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Floorplan 1 4000

Im Grunde genommen ähneln die Film-Floorplans denen der Architektur und Innenarchitektur, sie haben allerdings zusätzliche Symbole und Funktionen

 

Es gibt höchst unterschiedliche Herangehensweisen an die Vorbereitung einer Szene. Wir wollen an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es auch Konstellationen gibt, wo Regie und Kamera gar keine dezidierte Auflösung machen, sondern jeweils am Drehtag vor Ort entscheiden, wie die Szenen aufgelöst werden. Bei einfacheren, routinierteren Formaten wie TV Reihen und Serien ohne Einsatz von CGI Ergänzungen ist das durchaus möglich, hier arbeiten eingespielte Teams oft über längere Phasen zusammen und man verwendet keine komplexe Kameraführung.

Bei aufwändigeren, anspruchsvolleren Projekten läuft das in der Regel aber anders, hier setzen sich Regie und Kamera nach erfolgreicher Motivsuche und vor dem Beginn der Dreharbeiten zusammen und besprechen die Auflösung jeder einzelnen Szene des Filmes gemeinsam und notieren sich dies im Drehbuch (Regie) sowie in einem Floorplan und einer Shotlist. Das ist natürlich erst dann möglich, wenn man die Räumlichkeiten oder Orte kennt, an denen man drehen wird. Ein hilfreiches Tool um sich die Auflösung in der jeweiligen Location vorstellen zu können, ist ein Floorplan (Grundriss). Natürlich gibt es eine ganze Reihe anderer, dreidimensionaler oder artifizieller Varianten der Previsualisierung, wie etwa das Storyboard, doch die sind deutlich zeitaufwändiger.

Wer also eine inszenierte Szene im Vornherein planen möchte, kann dies in Form eines solchen Floorplans tun. Darunter versteht man eine Art Set-Grundriss oder Set-Layout, also eine grafische Skizze der verschiedenen Räume bzw. des jeweiligen Filmsets. Man schaut also auf den jeweiligen Raum oder Ort aus der Vogelperspektive, also in einer Aufsicht, so wie man es auch beim Planen von Inneneinrichtungen oder Küchen kennt. Es werden also grob Wände, Türen, Fenster, vorhandene Möbel, Requisiten und sonstige wichtige Elementen eingetragen.

Auf diese Weise lässt sich die räumliche Organisation des Sets visualisieren, ein nützliches Hilfmittel für die Regie, die Kamera, die Ausstattung und andere Teammitglieder. Aber der Raum ist natürlich nicht alles, sondern eigentlich nur der Rahmen für die eigentliche Planung der Szene. Der Floorplan hilft, Kamerapositionen, Beleuchtung, Gänge und Positionen von Schauspielern und Requisiten zu planen und Achsensprünge zu vermeiden. Natürlich kann man so einen Floorplan ganz simpel von Hand zeichnen oder mithilfe von Programmen oder Smartphone Apps visuell perfekter erstellen.

Wir erklären Euch, wie das funktioniert. Auch wenn man noch so erfahren ist, manchmal hilft es einfach, Raum, Personen und Kamerapositionen in einer simplen Zeichnung festzuhalten und zu überprüfen, ob die Achsen stimmen und ob man alle Richtungen gut bedacht hat.

 

Grafikprogramme

Man sollte sehr gut abwägen, wie viel einem der professionelle Look wert ist. Man kann nämlich ziemlich viel Zeit da hinein versenken, mit Hilfe klassischer Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder Corel Draw Floorplans zu entwerfen. Denn es reicht nicht, mit dem Rechteck-Tool einen Raum zu umreißen und vielleicht mit dem Radierer die Türen und Fenster wegzunehmen und mit dem Linien-Tool dann Türen oder Fenster anzudeuten. Man braucht vielleicht auch Möbel, Tische, Stühle, vielleicht auch im Raum befindliche andere Elemente wie Pflanzen oder auch Lampen. Und dann sind da noch die Kamera, die Filmfiguren und vielleicht möchte man auch gleich noch die Scheinwerfer für die Lichtrichtungen mit festhalten. Und schon hat man ein paar Stunden an dem Floorplan für eine eine einzelne Szene gesessen.

Dabei kommt es doch eigentlich nur darauf an, dass man für die Beteiligten festhält, wie man sich die Szene denkt, viel wichtiger wird dann die tatsächliche Umsetzung am Drehort sein. Für diese Methode muss man sich einige Symbole als PNG mit Alphakanal erstellen, etwa für Schauspieler, für die Kamera, für harte Scheinwerfer und weiche Scheinwerfer usw. Die kann man, wenn man sie einmal erstellt hat, natürlich immer wieder verwenden. Nützlich sind auch Pfeile, mit denen man Fahrten und Bögen mit denen man Schwenks andeuten kann. Aber wie gesagt, das braucht schon ein wenig Zeit, doch wenn man all die erforderlichen Elemente man designed hat, kann man sie ja immer wieder verwenden.

Ein wenig erinnert diese Aufgabe an das 3 D Simulationsprogramm "Die Sims" bei dem man aus einer Bibliothek Häuser, Wohnungen, Zimmer, Möbel und Figuren einsetzen konnte. Genau wie beim Spiel, ist es hilfreich, eine breite Bibliothek an Objekten zum Einsetzen zu haben. Insbesondere Requisiten, Möbel, Kinder und Tiere erweitern die Möglichkeiten enorm.

 

Apps

Shot Designer 1 4000

Screenshot der Floorplan App "Shot-Designer" Man kann Fotos, die man mit dem Handy schießt, gleich in die einzelnen Skizzen mit integrieren

 

Inzwischen gibt es eine Reihe von Apps, die einem diese Vorarbeit abnehmen und mit denen man in relativ kurzer Zeit ansehnliche Ergebnisse erzielen kann. So etwa die App Shot-Designer, die man sich auf sein Handy oder Tablet herunterladen kann. Mit knapp 50 Megabite ist der Download der App nicht allzu belastend für das Smartphone. Nun der Startbildschirm öffnet recht überschaubar, nämlich mit zwei angedeutetn Menschen bzw. deren Köpfen als Topshot Perspektive. Mit einem Klick auf das Kamerasymbol am Bildrand kann man mit der Handykamera ein Foto von einer Location machen und auf die Arbeitsfläche einfügen. Mit dem Plus Symbol öffnet man Menüs mit denen man beispielsweise ein Kamerasymbol auswählen kann. Um die gewählte Kamera zu platzieren muss man den Finger etwas länger auf die gewüsnchte Stelle des Displays drücken. Genauso kann man eine sich öffnende Türe oder Fenster und andere Raumelemente hinzufügen. Genauso leicht lassen sich Scheinwerfer platzieren, die man mit dem Finger verschieben und mit einem Ziehpunkt ausrichten kann.

Wände lassen sich über einzelne Punkte, welche dann durch Linien verbunden werden, ebenso leicht einzeichnen. Auch Texte kann man hinzufügen, die Schriftgröße ist allerdings fix und die voreingestellte Schrift auf einem Smartphone doch recht klein. Das ist etwas schade, denn die Schriftgröße sollte man schon an die jeweilige Bildschirmgröße anpassen können.

Die kostenlose Version kann eigentlich alles, was die Pro Version auch kann, bis auf den kleinen aber entscheidenden Unterschied, dass man nur in der Pro Version, die etwa 20 Dollar kostet, den Plan auch speichern kann. Was ja nicht ganz unwichtig ist, wenn man damit einen ganzen Film durchplanen möchte.  https://www.hollywoodcamerawork.com/shot-designer.html

Beliebt sind auch Hilfsmittel für Skizzen, welche automatisch eine Shotlist generieren (Der ShotDesigner bietet so etwas) - Manchmal sind diese Funktionalitäten auch Bestandteil von größeren Programmen wie Celtx oder Fuzzlecheck. Für Lichtsetzung werden Apps genannt wie Lighting Designer, den es aber nur für Apple gibt. Vermutlich ist der Bedarf zu gering, als dass sich größere Firmen dazu hinreißen lassen, aufwändige Tools zu programmieren.

Sehr praktisch, aber leider ohne Kamera,- und Scheinwerfersymbole ist "Floorplanner Pro", der "Floor Plan Creator" oder auch "Floorplanmaker (https://floorplanmaker.de.softonic.com/)"

Über spannende Apps, die beim Erstellen von Storyboards helfen, berichten wir in einem eigenen Kapitel.

 

Wer verwendet Floorplans?

Je älter und erfahrener die Kameraleute sind, desto eher zeichnen sie Handschriftliche Floorplans und schreiben eher Shotlists in MS Excel oder MS Word. Einige zeichnen mit dem Stift auf dem Tablet Skizzen und speichern diese. Oft ändert sich dann on Location sowieso noch manches. Die Jüngeren greifen eher auf Android / IOS Apps oder Windows/Apple Software zurück, wie beispielsweise Shot-Designer. Bei Filmleuten recht unbeliebt sind Tools, die wie Computerspiele aussehen. Wofür man sich letztlich entscheidet, ist Jedem selbst überlassen, wichtig ist eigentlich nur, dass man sich die Szenen und räumlichen Situationen gut vorstellen und mit Anderen darüber sprechen kann.

 

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