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An den Scheinwerfern sieht man deutlich die "Glocken" zum Einstellen mit der Polstange, farblich kodiert in Weiß, Blau und Gelb. Auch die gelben Pantographen und die Nummerierungen der einzelnen Scheinwerfer sind gut erkennbar.

 

Was hängt nicht so alles in einem Film,- und TV Studio von der Decke? In Filmen, TV-Shows, News etc. wird das, was da so in der Luft hängt, ja nie gezeigt. Dabei ist das oft extrem aufwändig und ziemlich komplex. Wir schauen für Euch nach oben...

Film,- und Fernsehstudios sind im Grunde genommen große Hallen, die für Aufnahmezwecke optimiert wurden. Die ersten Filmstudios befanden sich übrigens entweder in Glashäusern (beispielsweise in Berlin, Paris oder London), oder dort, wo es nur selten bis gar nicht regnete (Kalifornien), unter freiem Himmel. Erst als der Tonfilm kam, zeigte sich, dass man den Außenlärm durch dicke Mauern akustisch abschirmen und das Licht der Sonne durch Scheinwerfer ersetzen musste.

Heutige Studios müssen vielfältige Aufgaben bewältigen und möglichst flexibel sein. Dazu gehört natürlich die Anbringung von Licht, ohne dass man Lichtstative aufstellen müsste. Außerdem sollten sie akustisch möglichst wenig Schallreflexionen haben, sonst ist es zu hallig für Tonaufnahmen. Für das Licht müssen also Befestigungssysteme für die Scheinwerfer über der nutzbaren Studiofläche angebracht sein, damit man das Licht von oben kommen lassen kann. Natürlich müssen sie mindestens so hoch über den Köpfen der Schauspieler oder Moderatoren hängen, dass sie nicht im Bild zu sehen sind. Da auch die genutzte Höhe etwa von Studiobauten variiert, also etwa die Höhe der Wände von gebauten Räumen und auch der Einfallswinkel des Lichts variabel sein sollte, sollten die Scheinwerfer an der Studiodecke, oder auch Studiohimmel genannt, möglichst vielseitig bewegbar sein.

 

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Vor einigen Scheinwerfern sind Filterfolien an den Toren angebracht. Ganz oben sieht man gut die Schienen, an denen die Scheinwerfer hängen und mit denen sie verschiebbar sind. Die weißen Leuchten mit Fluoreszenzröhren sind das Arbeitslicht für das Studio.

 

Aus diesem Grunde gibt es einerseits Schienensysteme, an denen man die Scheinwerfer an die gewünschte Position schieben oder motorisch fahren kann, als auch Befestigungen, so genannte Pantographen, mit denen man sie in der Höhe herauf,- und herunterfahren kann. Auch hier gibt es natürlich gewaltige Unterschiede, bei manchen Systemen werden die Scheinwerfer motorisch, bei anderen von Hand bewegt. Das Gewicht, was da so unter der Decke eines Studios hängt, ist gewaltig und muss natürlich auch von der architektonischen Seite berücksichtigt werden. Im Idealfall werden Tragschienen aus Stahl gleich mit in den Beton der Decke eingegossen. An diesen wieder können dann die Führungsschienen für die Scheinwerfer befestigt werden.

Hier gelten natürlich extreme Sicherheitsbedingungen, schließlich darf es keinesfalls passieren, dass so ein Scheinwerfer herunterstürzt. Trageseile sind stets doppelt vorhanden und so ausgelegt, dass sie ein Mehrfaches an Gewicht halten können. Wenn also eines der beiden Seile reißt, kann das andere bis zur Reparatur/Austausch des defekten Seils den Scheinwerfer halten. Dazu gehört auch, dass alle Scheinwerfer zusätzlich zur Befestigung mit massiven TV-Zapfen mit 28 mm an der Studioschiene auch noch mit stabilen Stahlseilen gesichert sind. Auch die Tore sind mit Stahlseilen gesichert. Man kann sich vorstellen, dass auch die Stromversorgung all dieser Scheinwerfer und die entsprechenden Stromschienen und Dimmerkreise ebenfalls extrem gut abgesichert sein müssen. Studios müssen vor der Inbetriebnahme und auch im laufenden Betrieb von Sachverständigen geprüft werden.

 

Pantographen

Je nach Höhe und Größe des Studios kann es auch sein, dass es Beleuchterbrücken gibt, auf denen die Beleuchter unter der Studiodecke Zugriff auf die Scheinwerfer haben. Sind die Pantographen, das sind Scherensysteme, mit denen man die Scheinwerfer herauf und herunterfahren kann, groß genug, kann man mit ihnen die Scheinwerfer auch so tief herunterfahren, dass man vom Studioboden aus etwa Folien etc. an den Scheinwerfertoren befestigen kann. Die meisten haben einen Auszug von maximal 5 Metern, man kann sie also nur in kleinen und mittleren Studios verwenden. Sie lassen sich je nach Bauweise entweder manuell mit einer Polstange (lange Stange mit einem Haken am oberen Ende) oder motorisch ein,- oder ausfahren. Müssen größere Höhenunterschiede überbrückt werden, kommen Teleskope, das sind Rohre die motorisch ineinander geschoben werden, zum Einsatz. Manchmal werden auch mehrere Scheinwerfer an einem so genannten Stangenleuchtenhänger, auch Traversenhänger genannt, befestigt. Sie bilden dann eine Gruppe, die nur gemeinsam höher oder tiefer gefahren werden können. Alle motorischen Systeme haben Notendabschalter, die verhindern, dass Scheinwerfer über die erlaubten Positionen hinaus gefahren werden können.

 

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Motorisch ausfahrbare Pantographen mit Stufenlinsen-Scheinwerfern von Desisti

 

Stangenbedienbar

Scheinwerfer, die für Studios ausgelegt sind, besitzen andere Aufhängungen als jene, die man auf Lichtstative befestigt. Sie haben Bügel, die über Getriebe die Veränderung der Scheinwerferausrichtung in eine Drehbewegung umwandeln. Man spricht dann davon, dass diese Scheinwerfer stangenbedienbar sind.

Die für diese Bedienung notwendige Polstange erinnert ein wenig an manche Verlängerungen für Jalousien oder Jalousien, die am unteren Ende einen Kurbelgriff haben. Am oberen Ende ist ein Haken, der vielfältige Einstellungen am Studiohimmel möglich macht. Diesen Haken kann man nämlich in so genannten Glocken, einhängen. Das sind farbig gekennzeichnete Plastik,- oder Metall Öffnungen, in denen ein metallisches Gegenstück den Haken aufnimmt. Die Glocken besitzen einen Farbcode, der die jeweilige Funktion kodiert. Blau bewegt die Horizontale (Pan) und Weiss die Vertikale (Tilt). Ja und dann entdeckt man auf den Fotos vom Studiohimmel an den Scheinwerfern noch eine weitere Farbe. Die gelben Glocken sind für die Bündelung oder Streuung des Scheinwerfers zuständig, also den Abstrahlwinkel des Scheinwerfers.

Sie befinden sich an den Scheinwerfern und den Pantographen und übertragen die Kurbelbewegung vom unteren Ende der Polstange auf ein Schneckengetriebe mit dem man die Scheinwerfer drehen, neigen oder fokussieren kann. Das Getriebe hat eine gewisse Trägheit, damit sich die Scheinwerfer nicht von alleine etwa unter dem Gewicht der Tore von alleine senken. Für die Tore gibt es übrigens keine so trickreiche Mechanik, um sie einzustellen. Sie werden mit den Stangen entweder gebogen, gezogen oder geschlagen, um sie zu verändern. Deshalb sollten diese einerseits leichtgängig sein, andererseits aber nicht ausgeleiert, damit sie in der gewünschten Position verbleiben.

 

Steuerung

Für die motorischen Aufhängungen der Scheinwerfer gibt es analoge oder digitale Positionssteuerungen und für die Helligkeit der Scheinwerfer zumeist Lichtstellpulte, welche die Helligkeit der Scheinwerfer über Dimmer oder auch über DMX Systeme regeln. Damit man eindeutig erkennen kann, welchen Scheinwerfer oder welche Gruppe von Scheinwerfern man einstellen möchte, haben alle Scheinwerfer eine Nummer. So kann es nicht zu Verwechslungen kommen.

 

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Das aufwändige Lüftungssystem des Studios

 

Heiße Luft

Scheinwerfer produzieren jede Menge Wärme, die abgeführt werden will. Und auch die Kameras am Studioboden, die ganze Technik in der Regie und möglicherweise auch Zuschauer im Studio erzeugen alle zusätzliche Wärme. Deshalb haben Studios möglichst schallgedämmte Lüftungssysteme um die Raumtemperatur auf den gewünschten Werten zu halten. Diese sind sehr aufwändig und dürfen keine Eigengeräusche produzieren. Die Klimaanlage muss nicht nur warme Luft ableiten, sondern auch frische Luft wieder in das Studio einleiten. Für die Frischluft werden in Studios häufig Freistrahldüsen verwendet, die sich oft sogar in der Höhe verstellen lassen. Das hat den Vorteil, dass man die Öffnungen der Düsen in die Höhe der Scheinwerfer platzieren kann und sie diese damit sehr effizient kühlen können ohne dass die kalte Luft längere Wege oder gar Umwege im Studio bewältigen muss. Das hilft vor allem auch, die Nebengeräusche zu minimieren.

In kleineren Studios können auch Kühlelemente, direkt unter der Studiodecke das Studio gänzlich ohne Geläse kühlen, ähnlich wie bei einem Kühlschrank. Damit ist zwar die Kühlung sicher gestellt, nicht aber die Belüftung mit Frischluft, hierfür benötigt das Studio zusätzliche Systeme.

Eine dritte Variante, die aber kostbare Fläche vom Studio wegnimmt, ist die Schwerkraftkühlung, bei der an allen Seiten des Studios Fallschächte angbracht sind. In diesen Schächten sind Kühlelemente, warme Luft, die oben in die Schächte eintritt, kommt unten gekühlt wieder heraus. Auch hier wird nur die Temperatur geregelt, für die Frischluftzufuhr muss ein weiteres System sorgen.

 

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Gespannte Opera-Folie als dekorativer Hintergrund

 

An den Studiohimmel heran, ragt der sogenannte Studiovorhang. Dieser ist meist als 180 Grad Rundvorhang ausgelegt und kann Weiß, Schwarz oder auch zum Keying Grün oder Blau sein. Für Shows und Ähnliches kann man auch einen mit glänzenden Pailletten bestückten schwarzen Vorhang verwenden, das sieht dann wie ein glitzernder Sternenhimmel aus. Oder aber es hängt eine Operafolie von der Decke, die ähnlich einer Leinwand, speziell mit Scheinwerfern beleuchtet werden kann.

Es gibt noch viel mehr Details, die so ein Studio erst richtig nutzbar machen, doch vielleicht habt Ihr einen ersten Eindruck davon bekommen, was denn da so alles an der Decke eines Studios hängt.

 

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