Cutter Schnittplatz 3 1000

 

Filmschnitt Digital

Die Geräte-Branche erfreut sich guter Umsätze nicht nur wegen der für hohe Bildqualität erforderlichen Kameras, sondern auch wegen der notwendigen Schnittplätze.

In der Anfangszeit von HD bot HDV preisgünstige Alternativen zu den teureren professionellen High-Definition Formaten. Heute dreht man in HD, 4, 6 oder 8 K Auflösungen und hat diverse Optionen, in welchem Format man die Daten aufzeichnen möchte. RAW ist da die Königsklasse, weil ein Maximum an Bildinformationen festgehalten wird.

Amateur-Codecs wie AVCHD die bei der Aufnahme geringen Speicherbedarf haben, fordern später in der Post mehr Rechenleistung.Unter MPEG etwa werden nicht alle Bilder komplett aufgezeichnet, der Codec arbeitet mit I-Frames sind. Will man an einem Bild schneiden, welches kein I-Frame ist, muss der Computer erst aus diesem eines berechnen. Das kostet Rechenleistung und Zeit. Speziell wenn man verschiedene Varianten ausprobieren oder Schnittpunkte trimmen will, fordert das Rechenleistung.

 

RAW oder ProRes

Immer mehr Kameras können intern oder über HDMI Kabel auf einen externen Recorder RAW aufzeichnen und wenn höchste Bildqualität gefordert ist, macht das durchaus Sinn. Insbesondere bei Aufnahmen mit vielen Details, also Landschaftsaufnahmen etc. und wenn man in der Farbkorrektur das Maximum an Einstellmöglichkeiten haben möchte, bietet RAW stes noch ein wenig mehr als Codecs wie ProRes. Nahaufnahmen von Personen mit unscharfem Hintergrund benötigen weniger hohe Datenraten als detailreiche Motive. Dabei gibt es natürlich unterschiedlichste Untervarianten, welche die Daten mehr oder weniger beeinflussen, zum Beispiel Blackmagic RAW mit 3:1 oder 12:1, oder ProRes Proxy, oder ProRes XQ.

Höhere Bildqualität bei der Aufnahme macht natürlich nur Sinn, wenn man den fertigen Film auch in hoher Qualität vertreiben möchte. Wer ordentlich belichtet und später in der Farbkorrektur keine extremen Veränderungen vornimmt, wird kaum einen Unterschied zwischen RAW und ProRes feststellen können. Bei einem massiv datenreduzierten YouTube Video als Endergebnis wird ohnehin niemand mehr erkennen können, ob es ursprünglich in RAW oder mit ProRes Proxy aufgenommen wurde.

RAW bietet manche Vorteile in der Farbkorrektur, weil man den Weißabgleich besser beeinflussen und mehr Anpassungen an Farbe und Belichtungvornehmen kann. Gerade bei hohem Kontrastumfang im Aufnahmemotiv kann das bedeutsam sein.

 

Proxies

Die Entscheidungen auf der Aufnahmeseite haben auf jeden Fall auch Auswirkungen auf die Schnittarbeit. Der Speicherbedarf steigt mit der Auflösungsqualität enorm, ganz besonders, wenn man in RAW aufzeichnet, es macht oft durchaus Sinn, erstmal im Offline-Modus etwa in Pro Res Proxy zu bearbeiten und erst später die verwendeten Takes in voller Qualität herauszurendern.

Die immer leistungsfähigeren Schnittrechner können zwar durchaus 4K oder auch 8 K manche sogar als RAW ruckelfrei abspielen. Doch das heißt noch nicht, dass es den Workflow nicht verlangsamt, wenn so große Datenmengen auch noch mit Effekten etc. versehen werden. Da kommen auch die schnellsten Rechner irgendwann an Leistungsgrenzen. Deshalb sind Proxies ein hervorragendes Mittel, auch mit größeren Dateimengen zurecht zu kommen. Oft kann der Monitor des Schnittplatzes ohnehin die hohen Kameraauflösungen gar nicht darstellen. Wenn man also Aufnahmen in 6 oder 8 K mit Proxies in HD schneidet, wird man visuell keinen Unterschied wahrnehmen und erst am Ende bei rausrendern des fertigen Films wird dann wieder auf die 8K Originaldateien zugegriffen.

Proxy-Dateien sind also im Prinzip kleinere Versionen der Originalmedien und arbeiten mit bearbeitbaren Codecs, die Einzelbilder adressieren können.

Erzeugt werden die Proxies entweder in der Kamera bei der Aufzeichnung (die Kamera zeichnet dann sowohl RAW als auch Proxies gleichzeitig auf) oder aber im Schnittprogramm. Bei Premiere Pro etwa markiert man in der Ablage (Bin) alle importierten Videofiles, klickt die rechte Maustaste und wählt "Proxies erstellen" aus. Hier kann man auch Presets erstellen, empfehlenswert ist hier beispielsweise ProRes Proxy. Die Wandlung der Dateien passiert im Hintergrund. Es gibt dann eine Schaltfläche mit der man zwischen Proxy und Originalauflösung umschalten kann.

 

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Wettbewerber unter sich

Die Entscheidung, welches Schnittprogramm man wählen sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei Amateuren spielt sicherlich der Preis, aber auch die vertraute Arbeitsumgebung, also Windows oder MAC eine Rolle. So bietet Da Vinci bereits in der kostenlosen Version professionelle Schnittmöglichkeiten an. Bei Profis geht es auch darum, mit welcher Software etwa die Firmen, mit denen man zusammenarbeitet (bei den öffentlich Rechtlichen Sendern etwa wird mehrheitlich noch mit AVID gearbeitet), schneiden und auch darum, ob die Software alle Import,- und Exportfunktionen (z.B. das OMF Format) anbietet, die man für einen reibungslosen Workflow etwa mit ProTools benötigt.

 

Final Cut Pro

Das populärste Schnittprogramm auf dem Apple/Mac, Final Cut war früher eine veritable Alternative zu Profi Programmen wie AVID. Doch der radikale Wechsel von Apple von FinalCut Pro auf FinalCut Pro X mit seinem eher an i Movie erinnernden Bearbeitsungsgefühl hat viele Profis abgeschreckt.

Das Programm beherrscht viele der aktuellen Codecs, bevorzugt aber die Apple MAC üblichen Varianten wie Apple Animations-Codec, Apple Intermediate Codec, Apple ProRes (alle Versionen), Apple ProRes RAW und Apple ProRes RAW HQ.

 

Adobe Premiere Pro

Das Programm erfreut sich, trotz des kostentreibenden Abo-Systems wachsender Beliebtheit. Adobe hat über all die Jahre kontinuierlich seine verschiedenen Software Systeme weiter optimiert und auch Premiere eine Vielzahl professioneller Features spendiert. Premiere kann man für HDV, HD, 2K, 4K, 6 K, 8K nutzen.

Ähnlich wie andere hochwertige, professionelle Schnittprogramme, ist auch dieses recht anspruchsvoll, ja vielleicht sogar etwas anspruchsvoller, was Prozessorleistung und Arbeitsspeicher angeht.

Ein 3 GHz Rechner ist also mehr als sinnvoll und natürlich Festplattenspeicher satt. Die Echtzeitleistungen können nur auf üppig ausgestatteten Rechnern erreicht werden, ist der Prozessor zu schwach, sind ruckelnde Bilder die Folge. Aber die Arbeit mit Proxies kann hier Wunder wirken. Stimmen die Hardwareanforderungen, erlaubt das Programm komfortables Editing.

 

Avid

Nach wie vor weit verbreitet in professionellen Arbeitsumgebungen. Das hängt aber auch damit zusammen, dass viele CutterInnen, die dereinst auf Avid gelernt haben, keine Lust verspüren, die Bedienung anderer Software zu erlernen. Die reine Leistungsfähigkeit der Software kann kein Argument mehr sein, die Konkurrenz ist in manchen Bereichen sogar besser. Leider bieten erst die teureren Versionen die Möglichkeit, höchste Auflösungen zu bearbeiten, hier ist im Vergleich zu den Mitanbietern eine gewisse Toleranz gegenüber nicht absolut neuester Hardware vorhanden.

 

EDIUS Pro

Das Schnittprogramm von Canopus ist ebenfalls HD-4K, 8K fähig und kann alle Formate problemlos auf der Timeline miteinander mischen.

Um lange Rechenzeiten zu vermeiden, kann man Effekte etc. auch im Background-Rendering berechnen lassen. Es wird als Kauf-Software sowohl für PC als auch MAC angeboten, man benötigt also keine teuren Abos.

 

Da Vinci

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Ursprünglich nur ein Farbkorrekturprogramm, wurde es von BlackMagic über die Jahre zu einer kompletten Produktionssuite erweitert. Neben der hervorragenden Farbkorrektur sind auch Schneiden, Tonbearbeitung und Mischung möglich. Dank der Integration der einstigen Fairlight Software, ist eine professionelle Tonbearbeitung mit an Bord.

Das Programm richtet sich vor allem an Profis, aber auch Amateure arbeiten damit. Das Programm beherrscht eine Vielzahl von Codecs, darunter DPX, CIN, EXR, Tiff, QuickTime, ProRes, DNxHD, MXF, AVI, JPEG2000, HQ, HQX, MOV, JPEG, TGA, BMP, MP4.

So gut wie alle Kamera-RAW-Dateien wie ARRI Alexa, oder die RAW Dateien von Nikon, Canon und Sony werden erkannt.

Unter dieser Adresse kann man sich das englische Handbuch als PDF downloaden: https://documents.blackmagicdesign.com/UserManuals/DaVinci_Resolve_16_Reference_Manual.pdf

 

VEGAS PRO

Das urspünglich von Sony entwickelte und ab 2016 von MAGIX weitergeführte Programm richtet sich sowohl an Amateure als auch an Profis und verfolgt, ähnlich wie Adobes Creative Suite die Idee eines kompletten Bearbeitungspakets. Die Software wird nur für Windows Systeme angeboten und verspricht besonders effizienten Workflow. Die von Windows bekannte Drag’n’Drop Bedienphilosophie ist hier in der Timeline direkt integriert.

Die VEGAS POST Suite beherrscht Video- und Audiobearbeitung, Compositing, VFX, Partikel-Generator, Bild-Compositing und Finishing in einem nahtlosen Workflow.

 

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