
Regie: Mees Peijnenburg
Drehbuch: Bastiaan Kroeger, Mees Peijnenburg
Hauptdarsteller: Celeste Holsheimer, Finn Vogels, Livia Lamers, Pieter Embrechts, Carice van Houten
2026 - Niederlande/ Belgien - Drama -
100 Minuten
Der Film lief in der Reihe "Berlinale Generation 14plus"
Was macht es mit den Kindern, wenn eine Familie zerbricht? Wenn sich die Eltern nur noch anschreien und an den Kindern herumzerren, um sie auf ihre Seite zu ziehen. In A Family wird diese Frage sehr gründlich und vor allem sehr differenziert durch dekliniert. Einer der wenigen Filme, die in 4:3 daher kommen, dem alten Kino,- und Fernsehformat, welches dem Raum wenig Entfaltungsmöglichkeiten gibt, dafür aber eine große Dichte zu den Menschen herzustellen vermag.
Die beiden Kinder, Tochter Nina und Sohn Eli, werden zu Beginn des Filmes von einer Jugendrichterin befragt zur aktuellen Situation in der Familie. "Ich will nicht dass sie sich streiten. Es macht mir Angst. Wenn ich bei Mama bin, vermisse ich Papa und umgekehrt" meint der Junge. Und dann begleiten wir erst aus der Perspektive der Tochter und dann aus der des Sohnes die Kinder und die ganze Familie, erleben deren Zerissenheit, erleben, wie sich die Eltern, weil sie selbst zutiefst verletzt sind, auch gegenseitig weiter verletzen. Und immer sind die Kinder dabei und erleben die Unfähigkeit der Erwachsenen, mit dem Scheitern einer Liebe umzugehen, als Opfer mit. Dabei hat die 17 jährige Tochter Nina ganz andere Themen und Konflikte, als ihr 14 jähriger Bruder Eli.
Regisseur Mees Peijnenburg hat seinen Figuren genau die Freiräume gegeben, die es brauchte, um starke, authentische Situationen zu generieren. Manches ist improvisiert, wodurch die Schauspieler stets in der Situation sind. Mit Carice van Houten und Pieter Embrechts hat der Regisseur zwei renommierte Schauspieler besetzt, die sich trotz ihres Bekanntheitsgrades darauf einlassen, sich neben den Kindern zurückzunehmen, viel weniger Face-Time zu bekommen als diese. Celeste Holsheimer und Finn Vogels verkörpern die Scheidungskinder hervorragend.

Die herausragende Kamera (Jasper Wolf) schafft es, intuitiv, behutsam und emotional sehr dicht bei den Kindern zu bleiben, oft kadriert sie gegen alle Regeln und setzt die Protagonisten direkt an den Bildrand, was ihnen jeglichen Talking-Room nimmt und damit eine gewisse Gefangenheit in der Situation visualisiert. Das Licht wirkt stets authentisch und glaubwürdig, die Kamera schafft es, dass die Gesichter der beiden Kinder so viel über ihr Innerstes mit erzählen. Manchmal kommen die Erwachsenen nur in der Unschärfe oder sogar nur als Stimme aus dem Nebenraum vor, ein sehr konsequentes Konzept, das seine Wirkung nicht verfehlt. Auch das Sound-Design (Arnout Colaert) und die Filmmusik (Annelotte Coster) sind sehr behutsam und äußerst stimmig eingesetzt.
Gegen Ende des Filmes wird der Junge von einer Jugendrichterin gefragt, wie es ihm geht. Die darauf folgende sehr lange Nahaufnahme von Eli (Finn Vogels) gehört zu den ganz großen Momenten des Films. Und die Kinder finden einen eigenen Weg mit dem emotionalen Chaos umzugehen. Ein starker, berührender Film mit einem überzeugenden Erzählansatz, der unter die Haut geht.
Gesehen von Mathias Allary
Der Film erhielt von der Generation 14plus Jury der Berlinale eine lobende Erwähnung.
Unsere Interviews mit Pieter Embrechts und Mees Peijnenburg demnächst hier im Movie-College

