Filmkultur

  • Geschichtliches

    Historisch betrachtet gehörte Blau zu jenen Farben, die man bereits relativ früh und auf einfache Weise zum Färben von Textilien verwenden konnte. Natürliche Farbstoffe, die aus Pflanzen gewonnen wurden (Indigo, Färberwaid) und erst bei der Trocknung ihre Farbe entwickelten, führten zu einer weiten Verbreitung blauer Kleidungsstücke ab dem Spätmittelalter.

     

    Blau in der Architektur

    Kühles Blau erzeugt in der Architektur Weite

     

    Während des Mittelalters das teure und schwer zu beschaffende Rot (gewonnen aus der Purpurschnecke) als Farbe der Könige, des Adels galt, war Blau die Farbe der einfachen Leute, der Bediensteten. Auch nach dem Aufkommen künstlicher Farbstoffe, Ende des 19. Jahrhunderts, wurde Blau als Farbe der Arbeiter etwa in blauen Arbeitshosen weitergeführt. Dass aus den blauen Nietenhosen einmal die Weltkleidung Jeans werden sollte, ahnte niemand.

     

    Kulturelle Einflüsse

    In der Kunst, insbesondere der Literatur, wird Blau gerne mit Sehnsucht, mit Ferne, Unendlichkeit, Reinheit und Weisheit verknüpft. Die Assoziation mit dem Meer, dem Himmel und der Luft spielt hier gewiss eine Rolle. Das Wasser als Lebensspender, insbesondere in wasserarmen Regionen, beschert dem Blau die Verknüpfung mit dem Ursprung des Lebens. Auch Begriffe wie Urzeit oder Eiszeit werden mit Blau in Verbindung gebracht.

     

    Leyla telefoniert auf dem Bett

    Leylas Zimmer als Raum des Rückzugs, der Isolation - Szenenbild aus 'Liebe, Leben, Tod' Kamera: Jörg Widmer, Ausstattung: Edenhofer & Brunner

    In der Antike wurden bei den Ägyptern die Götter des Himmels blau dargestellt. In zahlreichen Gemälden wird Maria in einem blauen Gewand abgebildet, vermutlich als Zeichen der Unschuld und Reinheit. Heute wird Blau bei Lebensmittelverpackungen gerne als Garant für Frische und Sauberkeit eingesetzt. Blau gilt in unserem Kulturkreis auch als Farbe des Geistes, Denkens, der Fantasie, des Traumes. In einigen Regionen Mexikos tragen junge Bräute hinter den Ohren einen kleinen blauen Farbtupfer. Romantik, Verträumtheit, Einsamkeit, Ferne, Philosophie oder Wissenschaft kann man mit Blau unterstützen.

     

    Doch es gibt auch negative Belegungen: Wir beurteilen den Zustand von Nahrungsmitteln, aber auch von Menschen nicht zuletzt anhand von Farben. Schimmel, Verdorbenes, blaues Licht lässt die Menschen eher blass und kränklich erscheinen.

     

    Wirkungsweise

    Blaue Farben wirken auf uns eher kühl und dunkel, zugleich auch schwer und von ihrer räumlichen Anordnung eher entfernt. Werden etwa gleichgroße Quadrate in Rot, Grün und Blau nebeneinander aufgestellt, empfinden wir das Blaue stets als weiter hinten liegend und das Rote als ganz vorne. Es schafft damit Distanz, schafft Ferne, insbesondere in der Architektur, und damit natürlich auch in der Filmausstattung, wird mit diesem Phänomen gearbeitet.

    Blaues Polizeilicht

    Die Wirkungen von Blau sind vielschichtig und was Herzschlag oder vasomotorischen Reflex betrifft, medizinisch nachweisbar.

     

    Wir ordnen ihm auch Begriffe wie Weite und Unendlichkeit zu. Auch das eigentlich schwarze Weltall wird gerne in Abbildungen und Filmen bläulich dargestellt. Dass Blau eine beruhigende Wirkung hat, zeigten auch Versuche mit Rennpferden, die nach einem Rennen in unterschiedlich angestrichene Boxen gebracht wurden. Die Pferde, die in eine blaue Box gebracht wurden, beruhigten sich am schnellsten. Atmung und Herzschlag werden auch beim Menschen durch Blautöne beruhigt. Blau wird auch mit Harmonie, Sympathie, Vertrauen und Ehrlichkeit in Verbindung gebracht. Zudem werden viele positive Eigenschaften wie Klugheit, Weisheit, Phantasie, Mut und Konzentration mit Blau assoziiert.

     

    Filmbeispiele:

    SUSPIRIAvon Dario Argento

    Der Film ist eine leicht trashige, aber zugleich beeindruckende psychedelische Farberfahrung, in welcher Blau neben Rot die Hauptrolle spielt.  Die Bilder wirken irreal, traumhaft, beinahe wie Halluzinationen.

     

    DREI FARBEN: BLAUvon Krzysztof Kiechlowski

    In dem Film werden durch Blau verdrängte dunkle Erinnerungen der Hauptfigur Julie repräsentiert. Ein tiefblaues Schwimmbecken, aber auch eine Deckenlampe mit blauen Kristallen sind Träger dieser Farblinie.

     

    FLIGHTPLANvon Robert Schwentke

    Blau wird in diesem Film eingesetzt, um die Kühle, die Weite aber auch die Todesdrohung zum Ausdruck zu bringen. Zahlreiche Farbkombinationen, die beinahe monochrom wirken, haben wie ein Leitmotiv die Farbe Blau variiert. Sie geben dem Film zugleich eine kühle, edle visuelle Ausstattung.

     

    MINORITY REPORTvon Steven Spielberg

    Silbergrau und Blau - dies sind Farbtöne die häufig schon in Science-Fiction-Filmen ("Solaris", "2001", "Blade Runner") die Zukunftstechnik repräsentiert haben. Doch in "Minority Report" wird diese Farbstellung sehr düster und rauh eingesetzt und schafft so eine Grundstimmung des Vergeblichen, der Hilflosigkeit gegenüber dem totalitären Überwachungssystem.

     

    FRANTAvon Mathias Allary

    Ob in den Kostümen, den Gemälden, der Lichtführung oder der Ausstattung: Die Farbe Blau spielt eine wichtige Rolle in der Farbdramaturgie des Films. Sie symbolisiert Distanz, Kälte, Einsamkeit bis hin zum Erlösungsmotiv gegen Ende des Filmes.

     

    Szene aus Franta

    Blau als Farbe der Erlösung in "Franta"

     

  • Eigentlich wollen sie Drehbücher formal optimieren, von Ballast befreien. Doch das geht häufig schief.

  • Urteil zum Filmförderungsgesetz

     

    UCI (United Cinemas International) ist eines der größten Kinounternehmen weltweit und klagt schon seit Jahren gegen die deutsche Filmförderung. Am 28. Januar 2014 nun wurde in Karlsruhe vom zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts auf der Grundlage der mündlichen Verhandlung vom 8. Oktober 2013 ein Urteil gesprochen.

     

    Das Wichtigste vorab: Das Bundesverfassungsgericht hat die Klage von UCI abgewiesen, wodurch die finanzielle Basis der FFA auch künftig gesichert ist.

     

    Worum ging es in dem Prozess?

    Hintergrund ist, dass Kinobetreiber für jede verkaufte Eintrittskarte drei Prozent der Einnahmen an die Filmförderungsanstalt (FFA) abführen, welche hauptsächlich der Produktion deutscher Filme zugute kommen.

     

    Da die UCI, die nach eigenen Angaben vorwiegend amerikanische Blockbuster spielen und keinerlei Interesse an einer Förderung des deutschen Filmes hat, nach amerikanischem Prinzip wirtschaftlich denkt und handelt, möchte sie diese Abgaben in Zukunft nicht mehr tätigen, um den eigenen Gewinn zu maximieren. 

     

    Um dies durchzusetzen haben UCI Anwälte diverse Argumente vorgetragen, unter anderem, dass kulturelle Förderung nicht Bundessache, sondern Ländersache sei, die FFA ist aber eine bundesweite Einrichtung.

     

    Was steckt dahinter?

    Allerdings wird von den Amerikanern der Unterschied des deutschen zum amerikanischen Kino-Geschäft aus den Augen gelassen. Im Gegensatz zur USA haben die deutschen Produzenten bei Weitem nicht die finanziellen Mittel und können vergleichsweise  nicht so großzügig mit der Erfolgsquote umgehen.

     

    Zudem gibt es einen großen Unterschied im Hinblick auf das Kino Publikum. Während in den USA ein Film aufgrund der Milliarden Zuschauer leicht finanziert werden kann, wird in Deutschland um jeden Kinobesucher hart gekämpft. Der deutsche Sprachraum ist viel zu klein um in der kurzen Zeit, die heute einem kleinen Independent-Film im Kino eingeräumt wird, ausreichend Gelder zu generieren.

     

    Vergleicht man die Situation in Deutschland mit den Nachbarländern, so glänzt vor allem Frankreich mit einer deutlich höheren Kinoabgabe in Höhe von 11 %. Hier zahlen auch nicht nur die Kinobetreiber und Fernsehanstalten sondern auch die Filmexporteure, die in Deutschland bisher von diesen Abgaben verschont geblieben sind. Letzteres wird ebenfalls von UCI beanstandet.

     

    Verlust an Kinokultur?

    Die meisten Branchenvertreter, also die Vorsitzenden der verschiedenen Verbände haben sich unisono dahingehend geäußert, dass ein Wegfall der Kinoabgabe zu einem Zusammenbrechen der Filmkultur führen würde. Diese Aussage zumindest muss man differenzierter betrachten. Von der FFA die durch einen Wegfall betroffen wäre, werden mehrheitlich größere, teurere Produktionen gefördert, Filme, die häufig auch an der Kinokasse Gewinne machen. 

     

    Die Behauptung, dass dieser Teil der Filmkultur dann gänzlich weggefallen wäre, sollte man überprüfen. Man kann davon ausgehen, dass Schweiger, Schweighöfer und Co auch ohne diese Unterstüzung weiterhin Filme gemacht hätten. Sicherlich wird von der FFA ein gewisser, vergleichsweise aber nicht so großer Anteil auch kleinerer deutscher Filme gefördert, doch die wirklich kleinen, unabhängigen Produktionen werden eher von den Länderförderungen oder dem BMI und dem Kuratorium junger deutscher Film unterstützt. Zumindest für die ändert das Urteil letztlich nicht viel.

     

    Das Urteil

    Obwohl genau dieses Thema bereits 2009 im Bundesverfassungsgericht behandelt wurde und die Klage der UCI erfolglos war, versuchte das Kinounternehmen nun noch einmal sein Glück.

     

    Die UCI argumentierte immer wieder mit der Tatsache, dass Kulturförderung Ländersache sei und sie an der Förderung deutscher Filme kein wirtschaftliches Interesse haben.

    Doch hat es nicht etwas mit Solidarität, Kultur und der Geschichte zu tun, Deutschland weiterhin die Produktion eigener Filme zu ermöglichen? Ist es legitim Deutschland die Möglichkeit zu nehmen, ihre eigene Kultur mit ihren Menschen und Geschichten auf der Leinwand zu produzieren?

     

    Die Bundesverfassungsrichter argumentieren in ihrem Urteil vor allem auch damit, dass gerade im Jahr 2004, als der Streit zwischen UCI und der FFA begann, der Anteil deutscher Filme im Kino 23,8 % betrug, also eine Größe hatte bei der man nicht sagen kann, dass die Kinobetreiber kein wirtschaftliches Interesse am deutschen Film hätten.

     

    Vielleicht hat der Prozess dennoch eine gewisse Nachdenklichkeit eingeleitet, auch darüber, weshalb in den deutschen Fördersystemen die Fernsehsender so eine unglaublich große Entscheidungsmacht bekommen haben. In anderen Ländern wäre eine solche Machtfülle ausgerechnet für das Fernesehen, undenkbar.

     

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