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Die Streamer, aber auch die immer größeren und besseren Flatscreens für Zuhause haben die Filmwelt massiv verändert

 

Streaming und Filmkultur: Wie legale Streaming-Seiten die Filmwelt verändert haben. Es geschah nicht über Nacht, sondern eher schleichend aber dafür umso weitreichender,- aus ehemaligen DVD-Verleihern, Anbietern von Download-Videos oder Medienverlagen wurden Streaming-Anbieter. So viele Jahrzehnte wurde es als gesetzt und unverrückbar empfunden: Die Auswertung von Filmen im Kino, später auf DVD und BluRay sowie im Fernsehen, wurde von den zunächst nur als ergänzende Vertriebswege eingeführten Streamern komplett verändert.

Ganz neue Gesetzmäßigkeiten haben dadurch in der Filmproduktion, der Verbreitung (Distribution) sowie der Wahrnehmung (Rezeption) entwickelt, welche neben dem Publikum vor allem auch Filmschaffende, Kinos, Filmproduktionsfirmen, aber auch Fernsehsender betreffen.

 

Bedeutungsverlust Illegaler Quellen

Früher hatten illegale Filmseiten eine gewisse Attraktivität, weil Filme oft schwer zugänglich waren, weil es oft Jahre dauerte, bevor sie nach der Kinoauswertung auf DVD erschienen. Auch waren DVDs teilweise sehr teuer. Andererseits war die Qualität der Videos häufig schlecht und man hatte mit Pop-ups, Viren, Malware oder auch Fake-Downloads zu kämpfen.

Durch legale Streaming-Angebote hat sich das grundlegend verändert. Häufig erscheinen Filme gleichzeitig in Kino und auf den Plattformen oder nur mit geringer Verzögerung. Serien kann man bequem und vor allem vollständig abrufen und die Qualität ist hochwertig. 4K Auflösung, HDR oder auch Dolby Atmos auf der Tonseite sprechen für sich.

Der schnelle, problemlos Zugriff auf ein riesiges Programmangebot ist ungleich komfortabler als sich mit den Risken und Unsicherheiten illegaler Seiten herumzuschlagen. Legale Streaming-Anbieter kann man klar erkennen.

 

Woran erkennt man legale Streaming-Seiten?

  1. Klares Impressum und nachvollziehbare Betreiberinformationen
  2. Offiziell lizenzierte Inhalte
  3. Hochwertige Bildqualität ohne urheberrechtliche Grauzonen
  4. Übersichtliche Geschäftsmodelle wie Abos oder Einzelkäufe

Die Filmpiraterie als Geschäftsmodell ist längst von den Streamern abgelöst worden, weil die Vorteile der schnelleren Verfügbarkeit weggefallen sind und man die Filme und Serien sicherer und in besserer Qualität anschauen kann. Illegale Plattformen bergen dagegen erhebliche Risiken – von rechtlichen Konsequenzen bis hin zu Malware oder Datenmissbrauch.

 

Neues Sehverhalten

Gegenüber Kino und Fernsehen haben die legalen Streaminganbieter Programminhalte aus den starren Vorgaben von Kino,- und Fernsehprogrammen befreit und ermöglichen es, jederzeit und ortsunabhängig überall wo es Internet gibt, Filme und Serien frei auszuwählen. Damit ist die Auswahl deutlich individueller geworden, besondere Vorlieben oder Spezialisierungen können besser berücksichtigt werden. Was die Serien angeht, so hat sich eine völlig neue Variante der Rezeption entwickelt, das Binge-Watching, das Anschauen mehrerer Folgen nacheinander. Die Beliebtheit dieser Art des Serien-Konsums beeinflusst inzwischen sogar spürbar die Dramaturgie und Erzählweise von Serien.

So sind die seriellen Formen viel stärker von erzählerischer Offenheit, Wiederholung und langfristigen Figurenentwicklungen geprägt, fortlaufende Erzählungen über Folgen und Staffeln hinweg erfreuen sich großer Beliebtheit. Das macht auch andere Formen der Spannungserhaltung erforderlich.

 

Neue Produktionswege

Längst sind die Streamer nicht mehr nur einfach Abspielstätten. Sie sind zu eigenständigen Produzenten geworden, geben Filme und Serien in Auftrag, die es so in den etablierten klassischen Medien wie Kino und Fernsehen nie gegeben hätte. Durch internationale Koproduktionen, aufwändige Serienformate und kurze Entwicklungsphasen entstehen innerhalb kurzer Zeit international erfolgreiche Filme und Serien. Die Entscheidungen für bestimmte Stoffe, Besetzungen etc. sind dabei zumeist datenbasiert,- die Streamer kennen durch präzise Auswertung des User-Sehverhaltens den Geschmack und die Interessen ihrer Kunden genau.

 

Konsequenzen für das Kino

Die bisherigen Auswertungsketten funktionieren nicht mehr so wie früher. Im Kino funktionieren aufwändige Mainstream-Filme (Blockbuster) nach wie vor, doch Arthouse und kleinere Produktionen haben es immer schwerer. Das Anschauen von Filmen nach eigener Auswahl auf dem eigenen Flatscreen ist oft bequemer, preiswerter und zeitsparender. Weil die Streamer Filme immer früher ins Angebot heben möchten, werden die alten Auswertungs-Zeitfenster immer kürzer. Kinobetreiber und Filmverleihe haben es schwerer als ohnehin schon, sie müssen nach neuen Wegen suchen, müssen auf kuratierte Reihen, Event-Vorstellungen, Schul-Vorführungen und anderes ausweichen.

 

Filmschaffende

Durch die neuen Vertriebswege bieten sich für einige Filmschaffende durchaus neue Abspielwege. Vor allem ist für sie der Weltmarkt leichter zugänglich, lokale Produktionen können über Streaminganbieter in der ganzen Welt sichtbar werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Deutsche Regisseur Edward Berger, der mit seiner Neuverfilmung von Im Westen nichts Neues (2022) da diese mit Netflix einen amerikanischen Produzenten hatte, einen Oscar gewann und so eine Weltkarriere gestartet hat. Andererseits bewirken der größere Wettbewerbsdruck und die Macht der Algorithmen natürlich auch, dass leisere und kleinere Geschichten möglicherweise durch das Raster fallen.

 

Veränderungen

Auf jeden Fall hat das Streaming die Medienwelt gründlich verändert, hat die Gestaltung von Filmen verändert, neue Serienformate mit längeren horizontalen Handlungsbögen und episodischen Strukturen hervorgebracht und nicht zuletzt lokale Inhalte in weltweite Märkte hinausgetragen. Damit hat Streaming die Film,- und Medienwelt deutlich verändert und erweitert und die etablierten Strukturen vor neue Herausforderungen gestellt. Die Zuschauer profitieren von dem breiteren Angebot und der freien Auswahl der gewünschten Programme.

 

Rainer Berghoff (Externer Beitrag)

 

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