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Kaufpassage

 

Wie verkauft man Waren effektiver? Ein schmerzfreier Überblick über die wunderbare Salesmaschiene Internet

Es ist schon beeindruckend, wie sehr die moderne digitale Welt auf unsere analogen, tief in der Kindheit gewachsenen und in zahllosen Kinofilmen und Verbrauchertippsendungen gefestigten Bilder zugreift, um uns Dinge zu verkaufen, die wir gar nicht brauchen.

Da wird etwa das Bild des Warenlagers bemüht, jene fensterlosen Hallen mit riesigen Regalen, in denen Waren liegen, die, wenn Neuware kommt, Platz machen müssen und im Ausverkauf verbilligt abgegeben werden, bevor sich eine dicke Staubschicht über den Verpackungen bildet.
Besonders gerne genutzt wird dieses Bild, wenn etwa Software oder Hörbücher, die im Download vertrieben werden, per „Lagerräumung" zum Sonderpreis abgegeben werden.

Diese armen Lageristen, die ihr „Hörbuchlager" räumen müssen. Ein schlimmer Gedanke, all diese hohen Regale mit gestapelten Kilo,- und Megabytes. Ich dachte immer, dass da lediglich eine Datei auf dem Server abgelegt ist und vielleicht noch eine weitere auf einem Mirror-Server, von denen dann beliebig viele Downloads kostenpflichtig gezogen werden können. Aber dass die ihre Dateien für jeden potenziellen Kunden einzeln als Kopie auf ihren Festplatten vorrätig halten, tausendfach und mehr, wirft natürlich ein ganz anderes Licht auf die Handelshäuser. Da muss man doch fast helfen, damit die ihre Lager leer kriegen, oder?

Wie mag es da erst jenen Unternehmen gehen, die noch echte Waren und nicht nur Datenfiles in ihren Lagern stapeln? Auch sie könnten kaum überleben ohne jene Angst, die wir verspüren, wenn „Angebote bald enden".
Nicht auszudenken, wenn wir zu spät zugreifen, es versäumen, den Moment verpassen. Diese schale, ja betrübliche Gefühl der Vergeblichkeit, was uns überkommt, wenn wir das um 15 % rabattierte akkubetriebene Shiatsu Massagekissen oder die sogar um 25% reduzierte doppelgenähte graue Filzhülle für die Schlagbohrmaschine nicht erringen konnten, ist niederschmetternd. Es gibt im Leben solche Momente, schmerzhaft und gar nicht leicht zu überwinden.

Eine minimale Chance zur Schmerzreduzierung bietet das kurzzeitige Wechseln auf eine andere Verkaufsplattform, manchmal, mit viel Glück, laufen die dortigen Angebote ja länger. Und tatsächlich,- da steht es das ersehnte Zauberwort: Deal! Die WC-Sitze mit Absenkautomatik sind nur noch heute um 50% reduziert. Das ist praktisch die Hälfte. Halber Preis quasi. Ich kriege die andere Hälfte g e s c h e n k t. Ach so, der passende Montageschlüssel kostet noch mal 14,95 € zusätzlich und ist nicht rabattiert, einen Moment lang läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Für das akkubetriebene Shiatsu Massagekissen hätte ich keinen Montageschlüssel gebraucht. Das sind die Fakten.

Als Premium-Kunde hätte ich das Angebot 30 Minuten vor den anderen Kunden bestellen können, aber jetzt ist es zu spät. Hinterher Jammern bringt gar nichts. Hat es auch noch nie. Auch früher nicht bei den Schlussverkäufen in der Fußgängerzone. Vielleicht habe ich morgen mehr Glück. Sonst weiß ich möglicherweise gar nicht mehr weiter. Auch wegen der Gutscheine, ich hab ja noch Rabatt-Gutscheine, die in Kürze verfallen.

Was ? Homeshopping im Fernsehen gibt es auch noch? Ein Hoffnungsschimmer flutet zunächst zaghaft, dann immer nachdrücklicher den gerade eben noch grau verhangenen Raum...

 

Weitere Filmgedanken:

 

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