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Games Filme 1600

 

1971 erscheint mit Computer Space das erste kommerziell zugängliche und erfolgreiche Videospiel. Die Arcade-Version des Spiel-Experiments "Spacewar!" von 1962 begründet das Zeitalter der Videospiele, die 1981 ihre Galionsfigur in Gestalt eines dicklichen italienischen Klempners bekommt, der bei seinem ersten Auftritt in Shigeru Miyamotos "Donkey Kong" noch als Jumpman eigentlich nur die Nebenfigur ist: Mario. Es ist der Beginn eines der erfolgreichsten und bekanntesten Gaming-Franchise, das weltweit Kritiker begeisterte und Millionen von Kopien verkaufte. So verwundert es nicht, dass Hollywood, immer auf der Suche nach neuen Trends - und mehr Geld - eine goldene Chance witterte. Schließlich bringt eine erfolgreiche IP bereits eine etablierte Fanbase mit sich. Ein hitziger Bieterstreit entbrannte Mitte der 80er um die Filmrechte an dem schnauzbärtigen Handwerker. Unter anderem wollte sogar Schauspielstar Dustin Hoffman 1990 die Rechte, um sich selbst als Mario und Danny DeVito als dessen Bruder Luigi zu besetzen.

Da DeVito in anderweitige Projekte involviert war, wurde aus dem Vorhaben nichts. Schließlich gingen die Rechte an den kanadischen Produzenten Jake Eberts. Über den Produzenten Roland Joffé entstanden ein Kontakt zu Nintendo und erste Pläne für eine Verfilmung. Daraufhin befand sich das Projekt in der Produktionshölle, denn wie sollte man ein Spiel, dessen Handlung darin besteht, dass ein moppeliger Südländer auf Pilze und Echsen springt, um eine Prinzessin aus den Fängen einer King-Kong-Imitation beziehungsweise später einer feuerspuckenden Echse zu befreien, auf die Leinwand bringen? Mario ist trotz seiner Körpermaße eben doch ein sehr flacher Charakter - nicht nur wegen der damals technisch möglichen Grafikleistung. Nach zahlreichen Drafts - unter anderem als Melodrama-Roadmovie mit dem Titel "Drain Man" - wurden schließlich Rocky Morton und Annabel Jankel, die auf MTV mit "Max Headroom" erfolgreich waren, engagiert. Es folgte mit "Super Mario Bros." ein wahnwitziger Fiebertraum, der durch seine seltsame Mischung aus Kinderfilm, Comedy und düsterer Terry-Gilliam-Dystopie zu einem beispiellosen Flop wurde, der seine eigene Zielgruppe verfehlte und mit seinem Grundmaterial eigentlich gar nichts zu tun hatte. 

 

Von Level zu Level im Turm zu Babel

Das Problem der Übersetzung eines Stoffes in ein anderes Medium kann schon bei Büchern eine enorme Herausforderung sein und das, obwohl diese ja bereits das Grundgerüst liefern. Ein 500 Seiten Schinken kann allein schon von seiner Länge her nicht vollends in einen zweistündigen Film gepackt werden. Auch kann ein Schreibstil nicht immer in eine passende filmische Ästhetik überführt werden. Und Filmemacher möchten in den meisten Fällen auch ihren eigenen Stil einbringen. "The Shining" (USA, 1980) gilt als ein Meisterwerk Stanley Kubricks und ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Horror-Filme. Buchautor Stephen King hasst jedoch Kubricks Version seines Romans, da sie stark von diesem abweicht. Noch größer ist diese Diskrepanz zwischen Spiel und Film. Denn insbesondere in den 1990ern hatten die meisten Games - abseits von Adventure- und textbasierten Games - keine oder nur eine sehr rudimentäre Story. Mario ist zwar eine ikonische Figur, aber sie ist rein zweckgebunden, um einen Protagonisten zu haben, den der Spieler durch ein Level steuert - mit dem Ziel, das Ende dessen zu erreichen.

Die Dramatik liegt dabei nicht in der Geschichte, sondern in der Möglichkeit des Scheiterns oder Meisterns, was wiederum weniger von dem Spiel als von dem Spieler abhängt - also letztlich der Interaktivität. Das schafft einige grundsätzliche Probleme. Figuren müssen charakterisiert, die Spielwelt erklärt und Spielmechaniken - wenn überhaupt möglich - in eine sinnvolle Handlung integriert werden, die auch filmisch und dramaturgisch funktioniert. Im Falle von Mario musste man also im Grunde bei null anfangen - schließlich kann ja nicht einfach ein Schauspieler 90 Minuten auf Schildkröten springen - es sei denn, das Ganze wird als ein unkommerzieller Experimentalfilm für das Abschlussprojekt einer Filmschulklasse im alternativen Avantgard-Kino konzipiert, die bei Club Mate den Handwerker als Repräsentant der Arbeiterklasse wahrnimmt, der im kapitalistischen Rennen gegen die Natur ankämpft...also im Grunde das, was Mario-Fans, abzüglich des Gehoppses, dann irgendwie doch tatsächlich 1993 vorgesetzt bekamen. 

Die Abwesenheit einer Geschichte in einem Spiel muss aber nicht zwingend bedeuten, dass eine filmische Adaption nicht funktionieren kann. 1995 erschien die erste Verfilmung von "Mortal Kombat" unter der Anleitung von Paul W. S. Anderson. Nun war das morbid-brutale Prügelgame wahrlich kein Pulitzer-Anwärter, aber allein vom Spielprinzip her doch einfacher fürs Kino aufzubereiten. Menschen mit spezifischen Fähigkeiten, sie sich in einem Turnier auf die Zwölf hauen, ist ironischerweise auch mit wesentlich weniger Kopfschmerzen verbunden als einen Plattformer als Realfilm hinzubiegen. Trotz einiger Schwächen - insbesondere hinsichtlich des Schauspiels und Drehbuchs - wurde die erste Verfilmung des Fighting-Games zu einem großen Hit. Viele Fans des Spiels waren jedoch auch hier unglücklich, dass die Adaption mitunter sehr stark vom pixeligen Original abwich. Es zeigt sich also, dass ein Spiel je nach Genre - vor allen Dingen aber auch Gameplay - mehr oder weniger für einen Film geeignet ist. Bei einem Buch ist diese Hürde kleiner, denn die Interaktion beim Lesen besteht im Entstehen des Filmes im Kopf des Lesers und auch dramaturgisch funktioniert ein Buch anders und normalerweise nach etablierten Grundprinzipien - allenfalls das Telefonbuch hätte wohl einen schweren Stand. Schaut man sich aber den aktuell ebenfalls laufenden Trend um Marken-Filme an, gibt es vielleicht schon bald nach "Gelbe Briefe" auch "Gelbe Seiten" auf der Berlinale. 

 

Der interaktive Film

Im Laufe der 90er entwickelten sich Spiele nicht nur technisch weiter, sondern der Plot wurde auch zu einem gewichtigeren Faktor. Allein Hideo Kojima schuf mit seiner "Metal Gear"-Reihe einen perfekten Hybriden aus filmischer Ästhetik und Handlung mit Gameplay. Umgekehrt wurde der Videospielmarkt auch für etablierte Film-Franchise als ein zusätzlicher Absatzmarkt und als Promotiontool wichtig, zum Beispiel für "Star Wars", dass auch viele beliebte Games hervorbrachte, die das filmische Universum in spielerischer Form fortsetzten und erlebbar machten. Trotz dieser Entwicklungen hatten Spieleverfilmungen - mögen sie mitunter auch erfolgreich an den Kassen gewesen sein - einen schweren Stand. Das lag auch daran, dass Hollywood nicht aus den alten Fehlern wirklich zu lernen vermochte. Spieleverfilmungen waren in erster Linie eine Möglichkeit, schnell mit einer beliebten (damals auch oft günstig erwerbbaren) IP Kasse zu machen. Dabei blickte die Traumfabrik oft argwöhnisch auf die neue Industrie und die Verantwortlichen hatten meist - wenn überhaupt - nur wenig Ahnung von Games. Im besten Fall kamen unterhaltsame B-Filme am Ende rum, etwa "Tomb Raider" (USA, 2001) mit Angelina Jolie, Paul W. S. Andersons Resident-Evil-Reihe oder einige von Uwe Bolls Filmen. Im schlimmsten Fall weder Fisch noch Fleisch - das also filmisch enttäuschte und zugleich auch nicht die Fans abholte, zum Beispiel "Doom" (USA, 2005).

Umgekehrt schafften es jedoch Spiele immer bessere, dramaturgische Konzepte aufzugreifen und Spiel und Story zusammenzubringen. Das ging soweit, dass manche Spiele fast eher animierten Filmen glichen und dafür aber an Interaktivität zugunsten der Handlung einbüßten. So beschränkt sich das Gameplay in stark handlungslastigen Spielen wie "Heavy Rain" (2010) auf das korrekte Knöpfe-Drücken und begrenzte Entscheidungsmöglichkeiten an festen Stellen. Im Falle wie dem kürzlich erschienen "Mixtape" (2026) macht es sogar keinen Unterschied, ob man spielt - das Spiel spielt sich selbst - man kann den seichten Nostalgietrip also auch als Film konsumieren. Umgekehrt gab es bereits in den 90ern als FMVs (Full Motion Video) erste Versuche, interaktive Filme als Spiel zu ermöglichen, damals entsprach dieser Versuch dank schlechtem Schauspiel und technischen Schwierigkeiten noch eher den filmischen Pendants. Dafür wurden die Darsteller vor einem Greenscreen in verschiedenen Posen und Bewegungen gefilmt und anschließend als Sprite in die animierte Gamewelt integriert, durch die sie gesteuert werden - dadurch hatte das Spiel einen realistischeren Stil. Einige Projekte wie "Wing Commander" konnten mit Schauspielern wie Mark Hamill auch große Namen für sich gewinnen. Ebenfalls zu erwähnen ist William Shatners "TekWar", basierend auf einem Roman des "Star Trek"-Kapitän. Der Shooter aus der Trash-Schmiede Capstone beeinhaltet Video-Zwischensequenzen, in denen Shatner den Spieler addressiert.

 

Replay

Während etablierte Franchise für den US-Filmmarkt - darunter Star Wars oder Marvel - an Zugkraft verlieren, scheint auch der Trend zu Spieleverfilmungen wieder aufzuflammen. Auch, da durch akkuratere Adaptionen überaus erfolgreich an den Kassen und im Streaming liefen - darunter die Neuafuflage von "Mortal Kombat" 2021 oder der Super-Mario-Bros-Film 2023 - der als Animationsfilm dann doch noch die Schande von 93 überwand. Amazons "Fallout" schaffte es wiederum, dass alte Adaptions-Problem zu lösen und eine eigene, gelungene Geschichte in dem Spieleuniversum zu erzählen, die zugleich auch Neulinge in diese einführt und so gleichermaßen allgemeine Zuschauer als auch Fans der Reihe abholte. Auch "Mortal Kombat 2" trifft bislang den Nerv der Fans- scheint aber beim allgemeinen Publikum noch nicht recht angekommen zu sein. Die diesjährige "Mario"-Fortsetzung wurde sogar kritisiert dass sie zu nah an den Spielen ist - und gar keine Handlung mehr hat, während Games immer mehr an Gameplay einbüßen - und beide für sinkende Qualität kritisiert werden. Film und Spiel sind sich so doch plötzlich wieder näher, als gedacht.   

 

Filme/Serien:

  • "Super Mario Bros." (USA, 1993) Regie: Rocky Morton/Annabel Jankel
  • "Mortal Kombat" (USA, 1995) Regie: Paul W. S. Anderson
  • "Tomb Raider" (USA, 2001) Regie: Simon West
  • "Resident Evil" (USA, 2002) Regie: Paul W. S. Anderson
  • "Doom" (USA, 2005) Regie: Andrzej Bartkowiak
  • "Far Cry" (CAN/DE, 2008) Regie: Uwe Boll
  • "Mortal Kombat" (USA, 2021) Regie: Simon McQuoid
  • "Super Mario Bros." (USA, 2023) Regie: Aaron Horvath/Michael Jelenic
  • "Mortal Kombat 2" (USA, 2026) Regie: Simon McQuoid 

 

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