkräte und für die Privatsender in Form der Landesmedienanstalten.

 

Bild Zeitung

 

Natürlich sind auch Gremien nicht unfehlbar und selbstverständlich versuchten auch dort Interessensgruppen bestimmte Schwerpunkte zu setzen und andere Themen zurück zu drängen, doch im Großen und Ganzen konnte man sich auf den Wahrheitsgehalt von Informationen etwa in Nachrichten oder Reportagen verlassen. Dafür sorgte auch der Pressecodex, eine freiwillige Verpflichtung der Journalisten,- und Verlegerverbände auf bestimmte Regeln. Manche Zeitungen trugen etwas dicker auf bei ihren Schlagzeilen, dafür wurden sie dann aber umgehend vom deutschen Presserat gerügt.

 

Ausgebildete Journalisten wissen, wie man Informationsquellen hinterfragt, wissen dass man immer mindestens zwei seriöse Quellen braucht, bevor man eine Nachricht veröffentlichen darf. Sie kennen auch die moralischen Grenzen wo das Informationsrecht der Öffentlichkeit aufhört und möglicherweise Privatsphäre geschützt werden muss.

 

Wer´s glaubt...

Seit aber das Internet mit seinen unzähligen Informationsseiten ebenfalls die gleichen oder ähnliche Aufgaben übernimmt, was die Weitergabe von Nachrichten und Informationen angeht, schreiben, sprechen oder filmen plötzlich auch Menschen, die sich keinem Ehrenkodex verpflichtet fühlen und die auch von keinem Kontrollgremium in ihren Aussagen überprüft werden. Dadurch können im Prinzip Wahrheiten wie Lügen gleichermaßen weltweit verbreitet werden.

 

Viele Webseiten sind sehr professionell gestaltet und sind von optisch von denen der seriösen Tageszeitungen kaum zu unterscheiden. Sind sie dadurch aber bereits seriös und wahrhaftig? Leider nicht und das Erfinden von angeblichen Nachrichten hat enorm zugenommen. Oft fliegen solche gezielten Fehlinformationen erst sehr spät oder gar nicht auf. Warum wird überhaupt falsch informiert? Nun da gibt es viele Gründe, oft wollen bestimmte Interessengruppen gezielt Stimmung für oder gegen etwas oder Jemanden machen.

 

Politische Gegner durch falsche Zitate oder Behauptungen öffentlich schlecht aussehen lassen? Gegen Flüchtlinge durch erfundene Nachrichten negative Stimmung machen? Wie wir wissen, werden inzwischen sogar Wahlen durch Falschinformationen manipuliert.

 

Und weil im Internet auch viele faul sind und nicht selber recherchieren, sondern Texte, Fotos oder Videos einfach kopieren und weiterverbreiten und weil in Sozialen Netzwerken ganz viele Links gesetzt und Seiten weiterempfohlen werden, können sich diese Fehlinformationen rasend schnell verbreiten. Nicht selten werden sogar falsche Quellen genannt, also eine Fehlinformation wird im Web verbreitet mit dem Hinweis, dass die Quelle eine seriöse Tageszeitung sei.

 

Streik 

So führte etwa die erfundene Geschichte über Lisa, ein angeblich in Berlin vergewaltigtes Mädchen zu diplomatischen Konflikten zwischen den Außenministern Russlands und Deutschklands sowie zu Demonstrationen aufgebrachter Bürger in Berlin. Aktienkurse von Unternehmen (Vinci oder auch Cynk) wurden bereits durch Falschmeldungen manipuliert, wodurch einige Leute ziemlich viel Geld gemacht und Andere viel Geld verloren haben. Auch wurde die Information, dass Impfen schädlich sei, frei erfunden. Angeblich kann man im Dark-Net derartige Falschmeldungen sogar gegen Cash in Auftrag geben.

 

Pro Jahr werden inzwischen mehrere Tausend Falschmeldungen registriert, wobei die Dunkelziffer jener Meldungen, die nicht auffliegen, viel höher ist.

 

Verloren im Internet?

Leider wird das nirgendwo ausreichend vermittelt, wie man sicher stellt, nicht auf falsche Nachrichten und Informationen herein zu fallen. Dafür, dass die digitalen Medien und vor allem das Internet heutzutage eine solche Bedeutung haben ist das ganz schön beschämend. Dabei sollte Nachrichtenkompetenz eigentlich schon in den Schulen dringend vermittelt werden. Wer will schon per Internet belogen werden?

 

Weltweit bemühen sich Regierungen darum, Gesetze gegen derartige Falschinformationen zu installieren. Doch das ist nicht so einfach, man muss hier zwischen Zensur und Meinungsfreiheit abwägen. Am Besten ist es, sich bei fragwürdigen Nachrichten selbst auf die Spur der Wahrheit zu begeben.

 

Inhalte

 

Sichere Informationsquellen sind offizielle Tageszeitungen sowie Nachrichtensendungen bzw. deren Internetportale. Sie haben auch ein Impressum und nennen Verantwortliche, die für die Richtigkeit der Nachrichten bürgen. Machen diese, trotz sorgfältiger Recherche doch mal einen Fehler, veröffentlichen sie umgehend eine Richtigstellung.

 

Wird irgendwo bei einer Nachricht behauptet, die Quelle sei beispielsweise die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine gewesen, so kann man schnell auf deren Seiten nachschauen, ob diese Behauptung auch tatsächlich stimmt.

 

Wichtige Nachrichten findet man stets auf mehreren seriösen Nachrichtenseiten gleichzeitig. Stehen sie nur auf einer Pseudo-Nachrichtenseite und sonst nirgendwo, dann ist es Fake.

 

Bilder und Videos

Doch nicht nur gesprochene oder geschriebene Worte, auch Fotos oder Videos lassen sich heute problemlos mit Bearbeitungsprogrammen manipulieren. Auch hier ist Vorsicht geboten, nicht alles, was man sehen kann, entspricht der Wahrheit. Auch die Bildmanipulation hat eine lange Geschichte. Bereits während des zweiten Weltkrieges gab es retuschierte oder manipulierte Fotos sowie Filmaufnahmen die zu Propagandazwecken die Wirklichkeit verfälschten. Kann man solchen Aufnahmen auf die Schliche kommen?

 

Oft werden Teile von Bildern ausgetauscht, etwa um ein anderes Gesicht einzumontieren oder ein anderes zu entfernen. Wenn man die Ränder von Gesichtern oder Körpern stark vergrößert, also in ein Foto hineinzoomt kann man oft die Nahtstellen erkennen. Häufig wird über solche Nähte künstliche Unschärfe gelegt, das fällt auf.

 

Bei Bearbeitungen gibt es häufig Änderungen in der Pixelstruktur oder auch der Farbabstimmung, auch die kann man bei starker Vergrößerung erkennen. Werden Bestandteile zweier Fotos, die bei unterschiedlichen Lichtstimmungen aufgenommen wurden, kombiniert, gelingt es nicht immer, diese farblich perfekt aufeinander abzustimmen. Stimmen die Schattenrichtungen und Dichten im Bild? 

 

Inzwischen gibt es Software, die in Videos die Gesichts,- und Mundbewegungen einer Person so verändern kann, dass diese im Video Dinge sagt, die sie nie vor einer Kamera gesprochen hat.

 

Es gibt ein kostenloses Software-Tool namens "Izitru" (Is it true), welches Fotos auf derartige Phänomene und andere Auffälligkeiten von Bildbearbeitung überprüft und Manipulationen feststellen kann. Link zur App: https://www.izitru.com/

 

Man ist also nicht wirklich schutzlos gegen Fake-News, man darf nur nicht faul sein und jede noch so seltsame Nachricht einfach glauben. Ein wenig Detektivarbeit kann helfen, klar zu sehen, was wirklich stimmt.