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Filme welche eine Außendarstellung der Protagonisten befördern sollen, sind weder journalistisch einordnend, noch kritisch, noch obejktiv.

 

Sie kommen daher im Deckmäntelchen des Dokumentarischen, sind aber schlichte Werbefilme für ihre Protagonisten. Im Januar 2025 startete mit "Melania" einer der teuersten Personality-Filme, die sich fälschlicherweise Dokumentarfilm nennen, aber eigentlich nur Weihrauch in eigener Sache verbreiten sollen.

Diese Art von Propaganda wird seit etlichen Jahren von Streamern finanziert, in diesem Fall von Amazon mit 75 Millionen US Dollar, von denen 35 Millionen allein in das Marketing des Streifens gingen. Kein Wunder, schließlich fragt man sich schon, wie es möglich ist, so viel Geld für die simplen Dreharbeiten einer Personality Show zu verbrennen. Das geht nur, wenn man so etwas mit Werbefilm-Mitteln dreht. Regisseur des Filmes ist Brett Ratner, der 2017 im Zuge von "Me too" von sieben Schauspielerinnen der sexuellen Belästigung bezichtigt wurde und auf diversen Fotos aus den Epstein-Files mit jungen Frauen im Arm zu sehen ist. Was unterscheidet Filme wie diesen von Dokumentarfilmen?

 

Trennlinien

Dokumentarfilme erfüllen eine Reihe von Kriterien, wozu auch ethische Grundprinzipien journalistischen Arbeitens gehören. Pr-Filme, bzw. Infomercials erfüllen die meisten dieser Kriterien nicht und bedienen sich nur einer dokumentarisch anmutenden Verpackung. Man könnte es auch so ausdrücken: Infomercials berichten für jemanden, echte Dokumentarfilme berichten über jemanden. Filme die in erster Linie nur der öffentlichen Wahrnehmung einer zumeist bekannten Person dienen, sind Public Relation die dokumentarisch anmutet. Sie sind so etwas wie die Wohnzimmer-Homestories von Klatsch-Illustrierten, da werden Prominente Portraits auch stets mit einem Zuckerguss nd Heiligenschein überzogen. Das ist stets Teil des Presse-Deals,- sonst hätte man die Journalisten und Fotografen gar nicht erst in sein Zuhause reingelassen.

So verfolgen Infomercials ganz klare Aufgaben, die im Sinne ihrer Auftraggeber sind:

  • Sie sollen ein gewünschtes Image aufbauen, korrigieren oder schützen.
  • Sie sollen eine gewünschte Sichtweise unterstützen.
  • Alle vorhandenen Probleme, Konflikte und Widersprüche werden in den Filmen verkleinert, umgedeutet oder verschwiegen.

Selbstverständlich zeigen diese PR-Filme die/den Protagonist*In und das Umfeld. Die Hauptperson legt fest, welche Themen berührt, welche Drehorte besucht werden und welche Interviewfragen gestellt und welche nicht gestellt gestellt werden sollen. Außerdem hat sie die Macht, auf den Schnitt des Films Einfluss auszuüben. Damit fehlt dem PR-Film jede kritische journalistische Distanz.

Dokumentarfilme stehen dazu im deutlichen Widerspruch. Sie versuchen, Personen, Geschehnisse oder Zusammenhänge zu verstehen, einzuordnen, Probleme und Widersprüche auch in Interviews zu hinterfragen. Sie sind auf der Suche nach der Wahrheit, wollen aufzeigen, was tatsächlich los ist und versuchen die Gründe dafür aufzuzeigen. Anders ausgedrückt,- sie legen den Finger auf möglicherweise vorhandene Wunden. Gute Dokumentarfilme über Personen sind meistens unbequem.

Entscheidend für einen echten Dokumentarfilm ist die volle redaktionelle Entscheidungsgewalt durch die Regie. Sicherlich kommt es vor, das man den Personen, die im Film vorkommen, Arbeitsphasen oder den Film vorab zeigt, doch sie haben keine inhaltliche Kontrolle über den Film. Zudem kommen in einem Dokumentarfilm auch vielfältige Stimmen, auch Kritiker, Journalisten und authentische Zeitzeugen zu Wort. Nicht selten bergen echte Dokumentarfilme auch politischen Zündstoff, wie etwa die Dokus von Michael Moore.

Und ganz wichtig, der Dokumentarfilm nutzt zumeist eine beobachtende Kamera. Es gibt also auch Zufälligkeiten, nicht optimale Momente, Versprecher, Widersprüche, ungeplante Pausen,- so wie das Leben eben nun einmal ist.

 

PR Interview 3 5000

Infomercials sind Werbefilme, die sich als Dokumentationen tarnen

 

Hochglanz

Die meisten dieser PR-Filme sind sehr aufwändig hergestellt. Sie liefern durchwegs schöne, hochwertige Aufnahmen mit sorgfältig gesetztem, kontrolliertem Licht. Auch die Musik ist wie bei einem Spielfilm, emotionalisierend eingesetzt, alles ist geplant, nichts stört, nichts wird dem Zufall überlassen.

Die Reihe derartiger Hochglanzwerbefilme, die das glatte Gegenteil eines Dokumentarfilms sind, ist lang. Man denke nur an "Michael Jacksons This Is It", "With Love, Meghan", "Schweinsteiger Memories - Von Anfang bis Legende", "Kroos", "Arnold" oder "Victoria Beckham" und viele Andere. Diese "Infomercials".  Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die großen US- Streaminganbieter ihr Angebot an kritischen politischen Dokumentationen drastisch heruntergefahren haben, für Meinungsvielfalt und kritischen Journalismus ist wenig Raum übrig geblieben.

Das hat natürlich Folgen auch für die Produktion von Dokumentarfilmen, diverse Doku-Produktionsfirmen konnten geplante Projekte nicht umsetzen, einige Studios mussten schließen, auch weil ihnen von staatlicher Seite die Fördermittel entzogen wurden. Sozial gesinnten oder politisch kritischen Dokumentarfilmen werden in den USA aktuell die Grundlagen entzogen. Das alles geht einher mit der Bekämpfung der Meinungsvielfalt in den öffentlichen Medien, eine der wichtigsten Grundlagen für funktionierende Demokratien.

Dass in einer solchen Situation Personality Werbefilme als Dokumentationen verpackt werden, passt ins Gesamtbild, so wie auch die Tatsache, dass laut dem Magazin "Rolling Stone" angeblich mehr als die Hälfte des Teams von "Melania" verweigerten, mit ihren echten Namen im Abspann des Filmes genannt zu werden. Die Filmschaffenden müssen schließlich von irgend etwas leben, wenn das, wofür sie eigentlich brennen, nämlich echte Dokumentarfilme, kaum noch entstehen. Außerdem dienen diese Infomercials nicht zuletzt dazu, das entstandene Dokumentarfilm-Vakuum zu füllen.

Man kennt Personality-Filme auch aus Europa, insbesondere auch aus dem deutschsprachigen Raum und natürlich verbinden die Protagonist*Innen ihr Einverständnis zu den Dreharbeiten logischerweise mit gewissen Bedingungen, was die Grundhaltung und das Ausklammern von kritischen Fragen angeht. Dennoch werden sie zumeist mit gängigen Budgets und vor allem dokumentarischen Mitteln gedreht und vermeiden es, einen Hochglanz-Werbecharakter einzusetzen.

 

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