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Stummfilm Archivar 4000

Im Stummfilm beliebt,- eine Irisblende die sich mittig zum Szenenende kreisförmig schloss und umgekehrt zum Szenenbeginn von der Mitte aus öffnete. (Standbild mit Hartmut Redottée als Archivar aus "Roll the Picture", Regie: Mathias Allary)

 

Irisblende

Es klingt so einfach, doch es ist viel mehr als einfach nur hell und Dunkel machen. In der Stummfilmzeit wurde die Blende auf Schwarz am Ende einer Szene und die Aufblende am Beginn der nächsten Szene zu einem beliebten Gestaltungsmittel. Sie erzählt visuell, dass ein bestimmtes Kapitel abgeschlossen ist und ein neues beginnt. Ein wenig wie beim Umblättern in einem Buch oder dem Ausschalten der Nachttischlampe.

Bei den Stummfilmen wurde dazu am Drehort am geplanten Ende der Einstellung vor das Objektiv eine Irisblende gehalten, die dann geschlossen wurde. Das sorgte dafür, dass das Bild von den Rändern her immer dunkler wurde und sich kreisförmig immer mehr verdunkelte bis am Ende in der Mitte nur noch ein winziger Lichtpunkt war, der sich dann schwärzte. Die Aufblende erfolgte umgekehrt.

Mit dem Fortschreiten der Kopierwerkstechnik wurden die Blenden in die Postproduktion verlagert, wo dies zum Beispiel durch Herunterregeln des Kopierlichts zu einer Abblende führte. Heute werden diese Effekte ausschließlich digital in der Postproduktion erzeugt.

 

Filmsprache

Erzählerisch bietet so etwas gute Möglichkeiten für erzählerische Sprünge. Derartige Blenden singnalisieren das Ende oder den Anfang eines erzählerischen Abschnitts, einer Szene, einer Episode. Nach so einer Abblende konnte viel Zeit vergangen sein, war man vielleicht an einem anderen Ort, auf jeden Fall war es eine Zäsur, ein Einschnitt innerhalb der Filmhandlung. So wie ein im Theater geschlossener Vorhang oder wenn am Ende des Akts alle Lichter auf der Bühne ausgehen. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass die Zuschauer das auch wie einen Theatervorhang empfinden. Es nimmt ein wenig von der filmischen Illusion, bei Geschehen dabei zu sein, weg,- es schafft mehr Distanz zwischen Zuschauern und der Filmhandlung.

Derartige Blenden erzeugen filmsprachlich Abschluss einer Szene oder eines Filmes bzw. Beginn einer Szene oder eines Filmes. Geblendet werden kann natürlich nicht nur auf Schwarz oder Weiß, sondern auch auf andere Farben. Blenden auf Farbe sind aber nur in der Postproduktion möglich. Eine weitere verwandte Alternative wäre das Unscharf,- bzw. Scharfstellen. Auch damit kann man aus einer Szene aus, oder in eine neue Szene einsteigen.

 

Fade to Black / Abblende

Film Streifen Blenden 4000

Dies ist natürlich nur eine symbolische Darstellung - Tatsächlich vollziehen sich Blenden über mehr als vier Bilder,- meist dauern sie ein, zwei Sekunden, also etwa 48 bis 50 Bilder. Heute entstehen die meisten von ihnen digital und nicht auf analogem Film, die Perforation auf der Abbildung ist symbolisch gemeint. Von Links: Aufblende, Abblende sowie Weißblende

 

"Fade to Black" wurde in der Anfangszeit sogar in der Kamera selbst, später dann in den Kopierwerken oder optischen Bänken erzeugt. Es bedeutet nichts anderes, als dass man von der normalen Belichtung des Filmmaterials oder heute des Sensors, die Lichtmenge immer mehr reduzierte, bis das gesamte Bild Schwarz war.

Die Abblende ist wahrscheinlich die am häufigsten verwendete Blende im Film, sie ist den Zuschauern am geläufigsten, ist ihnen sehr vertraut.

Die Abblende bietet den Zuschauern einen Moment des Innehaltens, vielleicht des Nachdenkens über das soeben Gesehene. Sie kann aber auch filmsprachlich erzählen, dass Jemand einschläft oder stirbt. Sie kann auch erzählen, dass eine bestimmte Tätigkeit,- etwa die Arbeit der Erntearbeiter*Innen auf den Feldern oder die Probenarbeit der Tänzer*Innen auf der Bühne noch viel länger dauern wird, als es im Film gezeigt wird.

Natürlich kann man auch statt auf Schwarz auf eine andere Farbe blenden. In dem Film "Schreie und Flüstern" (Regie: Ingmar Bergmann, 1972) etwa wird auf Rot geblendet, das zieht sich farbsymbolisch durch den ganzen Film und repräsentiert Furcht, Blut, Leidenschaft sowie Krankheit.

 

Aufblende

Die Aufblende "Fade in" ist der umgekehrte Vorgang, man beginnt mit geschlossener Blende und öffnet diese bis zu dem Wert, bei dem die Aufnahme richtig belichtet ist. Die Aufblende eröffnet eine Szene, einen Vorgang, eine Montagesequenz, die Abblende beendet sie.

Aufblenden werden auch gerne verwendet, um den Vorgang des Aufwachens oder "wieder zu Bewußtsein Kommens" einer Filmfigur zu visualisieren. Der legendäre Film "Der Pate" (Regie: Franzis Ford Coppola, 1972) beginnt auf Schwarz und man hört eine Stimme, erst langsam mit einer Aufblende sehen wir, wer da spricht.

 

Überblendung

Interessanterweise kann man durch die Kombination von Ab und Aufblende über dem gleichen Stück Video oder Film, eine Überblendung erzeugen. Beim analogen Film konnte man das sogar bei manchen Kameras durch zurückwickeln von bereits belichtetem Film über die Länge der gewünschten Überblendung tun. Doch organisch, natürlich wirkt das eher nicht. Es gibt Puristen, die solche Überblendungen schlichtweg ablehnen.

 

Fade to White

Weißblenden können in ihrer Wirkung recht schwierig sein, man öffnet, ausgehend von der aktuellen Blende, bei das Bild richtig belichtet ist, die Blende immer weiter, bist das Bild so weit überbelichtet ist, dass nur noch Weiß zu sehen ist.

Gleißend weiß auf dem höchsten Level sind sie einfach grell hell, wenn man sie aber abdunkelt können sie leicht gräulich und schmutzig werden. Hier kann es helfen, wenn man sie farblich bei abdunkeln etwas pastellig einfärbt.

Filmsprachlich stehen sie weniger für den Abschluss einer Szene oder Episode,- sie signalisieren eher den Übergang zu etwas Anderem, Neuen, vielleicht Fremden. Filme in denen vom Himmel, vom Tod, von anderen Welten, von Verwandlungen, von Zauberei, von Rauschzuständen erzählt wird, bedienen sich sehr gerne der Weißblende.

In dem Film "Black Swan" (Regie: Darren Aronofsky, 2011), endet die letzte Einstellung mit einem Fade-to-White. Dies erinnert einerseits natürlich an die Scheinwerfer-Spots der Tanzbühne, die auf die Hauptfigur Nina leuchten, andererseits wird auch ihr möglicher Tod symbolisiert. In Science-Fiction Filmen werden auch gerne Begegnungen mit Außerirdischen durch Weißblenden erzählt.

 

Weitere Filme, die mit einer Weißblende enden, sind:

The Sixth Sense (Regie: M. Night Shyamalan,1999)

Fight-Club (Regie: David Fincher, 1999)

The Man who wasn`t there (Regie: Coen-Brüder, 2001)

The Wrestler (Regie: Darren Aronofsky, 2009)

The Woman in the Fifth (Regie: Paweł Pawlikowski, 2011)

All is lost (Regie: J. C. Chandor, 2013)

Birdman (Regie: Alejandro González Iñárritu, 2015)

La La Land (Regie: Damien Chazelles, 2016)

 

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