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So viele Dinge, die wir heute im Fernsehen sehen, sind anderen Kunstformen oder gesellschaftlichen Ereignissen entliehen. Menschen gehen seit Jahrtausenden ins Theater, beobachten Sportveranstaltungen, hören singenden oder lesenden Menschen zu. Beinahe Alles was über die Bildschirme flimmert, lässt sich aus vorhandenen Kulturvarianten ableiten. Aber eben nicht alles. Zu den ganz wenigen Dingen, die nicht in unserer vorprivatsenderlichen Tradition verankert waren, gehören Kochsendungen.

Ohne Zweifel, Essen ist wichtig. Dass Menschen essen gehen und sich gerne gut bewirten lassen, ist eine uralte Kulturleistung, doch dass sie anderen dabei zuschauen müssen, wie sie das Essen zubereiten und hin und wieder den Kochlöffel abschlecken, kommt nirgendwo in keiner noch so abwegigen Überlieferung oder aktuellen Kultur vor. Wer beim Kochen zuschauen musste war entweder Küchenhilfe oder Salatwäscher. Das man aus anderen Gründen zusieht gibt es wirklich nur im Fernsehen und dies in besonderer Heftigkeit im deutschen TV.

So viele Menschen wie bei uns im Fernsehen angeblich gesund kochen, gibt es, auf die Anzahl der Bewohner umgerechnet, nirgendwo auf der Welt, angeblich sind es um die 90 Kochsendungen die den deutschen Zuschauern so um den Mund geschmiert werden. Und natürlich kochen nicht nur Köche, sondern auch B,C und D Prominente, in Kuppelsendungen wird ebenfalls gekocht oder man testet genüsslich C,D oder E Restaurants. Abgesehen davon, dass die allerwenigsten Zuschauer sich durch die Köchelstunden bemüßigt fühlen, anders, gesünder oder besser zu kochen, verstopfen diese kostbare Sendeplätze an denen früher hochwertiges Programm gesendet wurde, von den verschwendeten Budgets ganz zu schweigen. Und damit einen der Horror noch nachhaltiger erwischt, meandrieren die Kochgestalten natürlich reihum durch sämtliche Talkshows.

Selbst die wenigen Kulturkanäle wie arte (Sarah Wiener "abenteuert hier kulinarisch durch die Welt") oder 3Sat (Wini Brugger ist dort auf "kulinarischer Entdeckungsreise" in der Welt unterwegs) opfern im Falle von arte gerne auch mal 30 Sendeplätze (Wiederholungen inbegriffen) in einem Monat für Frau Wiener und bei 3Sat immerhin 10-20 jeweils halbstündige Termine auf den Opfer-Herden dieser Welt.

Würde Filmkultur hierzulande mit ähnlicher Aufmerksamkeit bedacht, stünden die Chancen nicht schlecht, dass Fernsehen wieder mehr geschaut würde, solange man aber in unzähligen Sendungen tatsächlich permanent aufgezählt bekommt, welche Zutaten in irgendwelche Kübel geschüttet und wie lange erhitzt werden, kann man das einstige Leitmedium getrost vergessen.

 

Weitere Filmgedanken:

 

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