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Mit diesem Schriftzug fing alles an... Netflix begann 1997 damit, Filme online zu verleihen

 

Der Streaming Riese wird den Kinofilm-Riesen wohl übernehmen und damit zu noch größerer Marktmacht gelangen. Nach früheren Dementis durch Netflix, beim Bieterwettkampf um die zum Verkauf stehenden Warner Bros teilzunehmen, ist es überraschend dann der Streamingriese, der für 83 Milliarden US-Dollar den Zuschlag erhielt. Zu den Bietern gehörte auch Paramount.

Die Warner Brothers wurde einst in den USA von vier aus Polen stammenden Brüdern, Harry, Albert, Samuel und Jack L. Warner als Kino und Verleihbetrieb gegründet und 1913 zur Produktionsgesellschaft. 1923 wurde das Filmstudio "Warner Brothers" gegründet. Sie waren es auch, die 1927 mit "The Jazz Singer" den ersten Tonfilm in die Kinos brachten.

 

Erschütterungen

Die Nachricht kommt einem Erdbeben in der Medienbranche gleich, weil damit eine unglaubliche Machtkonzentration verbunden ist und Netflix nicht gerade für hochwertige, kulturell bedeutsame Themenschwerpunkte bekannt ist. Im Gegenteil, das was den ursprünglichen DVD-Versandverleih (Videothek) und zum Online-Filmverleih gewandelten Konzern groß gemacht hat, waren die Algorithmen, die ermittelt haben, welchen Geschmack die Mehrheit der Kunden hatten. Das Prinzip führt zu stromlinienförmigen, möglichst massentauglichen Produkten, gut für die Aktionäre, schlecht für die kreative Vielfalt. Als Auftraggeber von Produktionen ist Netflix dafür bekannt, inhaltliche und gestalterische Wünsche nicht mit den Kreativen zu besprechen, sondern ohne jede Diskussionsmöglichkeit per "to do Listen" zu diktieren.

Zu Warner Bros. gehört auch der Streamingdienst HBO, der Nachrichtensender CNN und der Discovery Channel. Die beiden Letztgenannten sollen wohl nicht zu dem Übernahmepaket gehören. Faktisch bedeutet dies, dass Netflix mit Warner Bros eine der wertvollsten Rechtebibliotheken (Harry Potter) und mit HBO einen attraktiven Konkurrenten ("Sopranos", "Game of Thrones", "The Last of Us“, "Succession“ etc.) übernimmt. Gleichzeitig besitzt Netflix damit weitere große Studios und wird als Produktionshaus noch weniger auf externe Firmen angewiesen sein.

 

Mögliche Folgen

Zudem könnte eine solche Marktmacht dazu führen, dass Netflix die Kinoverwertung künftiger Produktionen spürbar einschränken wird, schließlich ist Streaming das Geschäftsmodell. In den USA hat sich bereits eine Gruppe von Filmproduzenten an US-Politiker gewandt diese aufgefordert, sich gegen die Übernahme zu stellen. Würden Kartellbehörden das tun, wofür sie eingerichtet wurden, wäre dies gar nicht erst nötig. Doch beim aktuellen politischen Klima in den USA mit der kritiklosen Förderung von Monopolkonzernen dürfte dieser Versuch wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Netflix verspricht sich von der Zusammenführung der Unternehmen langsfristig Einsparungen. Ob diese an die Kunden weitergegeben werden, ist zu bezweifeln, es drohen wohl eher Preiserhöhungen, die dann durch das größere, um HBO und Warner Filme erweiterte Programmangebot begründet werden. Die erhofften Einsparungen funktionieren mit hoher Wahrscheinlichkeit so, dass man Arbeitsplätze reduzieren, die Gehälter drücken, die Arbeitsbedingungen für Medienarbeiter verschlechtern und die Anzahl und die Vielfalt der Inhalte für alle Zuschauer verringern wird. Bereits jetzt sind es erschreckend wenige Unternehmen, welche die Kontrolle darüber haben, was die Menschen in den Kinos und auf ihren Bildschirmen zu sehen bekommen.

Die Medienwelt wird durch diesen Deal jedenfalls kräftig aufgerüttelt. Welche spürbaren Konsequenzen dieser Deal,- so er denn durch die Kartelbehörden genehmigt wird, ganz konkret und im Einzelnen haben wird, wird sich zeigen. Eine derartige mediale Machtkonzentration wird, das lässt sich jetzt schon einschätzen, zu Entlassungen, zu Veränderungen im Kinobusiness und zu weniger Vielfalt führen.

 

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